wir nÀhern uns norden

fĂŒr Rebecca Zinke

dein gesicht zwischen zwei monden
zerfließt schnee
waren einmal licht
die konturen deiner augen waren
einmal nacht
ein anderes mal

trafen wir uns auf altem kristallin
langsam fangen die falten an
meine geschichte zu erzÀhlen

granatglimmerschiefer faltengebirge
aus knotenschiefern
baute ich das dach eines hauses

im mittagslicht schimmert cordierit
cordieritblau beugt sich der himmel
ĂŒber das dorf
in seiner unwissenheit wirkt er einsam
allein ein einzelgÀnger
unter den einzelgÀngern der bergdohlen
gleicht deine stimme dem knistern in eis
wir nÀhern uns norden

Genre: Wortmysterien

Der Einsiedler

lebt
seit vier Monaten in der Felsenklause
am Palfen.
Morgens und abends

singen die Vögel ihr StÀndchen, auch
das MÀuschen schaut öfter vorbei und manchmal,
wenn die Wanderer gegangen sind,
findet sich

ein Gedicht.
So schweigt er
mit der Schere
Gladiolen,

legt sie dem brummenden Tal auf
den Tisch, gibt
Wasser in die Vase,
am Himmel:

Sonne und Mond.

Genre: Erinnerungsbrösel, GemĂŒtstiefe, RealitĂ€tsschatten

Ein dichter fĂ€hrt mit einem kahn wörter ĂŒber den fluss, hin und her, her und hin. Ein wanderer kommt vorbei und fragt:
Ist das die rolle, die aufgabe eines dichters, was du hier tust, und, nimmst du mich mit und bringst mich ans andere ufer?
Was ich hier tue, nein, das ist nicht meine rolle, nicht meine aufgabe, antwortet der dichter, aber, dass einer vorbei kommt und mich das fragt!

Genre: RealitÀtsschatten

Ein ausgelatschter Stiefel

der FrĂŒhling ist vorĂŒber. (Scheinbar)
Ist was, ist was, was ist passiert?
Offenbar nur Gudruns Latschen.
Da ging, da ging, da ging sie
im Quadrat.

Doch Gudrun hat die Stiefel an.
Breit tritt sie damit und in den Weg:
Gudrun zeigt uns lang noch
wo da der Hammer hÀngt:
Die Landschaft, nach dem FrĂŒhling,
atmet Gudruns Duft
Wir wollen gezÀhmt sein:
von Gudruns Stiefel, Schritt und Schnitt.

 

Genre: Wortmysterien

Zwei [12]

in ihrer Jurte liegend, Mallarmé lesend

Genre: RealitÀtsschatten, Wortmysterien

Black Sands

Wenn lichte Nebel durch die SĂ€nde flĂŒstern
und Meeresbuchten sich am Winde laben;
dein Blut erzitternd gegen Felsen heben

blĂŒht dunkle, rohe Ewigkeit in uns

Genre: GemĂŒtstiefe

Das Erotische ist ein StörgerÀusch

Heute: Das Ehepaar vom schlechten Russentisch

 

-

Genre: RealitÀtsschatten

HÀtte er sich seines praktischen Verstandes bedient, wÀre dies nicht passiert

Niemand bestreitet, dass beim Menschen die IntentionalitĂ€t, die wir Gott mittlerweile erfolgreich absprechen, zumindest noch teilweise vorhanden ist. Ich hatte neulich einen Bot zu Hause, der dafĂŒr geschaffen war, Löcher in poröse WĂ€nde zu bohren. Das Adjektiv “porös” schien jedoch, im Zusammenhang mit der Konstruktions des Bots, eine andere Bedeutung zu haben als die von mir vorgestellte. Jedenfalls war die Einwirkung des Bots auf die Wand von einer Art, die das funktionale EinfĂŒhren einer Gardinenstange, unmöglich machte. Ich hielt sie bald schon wieder in der Hand, und auf mich, rieselte bröselte Betonstaub. Offenbar lag es an einem MissverstĂ€ndnis. HĂ€tte man sich seines praktischen Verstandes bedient, wĂ€ren diese Dinge/VorgĂ€nge nicht passiert.

Genre: RealitÀtsschatten

TrÀumen [11]

in welche Richtung

> Proust erzĂ€hlt ĂŒber sich und wie er sich von Bergson nicht ĂŒberzeugen ließ

>> Proust erzĂ€hlt, erzĂ€hlt nicht ĂŒber sich und wie man einen Roman schreibt, der der Roman der Romane ist

>>> Der Roman der Romane vor zweihundert Jahren existiert : wer russisch versteht, lerne lesen. Nabokov hilf t

>>>> Hundert Jahre spĂ€ter ist alle Ästhetik InhaltsĂ€sthetik oder fahrlĂ€ssig nostalgisch

>>>>> Nostalgia

>>>>>> Wenn die Erfindung eines Neuen ein GesprÀch mit dem Vater ist, sollte man sich klargemacht haben, dass der Film kein Roman mehr sein will

*

Die DDR im Sero-Zustand. Fette Bilder, tot. Wo doch Fett das Leben schlechthin ist. Das Leben noch vor dem Leben, wie Joseph Beuys mir glaubhaft versicherte. Mich damals glaubhaft versicherte. Mich eines Lebens in meiner Jurte vergewisserte, die das Zelt des lebenden Übersetzers ist.

* *

In seiner Jurte sitzend : das BÀchlein : hörend,

Das Bild ist ein Blitz der alles zusammenfĂŒgt,

Aber das Leben,

- –

Du Schöne, du (dudu 1 2 3
4 ?

-

Schade dass dieser Text damals so schnell gelöscht wurde; man wird ihn noch einmal schreiben mĂŒssen

Genre: RealitÀtsschatten, Wortmysterien

Das Trivial der GrÀfin Ottilie

Ihr Geist war klar wie Weizenkorn. Sie konnte daher auch so Zeugs schreiben, und das tat sie mit Verve und Hingabe. Da sie alt zu werden drohte, hatte sie ein gutes Bestattungsinstitut aus der Zeitung rausgesucht und die Anzeige mit der Nagelschere ausgeschnitten. Wie schön wĂ€re es, wenn sie, so wie die Courts-Mahler, noch einen guten Trivialroman zu schreiben verstĂŒnde! Sie trĂ€llerte, sie flötete, sie gurrte und schmetterte – Dr. Brummer-StĂŒrmer, der ihr den steifen Nacken wieder weich kneten sollte, fuhr vor – na, klar – mit der Rolex am Arm, und brachte ein Massageöl mit lila Band, da er es nicht vermochte, mit seiner MĂ€nnerliebe im Quadrat zu gehen. “Ein mystischer Satz am Beginn eines großen Trival.”

Genre: Trauersymmetrie

Wohin trÀumen

Wieder drĂŒcken sich die Tage
eng an meine Haut,
tritt ein Teil aus mir heraus
und geht
in sie ĂŒber,

und ich weiß nicht,
wie ich mich halten soll
inmitten dieser Zeit,
in der die Schritte
blind ĂŒbereinander fallen

und ich
in keine Himmelsrichtung
trÀumen kann.

Genre: RealitÀtsschatten, Trauersymmetrie

Conceptual Feelings

A.N.Whitehead

* * *

The ‘primordial nature’ of God is the concrescence of a unity of conceptual feelings, including among their data all eternal objects.

Genre: Wortmysterien

Das Licht

des Sprachturms,
beziehungsweise
die Alchimie der Wellen
Gesang und
Vermischtes,
besagtes
GerÀusch.

Genre: Rezensionen

borkum II

traum und nachtgleiche
ein schiff aus sand
und unterm kiel die möwen
schreien ĂŒbers watt
nebelbÀnke halten an
die zeit
denkt man
doch es ist das leben
das verweilt

Genre: Erinnerungsbrösel, GemĂŒtstiefe

borkum I

vogelrauschen meeresschreien
weht deine stimme in wellenbewegungen
ĂŒber dĂŒnen
den brandungssaum
ziehen graugÀnse in ein grauland
weiter
der tag ist elektrisch
magnetisch die nacht
plötzlich grĂŒn plötzlich blau
und gelb
steh auf
geh
weiter
richten sich mandelweiden auf
zu einer buhnung
stemmt sich sprache gegen den sturm
ebbt ab flutet auf
meeresschreien vogelrauschen

Genre: Erinnerungsbrösel, GemĂŒtstiefe