PrĂ€misse (Zur AufklĂ€rung und VerlĂ€ngerung von – VerstĂ€ndnissen)

Als PrĂ€misse (lat. praemissa „das Vorausgeschickte“) oder Vordersatz bezeichnet man in der Logik eine Voraussetzung oder Annahme. Sie ist eine Aussage, aus der e ine logische Schlussfolgerung gezogen wird.

Beispiel:

Aus „Alle Menschen sind sterblich“
und „Alle Griechen sind Menschen“
folgt „Alle Griechen sind sterblich“.

Die beiden erstgenannten Aussagen sind dabei die PrÀmissen, die letztgenannte Aussage ist die Konklusion oder Schlussfolgerung.

(Aus: Wikipedia)

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Genre: Erinnerungsbrösel

Der HĂŒter der Herde

Der HĂŒter der Herde ist allein : ohne sich einsam zu fĂŒhlen
Sonne : Gras : Mondschein sind seine Begleiter
Er sieht sie : er fĂŒhlt sie und daher liebt er

Er denkt nicht darĂŒber nach : weil er nicht nachdenkt
SpĂŒrt er keine Einsamkeit : keinen Haß : keine Rache
Weil er nicht nachdenkt : ist er nicht enttÀuscht

Wer kann den Mondschein hassen : vom Gras enttÀuscht sein
Sich an der Sonne rĂ€chen : der HĂŒter der Herde
Spricht mit allen : indem er schweigt

Genre: Trauersymmetrie

Citron

Ich stand vage
sie sagte,
mit seinem fernen distanzierten
blick
und

im TĂŒrrahmen wie eine figur
aus japanischem porzellan -

Scheue Wildtiere wollen
gezÀhmt sein.

Es, es war ihre,
die gehst du mit mir spielen -
- Stimme,

lastend, drĂŒckend,
ohne Anfang – oder Ende
around
around, in der Mitte
Esther,
schwerelos

ihr herber
Geschmack,
Zitronensoufflé.

In jenem Moment
brachte
das Gemisch
aus Hitze Monotonie
und Trunkenheit -
brodelte -

[...]

Eduard schĂŒttete schwarzes Pulver in eine lackierte Schale, wartete darauf, dass das Wasser zu kochen begann – lockerte seine Samtjacke und hörte au fond de la ballet. Es war genug, nur einen Rotwein zu trinken und fehlerhaft zu lesen. Oder den ganzen Abend schweigend in der Sofaecke zu sitzen.

 [...]

 Eifersucht ist ein Spiegel, aus Scherben und GeschwĂ€tzigkeit zusammengefĂŒgt.

Genre: Erinnerungsbrösel, Rezensionen, Trauersymmetrie

Flucht und Wiederkehr IX

Herr, schnell! Dreh eine neue Zeit,
dass bald wieder bunte Tage werden
einer schwarzmilchig befllissenen Welt!
An vom Eise befreiten Strömen
erlöse uns, die wir selbstverwunschen
nach Vergebung lechzen
als totgeglaubter Friedensspross.

Ewiger Sommer -
weich schimmert Licht.
Dein sanftes Gesicht
streicht  alle Winde,
treibt aus -
ein LĂ€cheln, ein Schwingen -
herzblutig rinnendes Ringen
erspiegelter Zeit.

Erst hell und grĂŒn, nun brĂ€unlich -
da welken sie dahin.
Wenn scharf und kĂŒhl
ein and’res Windchen weht
und Dunkel tÀglich wÀchst
irrt’s klamme Volk
in Klagemut gehĂŒllt
umher,
sucht Holz und Pilz’
bei feuchten Nebelgeistern.

Schneeweiße Nacht
und
endlos langend rauchen Schlote.
Ausharrend: Halbtote
in engen VerschlÀgen.
Ein leiser Gesang
ruft an
eine höhere Macht.

Genre: RealitÀtsschatten

Heim zu dir

Nicht die Stunde,
das Leben neu zu leben,
ohne Vergangenes zu verwerfen.
Schmaler werden die Abende.

In sich zu ruhen. Das Leben
zu leben inmitten, wer das
könnte. Suchen, solang
deine Zeit wÀhrt.

Und lieben. Farben des
Herbstes noch einmal und wieder.
Die Winter wechseln
in ewige Sommer.

Der Wachtraum Leben.
Arbeit, bis dir der letzte
Hahn krÀht. Sacht, unmerklich
kommt das Begreifen.

Genre: RealitÀtsschatten

Libre

Er bietet mir eine von den herben Zigaretten an und betrachtet dabei mein Profil. Im GrĂŒn der BlĂ€tter kĂ€me es vielleicht noch besser zur Geltung, im Gelb des Herbstlaubes wirkt es eventuell schon zu scharf. Oder es löst sich auf im Kontrast zum Licht in der bereits teilweise fehlenden Belaubung der BĂ€ume, und so schauen wir uns an und hoffen, dass Esther und Miranda nicht streiten, was sie vor uns auch so bald nicht tun werden, wenn es ĂŒberhaupt einen Anlass dafĂŒr gibt und geben wird.

Wir werden sehen, die Ebene ist blank und kein Weg vorgezeichnet. Wir treffen auf die Dinge erst, wenn sie uns hautnah begegnen. Zuvor sind sie eine Illusion. Und weil die GlĂŒckserfahrung eher eine Seltenheit bleibt und auch schnell wieder zur Ausnahme wird, pflegt man sie nicht. Sie verschwindet einfach. Es gibt in ihr keine Körperlichkeit, die uns erinnert, dass sie noch da ist, keine Körperlichkeit, die einen Vorwurf entfalten könnte – wie der Körper vielleicht eines Kindes, das erkrankt, weil es vernachlĂ€ssigt wurde – wĂ€hrend seine Seele, Eduard, lass mir ausnahmsweise dieses altmodische Wort, ich werde jetzt nicht Descartes vor dir und vor Esther bemĂŒhen, um es zu rechtfertigen – also lass mir einmal dieses altmodische Wort.

Auch wenn wir sonst mit Worten fechten, so sehr, dass wir andere damit indignieren. Also nutze ich Seele als eine Metapher und gehe zurĂŒck in eine Zeit, in der dieses Wort gerade obsolet zu werden begann. ZurĂŒck in die junge Erwachsenenzeit meiner Urgroßmutter, die anscheinend ihren ganz eigenen Entwurf von so etwas wie GlĂŒck hatte. Sie wurde vorgefĂŒhrt und war zynischer als jeder Mann ihrer Generation. Was ist schon ein GlĂŒck, eine chemische Einheit, an der sich die Medizin damals gerade abzuarbeiten begann.

Genre: RealitÀtsschatten, Rezensionen, Wortmysterien

+ * *++

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Genre: Erinnerungsbrösel, RealitÀtsschatten

Chorin (6)

Die Landschaft

Abgetaut alles Eis, nur im Winter
manchmal
materialisiert sich die Erinnerung.

Parsteinwerder schiebt
seine Zunge in den See
wie ein junges MĂ€dchen ihren Geliebten kĂŒsst.

Vor der EndmorÀne
angestaut
stilles Wasser, tief.

Deine Wimpern, die BĂ€ume
hÀngen
kopfunter in den Himmel -

Ostern ereignet
sich
im Schilf. Flöte & Oboe,

im Schlaf. Diese
Landschaft:
ein einziges Fallen.

Fallen sich Menschen
in die Arme, fÀllt
dir niemand in den RĂŒcken.

Geboren in Herzsprung, von Serwest
her
knackt es im GebÀlk des Kirchturms.

Der sĂŒdliche Wald
fast noch
ein Park.

Hier ließ man
die Fische wandern,
hieß sie springen bergauf.

Nach hundert Jahren
dann
hatte die Wasserscheide sich verschoben.

All die Erinnerung
zu rekonstruieren, Eis taut
bis an die granitene Pforte &

Steine sprechen. Steine
sprechen nicht – mehr, mehr!

Genre: RealitÀtsschatten, Rezensionen

Über die Ästhetik der Volksverbundenheit in einer schriftlosen Kultur

1. Gedichte mĂŒssen leicht verstĂ€ndlich sein. WĂŒnschenswert ist der Reim, ein Gleichklang in Verbindung mit einem – festen – Metrum immer an der gleichen Stelle.

2. Gedichte mĂŒssen auswendig gelernt werden. WĂŒnschenswert wĂ€re ein entweder erbaulicher oder moralischer – d.h. an sich wertvoller – Inhalt.

3. GedichtbĂŒcher mĂŒssen dem potenzielllen Leser und seinem Stellvertreter in der bĂŒrgerlichen Gesellschaft – dem KĂ€ufer – immer auf Augenhöhe begegnen. Es darf sich also weder um BĂŒckware noch um DeckenabstĂŒtzungen – etwa in eingerĂŒsteten InnenrĂ€umen – handeln.

* * *

Anm.

Hier ist nun der Ort, den Humischen Zweifel aus dem Grunde zu heben. Er behauptete mit Recht: daß wir die Möglichkeit der KausalitĂ€t, d.i. der Beziehung des Daseins eines Dinges auf das Dasein von irgend etwas anderem, was durch jenes notwendig gesetzt werde, durch Vernunft auf keine Weise einsehen. Ich setze noch hinzu, daß wir ebenso wenig den Begriff der Subsistenz, d.i. der Notwendigkeit, darin einsehen, daß dem Dasein der Dinge ein Subjekt zum Grunde liege, das selbst kein PrĂ€dikat von irgend einem anderen Dinge sein könne, ja sogar, daß wir uns keinen Begriff von der Möglichkeit eines solchen Dinges machen können

gez.  Thomas? Berhhard??

Genre: Erinnerungsbrösel, Wortmysterien

Chorin (5)

Geschichte

Neun zu elf wie elf zu dreizehn,
annÀhernd? Woher
die Gewissheit, dass es morgen
genauso werden könnte
wie es heute
ist?

Aber wie
ist es denn?

Ruinen wachsen & wachsen
wieder empor,
verschollen
ihre einstige
Grazie.

Wieder wachsen
die Illusionen, annÀhernd
alles wird gut -

dem Besseren feind
bleibt es, was es
ist … ewig
unwirklich; bleibt

nichts als Schattenland
aufgeplusterten
TrĂŒmmergefĂŒhls:

Verglichen mit der Zeit
ihrer Entstehung ist
jede Renaissance
bereits eine LĂŒge.

Schaffet das Neue! Was
hat es mit dem
Alten zu tun?

Romantik ist LĂŒge
im Quadrat.

Barock war die Er
findung des Falschen,
der FĂ€lschung.

An der granitenen Pforte
aber
entscheidet sich das
Schicksal, Klima fĂŒr
hundert Jahre.

Genre: RealitÀtsschatten, Rezensionen

Triple

Aus unendlichen SehnsĂŒchten steigen
endliche Taten wie schwache FontÀnen,

„Die sich zeitig – und zitternd neigen.”  ”Eduard sagt, wir haben noch eine andere Dame zur Auswahl. Sie ist selbstverstĂ€ndlich nicht alt. Sie ist reif. Es hĂ€tte Vorteile. Stil bildet sich erst ab einem gewissen Alter heraus. Ab da könnte man sagen, Jugendstil. Ehrenberg, ich bin kein Freund dieses Wortes. Er riecht zu sehr nach MĂŒnchen. Sagen Sie Sezession oder Art Nouveau. Oder sagen Sie besser nichts. Fangen Sie mit Rilke an. Mit Initale. Erfinden Sie das neu. Art Nouveau. Steigen wie schwache FontĂ€nen… Sie rĂŒgen mich, weil ich in Begleitung dieses Kunsthistorikers erscheine. Nun, Eduard und ich ergĂ€nzen einander. Wir reden ĂŒber Tiere und meinen uns selbst, eventuell noch die Dame mit dem Fuchspelz, die uns begleitet. Stellen Sie sich vor, wir wĂ€ren zusammengewachsen. Dann mĂŒssten Sie ihn auch in Kauf nehmen. Eine lebensbedrohliche Operation kĂ€me bei meiner Gesundheit nicht in Frage.“

 

Genre: GemĂŒtstiefe, Rezensionen, Trauersymmetrie

Casting

Der Wunsch,
niemandes Zeitgenosse zu sein,
nicht dieser Zeugen, nicht dieser Orte,
nicht des Wahnwitzes Zeit.

Die Wahrheit
liegt im eigenen Anblick, der uns
erschĂŒttert, solange wir
das Innere des Spiegels suchen.

Ins Schweigen fallen
am Ende. Die Rollen besetzen, sich
ein Bild machen, das sich auf dem Markt
der Gesichter verkaufen lÀsst.

Genre: RealitÀtsschatten

Chorin (4)

Chor

Abschluss sieben Zwölftel, selten
gebaute Version. Ob
das wohl die Idee
einer Stimme war, einer
Stimme inmitten?

Interferenz eines Glocken
tons, dem die Glocke
abhanden kam,
mit einer Kammer -
Zelle genannt?

Oder Superstrat
wilder GĂ€nse in
mitten dieser Landschaft,
RichtstÀtten hinterm
Tanzplatz in den LĂŒften?

Kondakion
einzig, Teil
einer ĂŒbergreifenden
ErzĂ€hlung, ErzĂ€hlung aus den LĂŒften.

Nach dem siebten beginnt
etwas Neues: Wandel
gang, zur Treppe
aufgetĂŒrmt!

So steigt diesen Weg empor,
denn
das Wesen
will diese Welt erlösen,
steigt auf bis zur Dreizehn

und verabschiedet es, auf dass
im GedÀchtnis es
blĂŒhe,
wirke &
gut uns beschließe.

Sieben Zwölftel, ein Problem:
das Zwölfte als
die Mitte zwischen gestern
und morgen, Mittag
fortschreitender Addition? Oder
waren es immer schon
die Elftel, auser
sehen der Dreizehn
annÀhernd
Paroli zu bieten?

Genre: RealitÀtsschatten, Rezensionen

Himmelselegie

Hinab die Wolkenstraße,
wo der Mond im Herzen der Nacht
Aufenthalt nimmt. Hinab,
TrÀumerin.

Gebrochen flammt, was mich
sehen lÀsst. Trunkener Sturz eines
glĂŒhenden Kometen. Es ist
seine Stunde.

In der DĂŒnung der Wolken
ein verzweifelter Planet, hilflos.
Tief drunten, unterm Sonnenrand, nackt,
im Werden der Tag.

Genre: RealitÀtsschatten

KĂŒrzeste Bilanz

Einmal, im Wust der Worte,
als alles gesagt war, einmal
gab es da einen Laut wie einen
kleinen Schrei, der nicht sein sollte,
der aus der Kehle kam oder
aus der Hölle.

Einer saß hinten am Tisch,
der sah keinen an, der hatte
zuviel gehört, zuviel gesehen,
der wollte nichts mehr wissen,
fĂŒr den war alles geschehen.
Und dann dieser Schrei.

Als der so dasaß,
den Kopf in den HĂ€nden,
sein Glas, das wievielte, halbvoll,
da wusste ich, wer braucht denn
Worte, wenn ein Schrei
schon alles sagt.

Genre: RealitÀtsschatten