Du bist mein Licht …

Ich liebe hemmungslos und ohne Schranken,
bin gefangen in meinen Gedanken,
Sklave meiner Leidenschaft,
wie lange habe ich die Kraft,
auf dem Seil zu balancieren,
gewinne ich dich, werde ich verlieren?
Doch eines möchte ich dir sagen,
du bist mein Licht an dunklen Tagen,
und erreiche ich dich auch nicht,
so bleibt mir doch, ich liebe dich.

Genre: Realitätsschatten

Portale

D√ľnn geworden,
was man uns serviert. Verschrien,
verleumdet die ungeliebte Klarheit
des Gedankens, die, mitunter noch,
anklagend die Stimme erhebt.

Gl√ľcklos sind wir.
Die Massen machen das Spiel,
man las es in Glanzbrosch√ľren,
und gemeint waren Wirrnis, Leere
und Gleichg√ľltigkeit.

√úberall Melancholie,
sie hockt vor geschlossenen Portalen,
und wir, arme Hunde, warten in
Gottvertrauen, warten und warten
und wissen nicht, worauf.

Genre: Realitätsschatten

Es

gibt keine Null
Reflexion, außer

in der reinen
Anschauung

Genre: Trauersymmetrie, Wortmysterien

Die Doktorrolle

‚ÄúTja, das sind die Widrigkeiten unseres Bildungssystems!‚ÄĚ Frau Dr. R√ľckert-Knospe f√§chelte sich frische Luft zu. Der Dichter zu ihrer Rechten hatte soeben, Heizungsw√§rme vom Publikum fordernd, seinen sattgrau behosten Hintern auf dem Pultstuhl zurecht geschoben, als sie von einer erneuten Hitzew√§lle √ľberstr√∂mt wurde. Gedichte, welcher Couleur auch immer, hatten sie in fr√ľheren Jahren mit K√§lteschauern √ľberh√§uft, jetzt rann ihr der Schwei√ü von der Stirn, wenn so ein junger Schn√∂sel Lyrik rezitierte. ‚ÄúUnd noch dazu hat er solche Hosen an wie Urgro√üpapa Richard auf dem Foto von 1895! Woher kennt der unser Familienalbum?‚ÄĚ Dr. R√ľckert-Knospe fing an, aufzubl√ľhen, w√§hrend sie bebte. Ins Pfarrhorn sto√üen, das war ihre bevorzugte Variante von Mal-so-richtig-auf-die-Pauke hauen. Vor kurzem hielt sie sich noch an das Rosafarbene, nun musste es das Gr√ľne sein. Wie niedlich! Und mit kleinen schwarzen P√ľnktchen, wie niedlich. Der Dichter H√ľlsenbrod legte seine W√§rmflasche unter das Pult, trank einen Schluck geschmacklosen Sprudel, sp√ľlte den Mund, gurgelte. Dann las er avantgardistisch anmutende Prosa. ‚ÄúAch, leckt mich doch alle am Hintern! So ungekonnt wie der kann ich nicht schreiben. Mit einer jugendstiligen Latte schreibt er sich ein.‚ÄĚ Die Volksemp√∂rung war vollkommen. Das verkrustete Salz dieser schlecht verarbeiteten Lesung begann, abgelutscht zu werden. Von fiktiven Ziegen. ‚ÄúSie juckt es wohl, haben Sie W√ľrmer? Oder was sind das f√ľr Schwierigkeiten?‚ÄĚ, br√ľllte es von hinten und eine Faust fuhr auf. Frau Dr. R√ľckert-Knospe schwieg still und ahnte, dass sie mit ihrer theatralischen Bescheidenheit kaum f√ľr Wahrnehmung, geschweige denn f√ľr einen Eklat w√ľrde sorgen k√∂nnen. Wir w√ľnschen diesem M√§dchen alles Gute, vor allem, dass sie nie mit den geschwollen F√ľ√üen eines Pegelkiffers in Ber√ľhrung kommen m√∂ge. M√§nnerlekt√ľre stopft.

Genre: Rezensionen

elefantensamba

fliegt ein schiff durch meinen kopf
ein hamburger viermaster
die segel gesetzt

von den bergen und schlachtfeldern
von einer trauernden mutter und geliebten
trägt der wind stimmen
in die städte

wir pfl√ľcken n√§chte und binden sie
zu einem großen strauß
der elefant schaut in den himmel

die bienenz√ľchter und kriegstreiber
haben zulauf
f√ľttern k√∂niginnen und kronprinzen
mit honig und waffenarsenalen aus den bergen

das haus ist ein sprechender zigarettenautomat
darin wohnen kann tödlich sein
aus den schachteln und h√ľlsen dr√§ngen stimmen

die haut ist ein geduldiges raubtier
jede nacht macht sie beute
wandern elefanten in die stadt
trompeten und tanzen samba

Genre: Realitätsschatten

“…dass hier eine Menge Ungekonntes sich herumdr√ľckt.”

1:0 f√ľr Theos Resterampe!

Genre: Rezensionen

Chorin (1)

Vision

Schwebendes Dreieck,
rechteckiger Grund.

Das Licht holt sie zusammen
in der Sieben.

Reine Addition, nichts
Räumliches oder
Zeitliches.

Schattengrund, Gr√ľnde
f√ľr Schatten, nichts
Unerklärliches.

Wenn Licht & Schatten zusammen
treten, entsteht Raum
aus sich selbst heraus.

In der geschauten Einheit
verteilt sich das Ungleichartige.

Ungleiche Hälften, ein Wider
spruch – gemurmelt

oder geschaut, vom Auge
wie vom Ohr aus
springt

dieser Stein in die
Höhe: Schluss
stein,

Schicht auf Schicht,
Kulmination:
das

Leichte
ruht auf
dem Schweren als

Illusion -
niemand könne ernst
haft glauben, dort &

nur
dort sei der Mittelpunkt der Welt.

Genre: Realitätsschatten, Rezensionen

Nur zu!

Im eigentlichen Sprachsinn ist der Dilettant ein Liebhaber, jemand, der zum Vergn√ľgen oder aus Liebhaberei, Leidenschaft gar, etwas ausf√ľhrt. Der sich mit Begeisterung f√ľr eine Sache, um ihrer selbst willen, einsetzt. Entsprechend wurde das Verb “dilettieren” gern in der Musik verwendet. Die Sprachwurzel ist dem Italienischen entlehnt: “dilettarsi” meint “erfreuen”.

Da ein Dilettant eine Kunst (welche auch immer) nicht berufsm√§√üig ausf√ľhrt, ist er dem Amateur gleichzusetzen. Und hier liegt der Beginn der negativen Konnotation: Amateur = Nichtsk√∂nner.

Auf! Bezeichnet mich als Dilettanti!

Genre: Rezensionen

nocturne (l√ľgenbaron)

wer mich kennt weiß
dass ich gedichte vom himmel herunter l√ľge
in ihnen schwimmen fische durch leuchtreklamen
steigen √ľber den schildern luft- und sprechblasen auf
in die lichtglocke √ľber der stadt
werden stimmen beschworen
urt√ľmliche laute aus ubahnsch√§chten
mischen sich mit dem rascheln der lindenblätter
vom warschauer platz vom czernowitzer platz
vom donauufer in budapest und vom schwarzmeer bei odessa
wer mich kennt weiß
dass in meinen vom himmel herunter gelogenen gedichten
am horizont schneeberge aufragen
√ľber sie ziehen singschw√§ne in ferne geschichten
die an orten wie teheran und kabul spielen
dort stehen mädchen am straßenrand
und winken burschen in reiterspielen zu
später weinen die mädchen
wenn die toten körper der burschen
auf lastwagen in die stadt zur√ľckkehren
wer mich kennt weiß
dass das blau am himmel selbst eine l√ľge ist
in ihm spiegeln sich die augen von geckos
die an hauswänden hocken und auf das ende der zeit warten
menschen beobachten die tiere
und schreiben ihnen gl√ľcksbringende eigenschaften zu
die augen der menschen leuchten dann blau wie der himmel
ich biege um die nächste straßenecke
sehe fische und höre singschwäne
und die nacht und die l√ľgen nehmen kein ende

Genre: Erinnerungsbrösel

metronom

ich habe angst, dass du aus der zeit fällst.

sammelt a. immer noch uhren? das ist doch auch so ein tick. ein sammler und j√§ger. obwohl, was jagt der eigentlich? frauen nicht mehr, m√§nner noch nie. oder wei√üt du da mehr? und dem geld hinterherzujagen hat er erfolgreich abgeschworen. meintest du jedenfalls. dann m√ľsste er doch eigentlich gl√ľcklich sein, und dem gl√ľcklichen schl√§gt bekanntlich keine stunde. sammelt a. noch uhren? ich wei√ü, das hatte ich dich schon mal gefragt. ist noch gar nicht so lange her… wie die zeit vergeht. da muss man echt aufpassen, sonst f√§llt man einfach raus. aus der zeit. ein komisches konstrukt. von uns erschaffen. es taktet den tag. schichtet ihn auf. fr√ľhst√ľck, mittag, abend. dazwischen brunch, lunch, vesper. ich verga√ü, du wolltest heute fasten. dich vom Zuviel der schichten befreien. mal rausfallen. wohin? ist da ein netz, ein doppelter boden, eine samtweiche matte, ein oben, ein unten? wer sagt, dass das loch, in das man sich hineinst√ľrzt, immer schwarz sein muss?¬†der stein. erinnerest du dich? schwarz mit zwei tiefen kuhlen f√ľr daumen und zeigefinger. ein st√ľck versteinerte magma. aus der zeit gefallen. dir vor die f√ľ√üe gesp√ľlt. durchzogen von wei√üen linien, ein wirres geflecht. unz√§hlige kreidespuren, tief im inneren.

wer sagt, dass ein loch immer nur schwarz sein muss? ich wei√ü, das hatte ich schon mal gefragt. ich wiederhole mich. aber ich habe einfach zeit. zum minutenschichten. oder zum roman schreiben. so schwer kann das ja nicht sein. man muss die zeit nur besser nutzen. sie einteilen und schichten. beat the minutes. mal hier, mal dort. mal anflanschen. das kurze rechnet sich nicht. auch die hermann hat nen roman gebastelt. jason ist √ľbrigens fliesenleger, schreibt der SPIEGEL. und das der roman ein √§sthetischer konservatismus w√§re. so sehen die das. und schreiben sich diese bastelei sch√∂n. ich hab ja alles von fr√ľher weggeworfen. ab in den papierkorb mit osternestchen und eierbechern aus klopapierrollen.

“sieh mal aus dem fenster, wenn du kannst, sagt jason. was w√ľrde ich sehen, wenn ich k√∂nnte, fragt stella.” Kannst du, frage ich dich? hast du einen fensterplatz? siehst du die fliegenden b√§ume? und sp√ľrst du das rattern der r√§der? es ersch√ľttert dich. beat the minutes.

es muss auch sommerg√§ste geben…

(vgl.: Es.muss.was.passieren 22.08.2011)

 

Genre: Erinnerungsbrösel

Gegengl√ľck

Den kleinen Abend
zwischen den Häusern ertragen,
hinter denen ein Sonnenball
aufsteigen wird.

Dem Gl√ľck entkommen,
hineingeglitten ins Gleichg√ľltige,
ins Dunkle, in die Nacht
mit ihrem Schweigen.

Ein Licht wartet
hinter dem Horizont, das des Zuspruchs
bedarf, den wir uns selbst nicht
erlauben.

Und auf dem Straßenpflaster
ein verlorener Vers.

Genre: Realitätsschatten

Bzgl.: Auswahlprobleme von J. Rosch

Die Auswahlprobleme habens mir angetan! Und die drei Fragezeichen f√ľr Erwachsene. Da schlagen wir uns in der Tat mit diesen Problemen herum: sollens die Feuchten von Hakle sein, was √∂kologisches oder doch die lieber die g√ľnstigen JA! Womit wir schon beim JA! sind. Tja, was wollte ich damit eigentlich sagen? Ein Fragezeichen. Hat mich da etwa die Muse der Demenz gek√ľsst? Oder bin ich einfach nur so grottentief gelangweilt, dass mir hier nur die Idiotie zum Quadrat einf√§llt? Egal, die drei Fragezeichen sind geschafft. Damit k√∂nnte ich nun zum Ende kommen. Mach ich auch! Gen√ľgend abgestrampelt heute.

PS: Denken Sie dran: Mit leerem Hirn lässt es sich nicht gut sprechen.

Genre: Rezensionen

Also tapfer weiter strampeln!

Tapfer weiter strampeln

Tapfer weiter strampeln

Genre: Realitätsschatten

Was

ist eigentlich schlimm an der Langeweile?
Dass man sie aushalten muss,
bevor dann
die Musen antreten auf deinem
Fußabtreter
wie zum Morgenappell?

Neues Genre: A u s w a h l p r o b l e m e

(Die Drei Fragezeichen f√ľr Erwachsene)

Genre: Erinnerungsbr√∂sel, Gem√ľtstiefe, Realit√§tsschatten, Rezensionen, Trauersymmetrie, Wortmysterien

spinnengespinst

da spann eine spinne ihr netz
und eine dicke fliege verirrte sich hinein
ach, wie kuschelig, dachte sie
da grinste die spinne nur
während der wind dem schweren gespinst
unheimlichen schwung gab
und die fliege
inzwischen
trocken blutleer klumpig
aus dem netz fiel

da kam mama mit dem staubwedel
und fegte sie beide zusammen
in den m√ľll …

Genre: Trauersymmetrie