A Matter of no Importance

2.

Sollten wir es nicht, gleich unseren britischen Freunden, dabei belassen und sagen „A matter of no importance?“ Ist der Erhalt der menschlichen Rasse denn derart bedeutsam? Sollten wir nicht endlich damit aufhören, uns so wichtig zu nehmen und stattdessen nicht besser das Leben an sich als Kunstwerk kultivieren? Sicher wĂ€re es falsch zu sagen, die Fortpflanzung und ihre angenehmen sowie weniger angenehmen Begleiterscheinungen gingen uns nun nichts mehr an. Ich möchte mich hiermit ausdrĂŒcklich gegen diese stillose Ignoranz verwehren. Sehen wir uns besser einmal die Tier- und Pflanzenwelt an. Eifrig wird dort gebalzt und sich reproduziert. Nester werden gebaut, BĂ€ume benagt, DĂ€mme aufgeschichtet, Löcher in die Erde gegraben und in BĂ€ume gehĂ€mmert. Licht, Sonnenstrahlen und Wasser werden bearbeitet und saftiges GrĂŒn, das unser Auge erfreut, wenn es solcherlei noch zu sehen bekommt. Schon der Dichter Oscar Wilde sang ganze LobgesĂ€nge auf diese Farbe, und es wĂ€re sicherlich verkehrt, ihn als Naturfeind zu bezeichnen, wenn er sicherlich auch die Kunst ĂŒber den Wald stellte. Doch gleich dem schönen Narziss, der sein Ebenbild in dem unheilvollen Teich erblickt, konnte sich auch der Dichter des Lasters und des Sittenverfalls nicht der Schönheit all dessen entziehen, das sich tagtĂ€glich in unseren Augen spiegelt. Wie fĂŒhlt es sich an, als Frau ĂŒber mĂ€nnliche Körper zu schreiben? Über Körper, die Ă€ußerlich bleich und unantastbar im Dunklen schlummern und innerlich durch unheilbare Krankheiten zerfressen werden? Lesen Sie meine Texte und machen sie es zu Ihrer eigenen Erfahrung. Als ein Geschenk, bei Lampenlicht und schwarzem Tee. Und einer Gauloises LegĂšres, bitte schön! Und falls Ihr Körper noch jugendliche Straffheit besitzt, werden Sie diesen nach der LektĂŒre mit Liebreiz versehen. Sind Sie eine leidende, mĂ€nnliche Kreatur, die Kafka und Walter Benjamin verschlungen hat? Dann wird Sie der literarische Diskurs erfreuen, den ich meinem mĂ€nnlichen Eros auf den Leib geschrieben habe. Sind Sie vielleicht hybride? So wie die meisten von uns heutzutage? Dann ergötzen Sie sich doch an der PlastizitĂ€t der vielfĂ€ltig schimmernden Körper, in denen sich Mann, Weib und Dingwelt getröstet und bestĂ€tigt wissen.

Genre: Rezensionen

R. I. P.

An dieser Sommer 2018 – vorher -

Hier ruht in Frieden ein fleißig’ Arbeitstier
Er starb zu frĂŒh, trank zu viel kaltes Bier
MĂ€nner, achtet seinen frĂŒhen Tod
Ist’s euch zu schwer, esst lieber Brot.

Gepostet 15. Juni 2018
Gelöscht ca. 3. Juli 2018 (?)

Genre: RealitÀtsschatten

Hallgrím – Variationen (II)

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(Quelle: Wikipedia)

The strangest thing is, that his foot is about foot long.

Genre: RealitÀtsschatten

deine Suada ist dir deine Selbstminne

dir sind deine Schweißschwaden in die Nase

& zu Kopf gestiegen

 

noch nie hat einer dich zurechtgewiesen

allein die Nabel-, nie die Umschau

ist deins & einen Freund hast du

 

nie gehabt, wirst du nie haben

so bist du nicht einmal dir selbst

ein Leitstern

 

[deine Suada]

Genre: RealitÀtsschatten

Opfer der Eizellen

1.

Nun, vielleicht wollte sie ein bisschen Zucker. Wer ist schon freiwillig gern Frau? Und ich habe ein biologisches Geschlecht. Das ist das derzeit noch unabĂ€nderliche Schicksal menschlich-physischer Existenz. Ich will nicht sagen, dass ich es verabscheue, hat es mir doch in so manchen Stunden meines Lebens viel VergnĂŒgen und Ersprießlichkeiten bereitet. Morgen könnte ich als Junge erscheinen, und Sie wĂŒrde es nicht einmal merken, denn ich kann meinen Busen so flachpressen, dass er sich in die Rippen senkt. Eine tiefe Stimme habe ich ĂŒberdies, und ich kann sie noch tiefer machen. Ich könnte Sie perfekt tĂ€uschen, und Sie wĂŒrden es nicht einmal merken! Von natĂŒrlichen Aufgaben sollte hier besser gar nicht mehr die Rede sein. Übrigens recht unhygienische Angelegenheit. Sicher liegt es bei fast 37 Grad unter der Bettdecke, dĂŒnstet aus und freut sich darĂŒber, das warme Menschentier. Aber ich bitte Sie, sollten wir zwei und nicht gemeinsam Dingen widmen, die oberhalb der Halskante liegen? Ist nicht der menschliche Körper, dem Verfall preisgegeben, eine eher unappetitliche Sache? Sollten wir unseren Diskurs durch solcherlei verunreinigen? Ich denke, nein. Ich komme ja nicht als biologisches Geschlecht „Frau“ zu Ihnen, und im ĂŒbrigen arbeite ich gerade hartnĂ€ckig (feinste LaubsĂ€gearbeit) daran, dem Geschlecht „Frau“ mein neues, ganz individuelles Gesicht zu geben. Meine Texte handeln davon. Nicht, dass sie den Mann zum Objekt machten. Nein, ich lasse Gnade vor Recht ergehen und erhebe den Mann in einen adligen Stand, mir ebenbĂŒrtig. Und nun möchte ich Ihnen etwas anvertrauen: Ich erschaffe mĂ€nnliche Figuren, zu meiner Lust, und gestern bin ich auf einer Fotografie dem blonden Langhaarigen begegnet. Es war herrlich, noch jetzt fĂŒhle ich meine Eingeweide schmerzhaft und lustvoll zugleich absinken (haben Sie die GĂŒte, mir zu verzeihen, dass ich Ihnen nun doch ein wenig ĂŒber die körperliche Seite meines Seins beichte). Das Thema ist meine Lust und meine Last. Diese ziselierte Redensart habe ich unserem großen Dichter des 20. Jahrhunderts, Herrn Thomas Mann, entwendet – er dehnte sie von der geschlechtlichen Liebe, bzw. dehnte sie, von dorther kommend, auf das Leben als Gesamtkunstwerk aus – dieses sei dem Menschentier, das doch gern Engel wĂ€r, eine Lust und eine Last. Doch das Ausdehnen gewisser Körperteile sollten wir denn doch besser den Frauen ĂŒberlassen, schließlich tun sie es seit Jahrtausenden und haben sich nicht schlecht darin bewĂ€hrt. Wir alle sind Opfer der Eizellen.

 

Genre: GemĂŒtstiefe

11. NB bei 1NB

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Genre: RealitÀtsschatten

HallgrĂ­m – Variationen (I)

HallgrĂ­m stand im Eis
Und sah der Lava zu

Die Eule kam mit dem Postboot
Das Schiff legte an
Sie nahm ihren Koffer
Ging an Land und wurde
Von Heinar ĂŒberfahren
So war das

HallgrĂ­m aber trieb
Auf dem Strom des Eises

HallgrĂ­m stand
Mit gespreizten Beinen
Unter ihm der Graben

HallgrĂ­m schwieg

Dann brachen die Worte aus
Wie Lava, wie Lava

Genre: Wortmysterien

Was soll ich sagen…?

Die gĂ€ngisten Wege sind ermĂŒdend und langweilig. Wer zum Geburtstag gratuliert, sagt “Alles Gute zum Geburtstag” und “ Herzlichen GlĂŒckwunsch zum Geburtstag”.
Der Sinn einer Geburtstagsnachricht ist es, dem Geburtstagskind GlĂŒck und einen wundervollen Tag zu wĂŒnschen. Überlege dir, wie du das auf einzigartige Weise auch anders sagen könntest. Wenn dir nichts einfĂ€llt, versuche Folgendes:
‱ Ein gesundes neues Lebensjahr!
‱ Alles Gute und Liebe zum Ehrentag!
‱ GlĂŒck, Frohsinn und Freude.
‱ Mögen all deine TrĂ€ume wahr werden!

Meilenstein-Geburtstage sind eine gute Gelegenheit fĂŒr Humor, vor allem, wenn Menschen Ă€lter werden. Bevor du einen Witz ĂŒber das Alter von jemandem machst, stelle sicher, dass der Scherz auch angemessen ist. Manche Menschen sind in Bezug auf ihr Alter extrem sensibel, und du willst sie mit Sicherheit nicht an ihrem Geburtstag verletzen. Ein unspezifischer Witz hinsichtlich des fortgeschrittenen Alters wĂ€re zum Beispiel: “Das sind ja ganz schön viele Kerzen. Fackele bitte das Haus nicht ab!” oder “Wenn man erst einmal dieses Alter erreicht hat, tut entweder alles weh oder es funktioniert gar nichts mehr!”
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Dank an wikiHow fĂŒr die unglaublich kreativen VorschlĂ€ge.

Genre: Rezensionen

atomdichter und zungenbecken (canto verbano)

zog hallgrĂ­m an den gletscher
und log gedichte
ĂŒber die geburt der basalte
reiste ugla die henne
im gepÀcknetz vom nordland nach reykjavík
kam sie unter die rĂ€der eines straßenkreuzers
verlor sie ihr leben
da weinte das wollgras

wir lagen im gletscherbett
an seinem grund schlief der see
die berge ringsum
waren nunatakker
wurden geschliffen die inseln
geschleifte drumlins
trieben mit den booten dahin

tastete ich deinen finerokörper
grĂŒnes gestein
das sich geschÀlt hatte aus seinem erdmantel
trug ich stimmen in die wÀlder
schĂŒrfte sich seine haut wund an der erdkruste

lief die schwarze katze von links ins bild
konnte das gedicht gelingen

erweiterte ich meine sammlung um eine muschelschale
legte sie zwischen das pfennigstĂŒck
und das welkgepresste
blatt eines bergahorns

wog hallgrĂ­m das gewicht des mittelatlantischen rĂŒckens

Genre: Erinnerungsbrösel, Trauersymmetrie, Wortmysterien

GefÀhrliche Prozession

“Man muss die Welt nicht verstehen, um sich darin zurechtfinden, Marlene. Nur weil du in den Zug kotzt, bist du noch lange nicht bahnbrechend. Albert Einstein.”

Marlene hatte ihre Freundin Gisela immer fĂŒr die KlĂŒgere gehalten. Nun war Gisela neunundzwanzig, ein halbes Jahr jĂŒnger als Marlene, sie hatte einen schlappen, korrekten Studienabschluss abgelegt. Und geheiratet. Den Stoff fĂŒr die PrĂŒfungen hatte sie sich einverleibt, ohne Zeit damit zu verschwenden, ihn mit Empfindungen und Analysen aufzuwerten. Sie war bereits mit den Zwillingen schwanger.

Gisela fand Arbeit, noch wĂ€hrend sie die Zwillinge ausbrĂŒtete, ein Brotjob, unter dem sich Marlene wenig vorstellen konnte. Die Arbeit verlangte, dass man wenig an sich zweifelte. Ein kontaktfreudiges Wesen war erwĂŒnscht. Gisela war mit beidem gesegnet.

Marlene und Gisela hatten zusammen im Sandkasten gesessen, und wĂ€hrend sich Gisela ĂŒber ihre kleine und klobige, aber fertige Sandburg freute, war Marlene damit beschĂ€ftigt, dem Element Sand, das sich ihren Formversuchen widersetzte, etwas Eigenes zu geben. Gisela hatte sich den anderen Kindern zugewandt, um ihnen die Burg, manchmal waren es auch zwei, eine kleine und eine klobige, von allen Seiten zu prĂ€sentieren.

“Das ist ein Fertighaus. Da kommt das Brautpaar rein, und da ist der Schrank fĂŒr die Schuhe, eine Treppe.”

Marlenes Architekturen beanspruchten Wochen. Tag fĂŒr Tag forderte sie ihre Mutter auf, wieder nach der Burg sehen zu dĂŒrfen, und wenn sie fand, dass diese zusammengefallen, eingerieselt oder schlicht ĂŒberschwĂ€mmt war, begann sie mit dem Wiederaufbau.

“Das machen wir”, sagte Giselas Mann, nachdem Gisela Marlene einen Besuch in Leipzig vorgeschlagen hatte. Das machen wir, mit deutlichem Leipziger Akzent. “Und zur Adventszeit gehen wir auf den Weihnachtsmarkt und essen prima WĂŒrstchen.” Giselas Mann war Tester fĂŒr Betriebssysteme. Sie hatte ihn durch eine Kontaktanzeige kennengelernt. Er machte viel von dem, was Gisela vorschlug.  Im Kaffee griff sich Marlene einen Keks vom Teller ihrer Freundin, wĂ€hrend Gisela von ihrer Ehe berichtete. “Ist sicher nicht leicht mit ihm, aber du schaffst das mĂŒhelos.” Gisela nahm gleich zwei Kekse, legte einen auf ihre Untertasse. “Er braucht was zum Festhalten. Wenn wir Freunde da haben, ist er fĂŒr normale GesprĂ€che nur schwer zu begeistern, und dann plötzlich, hört er eine Sirene oder sieht die Wasserwelle in seinem Glas, und dann geht es wieder los mit der Physik.” Sie lachte gequirlt und steckte den Löffel in ihre Schaumkaffeetasse. “Ich hab’ schon was gelernt: Null breit, null lang, null hoch, was ist das? Ein Punkt.”

Energie war Masse mal Beschleunigung. Gisela erhob sich von ihrem Stuhl, wickelte sich den Schal fest um den Hals und fragte die Kellnerin, ob sie nicht eine andere Musik auflegen könne. Marlene blieb am Tisch sitzen.

“Energie ist Masse mal Beschleunigung”, dachte Marlene, in dem Moment, als der leger gekleidete Herr hereinkam. Gisela sah ihren Mann sofort und machte einen Schritt nach hinten. Dann kam einer nach dem anderen durch die TĂŒr. “Wie bei einer Prozession”, kam es Marlene von den Lippen. Prozession, wiederholte Gisela, stolz auf ihre verstaubten Lateinkenntnisse. “Prozession kommt von procedere, das heißt vorankommen. Weißt du, Marlene, wenn ich damals nicht drei Nachhilfelehrer gehabt hĂ€tte, dann wĂ€re ich aufgrund solcher FĂ€cher wie Mathematik, Physik und Chemie selbst am Abitur gescheitert. Aber ich habe bisher jede trĂ€ge oder schwere Masse zum Tanzen gebracht.”

Marlene hÀtte Giselas Mann gern auf Eisresten oder im Sommer auf einer Bananenschale ausrutschen sehen, etwas, das seine  Prima, prima Welt, in der nichts Bahnbrechendes geschah, und in der er sich zurecht fand, ins Wanken gebracht hÀtte.

Genre: RealitÀtsschatten

Anasthasia (Flucht und Wiederkehr XXIV)

Tief in dich tauchend, gedenkst du wirklich zu sein? Unter all diesen sozialen PerĂŒcken, emotionalen HĂ€uten, logischen Knochen, moralischen Organen: Was ist der Kern aller idealistischen, progressiven Gedanken, aller tiefenpsychologisch genĂ€hrten, abgeklĂ€rt austherapierten und nie kopierten SehnsĂŒchte? Welcher Bewußtseinsschleier verhĂŒllt deine gehetzte, versetzte, verletzte, mit Narbgewebe umnetzte Seele – selbst vor dir?

Lebenswunder, schenke  Sommerlicht fĂŒr immer den Blassen,
leih’ Durstigen den Schatten sanfter Himmelsschwingen;
der Dunkelheit spende geheimnisvolle Musik
und verspielte BerĂŒhrungen den Hoffnungsvollen -
Lebenswunder, in deiner Mitte sei Frieden den Getriebenen,
Hochzeit aller Jubel und Freuden den Fröhlichen,
jenen, die fĂŒrs Suchen schwelgen ein unlösbares RĂ€tsel.

Der Reiher erhebt sich ĂŒber den Fluss und landet inmitten des angenehm weitlĂ€ufig gestaffelten Uferwaldes auf einem, mit gelben BlĂŒten gesprenkelten Baum, der sonnige Tage am Wasser mit Liebe beschattet und lauen NĂ€chten an seinem Stamm Flecken beschert, an denen, abgetrieben vom tĂŒckischen Strome der Zeit, Einsamkeit anlandet und vergeht.

Versinke verloren in die Töne verstört verschlungener TrÀume, Anasthasia,
gehauchte Fragen streichelnd, tanze nebelhaft um deine WĂŒnsche,
bette dich dann darin und schlafe unter der grĂŒnen Kuppel bis, Anasthasia,
deine Leidenschaft wieder erwacht.

Am Abend, Liebste, wenn jasmingetrÀnkte Nachtluft deiner Nase schmeichelt,
Augen feuergetauft lodern und feinste HĂ€rchen deiner seidenen Haut aufwarten,
sei gewiss, verfalle ich, vergessen lÀchelnd, dir entgegen.

Genre: GemĂŒtstiefe

distanz

zuerst schliefen sie zusammen
dann in getrennten betten
spÀter in eigenen zimmern
in unterschiedlichen stockwerken
danach in zwei hÀusern
in verschiedenen orten
auf anderen kontinenten
schlief sie am nordpol
er am sĂŒdpol

Genre: Trauersymmetrie

in aller stille

oft zÀhlte ich
deine  lidschlÀge
wenn wir uns gegenĂŒber standen
wir zerredeten das alltÀgliche
planten unmögliches
schwiegen
ohne uns weh zu tun

lachten laut
zu laut manchmal
doch immer liebte ich dich
die jahre hindurch
in aller stille

Genre: Erinnerungsbrösel

* * *

Am Rand ein Licht
neben einer SĂ€ule,
der Schatten.

RauchgrĂŒne Pelzschicht
ĂŒber  (frĂŒher glĂ€nzendem)
Linoleum

Flecken auf Mauern
und Verputz,
Glaspilz, Grauschleier
auf WĂ€nden,
Schwarzstaub

Genre: RealitÀtsschatten

Aspergillus fumigatus II

Auf der Venus wird die Asche durch Winde verstreut. Die Frau an der Bar trug einen leichten Mantel in derselben Farbe des KostĂŒms, das ich mir aus Wien mitgebracht hatte, darĂŒber einen Schal aus matter Seide. Alles andere an ihr war schwarz: die Augen, die Schminke, ihr Kleid. Das Haar war unter einem Hut versteckt — oder einer Kappe eher, die ihr bis ĂŒber die Ohren reichte. Darunter schimmerten kupferfarbende OhrgehĂ€nge in bizarren Formen, aber ohne die sie krönenden Steine. Die Schuhe waren unscheinbar, Sommerschuhe, dunkelgelb.

Genre: Erinnerungsbrösel