Fuga atque reversio (Flucht und Wiederkehr XV)

Dessen bedacht, was nur zu ahnen, nicht jedoch zu wissen uns die Jugend gewÀhrt,
jagte ich, unerschrocken, ja geblendet wie viele, dem Ruhme nach.

Nicht Lukrez, nicht Catull webten, leise Verse flĂŒsternd, ein Sprache hegendes Netz;
die Zeit, daselbst sie regend Anteil nimmt an irdischen Belangen,
sie trĂ€umte mir vor – ich verfing mich darin.

Einst gedachte ich Deiner als Spiegel meiner selbst,
in Sehnsucht nach einem besseren Sich.
Im Anrufen der lieben Göttin lag Angst vor der Leere,
aus einem finsteren Loch krochen – der Verzweiflung zum Trotz -
Ideen, formten mit Hoffnung getĂŒnchte SĂ€tze;
obgleich Schatten nur, nĂŒtzliche Schatten – Leere brennt.

Nun, da die Mysterien der großen Mutter nahen,
nun, da die von der Wildheit des Fleisches umschlichene Feinheit des Geistes
ein in lockende Furcht getrÀnktes Lachen gebiert,
schwebt
an spĂ€ten, hellen Tagen – frischer, noch warmer Asche gleich -
Ehre um Worte wie kleine Wolken BlĂŒten kĂŒssen zur Nacht.

Epilog

Die Edlen, deren GlĂŒck, gemessen an dem der Gemeinen, nie schal zu werden droht, fahren ewig hin in Seeligkeit.  Je wĂ€ren Götter nur, keine Menschen edel, alle GegensĂ€tze, alles woran GlĂŒck zu messen und wie es zu fassen sei zur GĂ€nze her erleuchtet zu schauen.
Der Menschen Pfand, das Staunen, wiegt leicht und tanzt doch, wie FĂŒchse um Hasen tollen, zur Freude der Himmlischen im windigen Sog der Tragödie als Feder der fragenden Waage.

Genre: GemĂŒtstiefe, Wortmysterien

Ebi, Malocher.

Ebi, der Über-Setzer

Ebi, der Über-Setzer

Genre: GemĂŒtstiefe

SpĂŒlhĂ€nde?

Ebis neue SpĂŒle (von Ebis Frau nicht genutzt, Grund: Noppen-NĂ€gel)

Ebis neue SpĂŒle (von Ebis Frau nicht genutzt, Grund: Noppen-NĂ€gel)

Genre: GemĂŒtstiefe

Ebis Welt.

Ein Bilderroman

Ebis Haus

Ebis Haus

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Ebis Frau (aus DatenschutzgrĂŒnden hier nur die FĂŒĂŸe, man beachte das Schuhwerk: Ebi mag es elegant)

Die HĂ€nde von Ebis Frau (Ebi mag es gepflegt)

Die HĂ€nde von Ebis Frau (Ebi mag es gepflegt)

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Und zum Schluss: Ebis KĂ€tzchen.

Genre: RealitÀtsschatten

Onkel Ebis BlĂŒmchenrasen

BlĂŒmchenrasen von Onkel Eberhard

Genre: GemĂŒtstiefe

BlĂŒmchenprosa

BlĂŒmchenprosa

BlĂŒmchenprosa

Genre: GemĂŒtstiefe

Man kann es sich immer schön machen. Man muss es sogar

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Genre: RealitÀtsschatten

Rituale (2)

Erst dachte sie, er sei ein alter Mann. Irgendwie schienen seine Haare bereits zu grauen. Wie der Morgen vor einer MatheprĂŒfung. Zuviel ist in MĂ€nnerhand. Rosanna bedankte sich fĂŒr das Mittagessen, das Philippa von ihrem letzten Geld bezahlt hatte und verabschiedete sich steif. Die Rolle, die sie wieder einmal fĂŒr ihre Freundin ĂŒbernommen hatte, bekam ihrem Magen ganz und gar nicht. Sie wĂŒrde sich hinlegen mĂŒssen. Sofort, nachdem sie die HaustĂŒr aufgeschlossen hatte, sonst hĂ€tte alles ein ĂŒbles Nachspiel. Sie wĂŒrde noch weiße Gladiolen aus dem Blumenladen gegenĂŒber mitnehmen, eine schmalzige Platte aus der Zeit ihrer Eltern auflegen, mit Xylophon, verhaltenen Geigen und so, und dann hoffen, dass ihr Magen sie in Ruhe ließ. „Na, haben meine Worte dich platt gemacht?“ stieg Philippas Stimme neben einer Blase im Wasserglas auf. Rosanna sah nur noch, wie Philippa mit Daniel Schneider am Arm sich wieder zu ihr an den Tisch setzte. Die Wolken am Himmel schienen so grau wie der Teint und die Haare dieses Mannes, der sich jetzt ĂŒber sie beugte. „Ist Ihnen nicht gut?“

Genre: Erinnerungsbrösel

Bitte rufen Sie hier nicht mehr an

Er hat Alterszucker. Der Arzt hat es ihm gesagt. Er musste lange auf den Doc Check warten. Obwohl er bestellt war. Nun ist es beinahe schon dunkel. Sein Garten liegt in den ununterscheidbaren Farben des Abends vor ihm, die alten Garagen außer Sichtweite. Und er ist ein kranker Mann. Ab heute. Verbannt. Auf ewig. Jetzt kommt Wind auf! Gewitter. Sturm. Die viel zu kleinen, ungenießbaren Äpfel schlĂ€gt der Sturm vom Baum ab. Reiß die Welt entzwei, ein Blatt Papier! Ein Blatt Papier, die Krankenakte. Er tritt mit dem spitzen Schuh einen von den roten Äpfeln klein. Das Fruchtfleisch platzt. Klatsch.

Genre: GemĂŒtstiefe

Dinçer

er trÀgt ein murmelndes und trauriges meer in sich
aus dem er gesÀnge schöpft
das land zu bewÀssern
mit sprache

Genre: Erinnerungsbrösel

Ilhan

einer konnte auf holz gehen
ein anderer auf stein
wieder ein anderer zeichnete linien ins blau des himmels
und vergaß zu trinken

Genre: Erinnerungsbrösel

denkspurrillen

die nadel im kopf

zerkratzt die rinde

zuwenig synapsen

den fluss zu decodieren

 

das bewusstsein
in artefakte
zerklötzert

Genre: RealitÀtsschatten

Das UnglĂŒck

eine universale Form
menschlicher Selbst
verwirklichung

Genre: Erinnerungsbrösel

Lied

Im Betrieb der Welt
eilen die Jahre vorbei
lasten auf uns.
Der Vollmond
kehrt wieder
nach einem Monat.
Eine FrĂŒhlingsblume verdorrt
zwischen Morgen und Abend.

Egal wie schön du bist,
du kannst die Falten nicht vermeiden
und auch deine Haare werden weiß
wenn das Alter dich klapprig macht:
schnell rufen sie deine letzte Nacht
und du schließt die Augen.

Der Tod ist ĂŒberall:
Im Privatjet ĂŒber Nizza
in den Favelas von Rio.
Unter zwei Meter Staub
werden wir liegen
ihr und ich.

Warum suchen wir im Sommer den Schatten?
Warum verstecken wir uns im Herbst vor dem Wind?
Bald wirst du dich trennen mĂŒssen.
Von den Freunden. Von der Familie.

Vielleichst hast du ein tolles Haus
mit Dingen darin, die du liebst.
Irgendjemand wird darin wohnen.
Keiner der BĂ€ume in deinem Garten
wird dich ĂŒberleben.
Alles, was du mĂŒhsam angehĂ€uft
Tag fĂŒr Tag
wird mit einem Mal
verschleudert werden.

Genre: Trauersymmetrie

Die Glocke

—— da rumpelt der ganze Glockenstuhl, da quietscht die Kette ĂŒber die ZahnrĂ€der, da surrt der elektrische Motor, alles ganz regelmĂ€ĂŸig, nur die Glockentöne fehlen, irgendwer war in der Nacht auf den Turm gestiegen, hatte etwas Weiches um den Klöppel gebunden, irgendetwas, und das schlĂ€gt jetzt gegen die Glocke, und nicht mehr berĂŒhrt der Klöppel die Glocke, und so dröhnen nicht mehr die Glockentöne, aber das, was wir jetzt hören, sind ja auch die Glockentöne, sind genauso Glockentöne, diese Töne der ganzen Mechanik, die waren schon immer da gewesen, waren von Anfang an da gewesen, nur waren sie immer verdeckt vom Geklöppel, dieses Geklöppel, das jeden Morgen und jeden Mittag und jeden Abend losschepperte und den Tag teilte, jetzt ist es diese Mechanik, die den Tag teilt, und vor allem sind jetzt diese Töne weg, die wir ja immer hören, wenn die Glocke wirklich lĂ€utet, diese Töne, die nicht vom Klöppel kommen und nicht von der Glocke und nicht von der Mechanik, die aber trotzdem da sind, als ob da immer ein zusĂ€tzliches GelĂ€ut mitlĂ€uten wĂŒrde, aber jetzt hören wir nur noch diese furchtbare Mechanik, hören wir genau die Töne, wo man ganz genau hört, was da klingt, was da die Ursache jedes einzelnen GerĂ€uschs ist, und ich habe wirklich genug davon, werde also heute Nacht auf den Turm steigen und werde ihn entfernen, diesen entsetzlichen Lappen oder dieses Kissen oder diesen Lappen und dieses Kissen oder wasauchimmer da irgendwer da oben festgebunden hat, das werde ich alles herunter reißen ——

Genre: RealitÀtsschatten