see schnee schnabel …

angst ist die einzige vorstufe zum halbwegs sich immer wieder annähern an den wunsch sich auf eine identität mal halbwegs niederzulassen … oder so

Genre: Gedichte

Kopfversuch.

* Streif dein Haar wie Vergangenheit aus dem Gesicht. Ausser im Kühlschrank mein lachendes Mirbier. Du kommst mit meiner beschissenen Dekonstruktion nicht zurecht. Nehme dich und deine Gesagtheiten nicht mal mehr von hinten. Aus meiner Erklärung wird ungerechtes Annähern: von vornherein. Glaub mir unter der Zunge. Kleine Bewegung mit Speichelcharme. So ein abgedrehtes Herz. Wie so abvertraut. Dann kopfversucht. Übers Kissen. Helle Scham in der Nacht. Bei geöffnetem Fenster. Dringst du davon. 

Genre: Gedichte

Verzweigt: blond.

Wie vorübergehende Liebe. Immer nur liebkost von einem anderen Auge. Schritt. Stiefel. Fleischliche Schenkel. Einander Auge. Deine fleischlichen Beine aus Stiefeln. Während du deine Strümpfe berührst, schwimme ich in deiner Kniekehle. Und erinnere mich ins Bodenlose. Könnten wir uns züngeln, ohne wider Worte von uns zu lassen. Ich versuche mich mit meinen Eckzähnen an einen neuen Zweig …

Genre: Gedichte

Berlin, noch immer August.


Spiel du doch mal mit deinem Einufern, Abgraben, leisen Tönen, hab dich noch nie so geliebt, weil dieses weisse Wesen dazwischen sich feinsilbig hör nur mal wie sie spricht das Strömen das Rinnen das Auswaschen deiner Träume: wolltest du mit mir stehenbleibn berühr mich nicht wenn ich in der Gegend liegen bleibe, spuck auf mich und zeig mir deine Verachtung, so dring ich in meine Worte, meine alte Welt aus dir heraus, 2 Sätze hintereinander zerstören uns. Wir wollen schon lange nichts mehr hören. Wachs in deine Haut. Du bist gezeichnet. Verlang mich. Mir ist nicht mehr danach, zu seyn.

Genre: Prosastücke

Von Jungen und Alten im geschützten Raum

Tagesspiegel 16.5.2012:

“Ein Aufbruch war angesagt, eine Würdigung der gleichfalls schon herausragenden schriftstellerischen Arbeit einer jüngeren Generation tat not (…) Insofern ist die Verleihung des diesjährigen Büchner-Preises an die 1960 (…) geborene Felicitas Hoppe keine allzu große Überraschung…”

und weiter:

“Zumal, so heißt es schon in “Picknick der Friseure”, rein praktisch nicht viel gegen das Schreiben spricht: “Es ist eine warme und geschützte Tätigkeit. Selbst bei schlechter Witterung gelingt hin und wieder ein lesbarer Satz.”

Genre: Empfehlungen

Bootsfahrt

Aus der Tiefe

blickt jemand herauf zu mir –  

 

an die Oberfläche,

auf der ich schaukel.

 

Ich setze mich zurück,

erschrocken,

 

und ruder beflissen

ans bergende Ufer.

Genre: Gedichte

Himmelfahrt

Der lange Weg ist

der lange

Weg.

Mit Respekt

vor dem Dasein

gelingt es mir nicht,

mich einzukugeln

ins Nest

der Verrannten.

Denn lang zum Himmel

ist der Weg. Der Weg

ist lang.

Genre: Gedichte

klare ansage

das muss ich mir in meinem alter nicht mehr antun, sagst du. das buch liegt zugeschlagen auf dem kleinen tisch neben dir. achtlos. aber noch warm von deinen händen. bis zur mitte hast du es geschafft. wolltest einen kaffee dabei trinken, hast musik aufgelegt. longue. und dann diese Anstrengung. es gab sich nicht zu erkennen. verpackt in ockercreme. ein band mit struktur. aufgelöst. die struktur und du. dein gehirn wie ausgetrocknet. die augen ratlos getrübt. hilflos dein mund. was mir wohl fehlt? ich muss nicht alles begreifen. ich nicht mehr. und für experimente bin ich zu alt. mein geld viel zu schade. und erst die zeit. du gehst zum telefon. die mit dem porzellanteint fragt nach deinem wunsch. ach, nicht viel. die spitzen, ein bisschen fassade halt. die stimme lacht: dafür sind wir doch da.

Genre: Prosastücke

ujjayi

wie unterm eis das schneetreiben von gestern meine lust von gestern vertreibt und mich in vorgedrungner nacht baumkronen erschlagen liegt der ursprung der tränen in einem atemzug das ganze grün der welt ausserhalb der worte die nägel schiessen von den kuppen das ist der schönheit letzter flug all deine zungen strudeln mich in figurale farben komm süsse panik leise und in marmoradern nach vorn erinnern

Genre: Gedichte

ach herr krüger … herr sloterdijk …

ach herr krüger.

meine e-mail wird Sie wahrscheinlich nicht erreichen, weil irgendwelche lakaien sie abfangen.

ich hab Sie beobachten dürfen beim letzten sloterdijk-sonnett mit dem walser-gockel …

um gleich auf den punkt zu kommen: warum liessen Sie sich den schneid abkaufen …

sloterdijk wollte diesen hanswurst und durchschnittsarschkriecher von walser doch gar nicht …

in solch einem alter einem zwar unbeschränkt genialen denker: aber immerzu in den anus …

was ich sagen wollte: Sie haben mich enttäuscht … mal wiedert … sind Sie nun ein so grauenhaft durchschnittlicher denker

oder haben Sie allein das überleben Ihres verlages im sinn … ich weiss es nicht … Sie waren wie gesagt erbärmlich …

jetzt bin ich umso weniger enttäuscht, dass Sie vor geraumer zeit meine werke als dreck abgetan haben

(ist nicht Ihre sprache - würde ich mir aber wünschen, was haben Sie nach dieser …vorstellung noch zu verlieren)

wie ich … vielleicht sind Sie ja dennoch - falls Sie dieses schreiben überhaupt erreicht - für etwas grundlegend neues bereit …

Sie müssen: gar nicht … schreiben dass meine literatur genauso schwach ist wie Ihr auftritt beim sloterdijk …

ihr willi van hengel

s lebt dann nur noch etwas aus dem Nichtshügel. Gärt vielmehr. Die Zeiten auf dem Bahnsteig sind vorbei. Hattest du mich oder eher dich da erwartet?

Wie wieder eintauchen nach dem Auftauen. Da war noch deine alberne Vergangenheit auf deinem Haar. Oder hattest du schon lange nicht das gesagt, was in dir brennt.

Du scheinst zu verschmolzen mit deiner Entleibung. Dein geringes Desinteresse, denke ich, deinem eigenen Dasein gegenüber – ernsthaft – macht mich neugierig. Weil du dich ständig, wie mir scheint, darüber hinweglügen wolltest.

O.k. die existenziellste Identitätsstiftung ist neben der Lüge das Maul halten. Im Veratmen mit dem manchmal viel zu moralischen Gewissen. Der Staub in deiner Tasche. Dieses Wegstauben auf eine völlig neue Spur. Meine Fingernägel flogen beim Scheren wie Flügel nur so davon. Mitsamt meiner immer noch gezähmten Gleichgültigkeit. Später, weiss ich, wird es Verform geben. Aber ich muss keine –ung-Drangsalierung mehr dranhängen. Yeah. Wie ich an meinem Leben nicht. Oder immer wieder hänge. Du an deiner ersten Liebe vielleicht auch noch. Wir vielleicht an unserer insbesonderen Nähe …..

Die letzte Nacht, die sich noch immer bildert. Strahlverflockt. Dein Schnauben. Dein Kurzverloren: wie Schwitzen. Vielleicht ein Moment des Mitgleitens in ungehorsame Lachfalten. Das schon lange nicht mehr Berührtwerden. Dein Andachtslächeln von dir weg. Es giebt nur eine einzige gelungene Bewegung.

Du warst immer schon ein angestrengter Kuss. Auch eine mitgeschleppte Einsamkeit. Noch immer kein Mond, der sich in deine Hand hineindreht. Wie doch noch umküsst von den Sonnenstrahlen zwischen den Zeilen und den frühen Ästen der sauren Kirschen.

Denn da war sie. Und du hättest dort bleiben solln. Beim Eis im Winter. Beim Abrutschen vom queren Gedanken. Nun wirst du nicht mehr so schnell eingeholt von der angeblichen Mehrheit. Dem Angstverruf. Verrufen werden. Wieso du? Du hast dich doch bloss aufs Abtsellgleis begeben, um nicht mehr so viel zu reden, deine Sprache mal etwas austrocknen lassen wolltest, jetzt kommst du mir so, heichlerischer Kobold: hast du noch keine kleine Armee, die dich beschützt, wenn deine Halbsätze sich aus dir herausstehlen?

Komm mit in meine Lüge. Ich hab ne komplette Unterlippe. Da sabbert nichts mehr raus. Ich bin auch noch nie gescheitert. Ich leise mich durchs

Genre: Gedichte