Neue Verkehrsregeln

Die Fahrradfahrer von heute sind die Dinosaurier von morgen

Schild GrĂŒnpfeil fĂŒr Radfahrer

Die Diverses von gestern sind die Fahrradfahrer von heute

Sinnbild Lastenfahrrad

Genre: RealitÀtsschatten

fĂŒr (drei gedichte, gewidmet)

fĂŒr JĂŒrgen Becker

                                          und
es ist ein gröbkörniger tag
wie sand kies morÀnen im blick auf den einen schatten
der lange still steht und sich dann
plötzlich bewegt
ums haus
ĂŒber die straße vor dem haus
bis er weitergeht
in eine andere fotografie

[die im abend verschwimmt
mit deinem eigenen leben]

auf der du keinen mehr kennst

.

fĂŒr Nicolas Born

unterwegs die hĂ€user alle hatten weiße fenster
gelbe drehkreuze in den scharnieren
eine rote zeichnung unter dem neuen lack
schaut piwitt aus rom herunter auf die straße
ich beobachte die radfahrer mit ihren gefetteten ketten
wie sie am flussufer gegen die strömung fahren
talwÀrts ziehenden lastkÀhnen entgegen
beladen mit schwermut die einen
die anderen mit leichtem licht aus den bergen
lang fallen die schatten der lenker und rÀder
hinaus auf die treibende flut
ich gedenke dem wasser
der stadt

.

fĂŒr Pier Paolo Pasolini

die zeichnung auf dem kĂ€ferflĂŒgel wies scharfe konturen auf
filmschnitte im grauen chinin
marschierten junge faschisten durch ein drehbuch pasolinis
er schrieb es in erinnerung an ein treffen in weimar
spÀter am strand von ostia
die stelle ist bekannt
fehlte ihm die zeit fĂŒr ein letztes gebet
[verschwamm im abendhimmel
graues chinin]

Genre: Erinnerungsbrösel, Rezensionen

Riemenfischgedicht

was stört
kann weg
und wenn’s
die
letzte
Zeile
ist.

Genre: RealitÀtsschatten

4takt-Motor

Sonntage sind zum Sonnen, so
wie Renntage zum Rennen
sind.

Renntage sind zum Sonnen, so
wie Sonntage zum
Rennen sind.

Bildergebnis fĂŒr Trilobit

 

 

Genre: GemĂŒtstiefe

matrix: eine diktatur

blaskapelle gehirn:

austritt(s) – und eintrittselemente: durchzug. ungelenkig, (immer morgens; im schlafanzug), kommt (mich) (das) an. danach: fließend. wartend. (und immer diese ungeduld beim essen). der geist ist unruhig, aber das fleisch muss

wir sind alle
gebaut nach einem
programm:

und die programm-
gestaltung
lÀsst uns. nachgehen.

(aber mit diesem gehirn)

Genre: Erinnerungsbrösel

Kritik und Paraphrase : Hermann Hesses Stilpunkseminare

Stierkampf muss weg!

In der pĂ€dagogischen Provinz blĂŒht der Rost auf den Klingen. Entelechie wird Lebenslauf, die Gestirne

Genre: Wortmysterien

Kritik und Paraphrase : Hermann Hesses Stilpunkseminare

Stierkampf muss weg!

In der pĂ€dagogischen Provinz blĂŒht der Rost auf den Klingen. Entelechie wird Lebenslauf, die Gestirne

Genre: Wortmysterien

Inskriptionen No. 11 sind da

9783866602489

Die Inskriptionen No. 11 sind da – können aufgeblĂ€ttert, beschnuppert und gelesen werden.

Genre: RealitÀtsschatten

Featuring : M. Ju. Lermontov : Das kleine und das große GlĂŒck (“Ein Segel”)

Es blinkt ein weißes Segel, leer
Im blĂ€ulich-grauen NebelstĂŒck!..
Was sucht es draußen auf dem Meer?
Was ließ es hinter sich zurĂŒck?..

Es knallt der Wind mit voller Wucht
Ins Tuch, bis dass der Baum sich biegt…
Uf! GlĂŒck ist’s nicht, wonach es sucht,
Und UnglĂŒck nicht, wovor es flieht!

Darunter – himmelblauer Strom,
DarĂŒber – Spiegelglanz des Meers…
Und es, das Wilde, fleht um Sturm,
Als ob darinnen Ruhe wĂ€r’!

Genre: Erinnerungsbrösel

Berliner Ballhaus

Das also ist Berlin : ein Hinterhof
Berliner Ballhaus : schwarz
Biergarten : innen verwirbelt
Farbig : alle Kontinente tanzen
Hier : außer Australien

Skepsis weicht der Sepsis
LÀcheln weicht dem SchwÀcheln
Schnelle Schritte : fitte Mitte
Zehweh dreht ums Viehknie
Der Drink ist ein Wink : link

Morgens um drei sind wir dabei
Warten : warten : bis die Flieger starten
New York : Helsinki : Shanghai
Preußen : Sachsen : Walachei
Das Leben : halb vorbei

Genre: GemĂŒtstiefe, Trauersymmetrie

Clemens Brentano Förderpreis

Die Stadt Heidelberg schreibt in Zusammenarbeit mit dem Germanistischen Seminar der UniversitĂ€t Heidelberg auch in diesem Jahr wieder den mit 10.000.- Euro dotierten Clemens Brentano Förderpreis fĂŒr Literatur aus. Er wird 2020 in der Sparte „Lyrik“ vergeben.  PrĂ€miert werden Autorinnen und Autoren, die bisher nicht mehr als zwei literarische Publikationenin deutscher Sprache veröffentlicht haben; das einzureichende Werk kann somit die erste, zweite oder dritte literarische Publikation darstellen. Das Veröffentlichungsjahr des in Frage kommenden Textes muss 2018 oder 2019 sein.

Texte, die fĂŒr den Clemens Brentano Förderpreis geeignet sind, als Pdf-Dokument und als Buch in drei Exemplaren bis spĂ€testens 12. August 2019 an folgende Adresse einzusenden:

Per E-Mail: brentano@gs.uni-heidelberg.de

Postalisch: Prof. Dr. Michaela Kopp-Marx

Germanistisches Seminar der UniversitÀt Heidelberg

Hauptstr. 207-209

69117 Heidelberg

 

Genre: RealitÀtsschatten

wolkenschnee

dort wo ich
deinen raum betrete
in einer sprache
die aus den augen fÀllt

sozusagen ein liebesschweigen
genau dahin
möchte ich
wie ein morgengedicht

das den tau
auf den lippen trocknet
und die stĂŒrme
des vergangenen sommers

Genre: GemĂŒtstiefe

im verriegelten raum

meiner kindheit
schlÀft noch die einÀugige puppe
zeichnet die nacht
eisblumen ans fenster
schon damals trÀumte ich
vom leben vor dem tod

Genre: RealitÀtsschatten

Helianthus annuus

Willi hatte Recht. Was war das doch fĂŒr ein selbstverliebter KĂ€se!

Wie in Trance drehte ich mich um und lief ĂŒber den Flur ins Schlafzimmer. Die lange mĂ€nnliche Gestalt stand vor dem Glas der BalkontĂŒr. Sie trug ein lĂ€cherlich durchscheinendes Regencape, mit dem sie den winterlichen Temperaturen trotzte. Ich zog  die TĂŒr auf, eine Handlung, die im vollstĂ€ndigen Gegensatz zu meiner inneren Zerstreutheit stand. Schon hatte ich den TĂŒrgriff in der Hand – aber die TĂŒr war offen und die Gestalt stand im Zimmer, faßte mich ohne zu fragen an den Schultern und zog mich an sich.

Ich befreite mich mit der kĂŒhlen Bemerkung, daß er es trotz seiner Somnambulance vielleicht geschafft hĂ€tte, zum Telefon zu greifen, um sich anzukĂŒndigen. Aber mein seltsamer Freund hatte den Raum einfach so betreten, seine nasse Regenjacke auf das frisch bezogene Sofa gelegt und sich ohne zu fragen eine Lucky Strike angezĂŒndet, die er nun in tiefen LungenzĂŒgen inhalierte. Um den Rauch schließlich gegen den verkupferten Kronleuchter auszustoßen, den eine einzelne GlĂŒhbirne zierte. Ich sah ihn an. Dass jemand so selbstverstĂ€ndlich dastand und tat, was ihm sein Wollen eingab, begegnete mir nicht oft. Er schaute zurĂŒck, nahm die Zigarette aus dem Mund, als wolle er sich entschuldigen und endlich etwas sagen.

„Schön. Deine Wohnung, du hast Geschmack. Immerhin.“ Er sah erst an die Decke, dann seitwĂ€rts zu Boden auf die graublau lackierte Blumenvase mit drei oder vier Sonnenblumen darin, die bis vor einigen Tagen noch hellgelb leuchteten, jetzt aber langsam schon ein trockenes Braun annahmen. Unverwandt fiel sein Blick auf mein Gesicht. Das gefiel mir, aber noch war es zu frĂŒh, ich durfte mir nichts anmerken lassen. Zeigte ich gewöhnliche Emotionen, wĂ€re die Balance zerstört, die Chance vertan. Die Augen, nur sie mĂŒssen hell sein, alles andere ist bald in der WinterdĂ€mmerung verschluckt. Ich machte nie Licht, wenn wir uns begegneten. „Geschmack … vielleicht auch, was die Wahl meiner Freunde betrifft, oder bin ich da eher – zu kritisch?“ In seinen kĂŒhlen Augen begann es zu leuchten. „Vielleicht eher zu zĂŒgellos. Deine klugen Kollegen werden dir auf die Schliche kommen. Dann mußt du das sein, worĂŒber sie nur denken, schreiben – was sie nur beschreiben. Dann sitzt du in der Falle. Ich bin drin, mir ist es gleich. Aber du  – wie willst du in ihrer Welt leben und zugleich ihr Objekt sein? Mit einem Fuß auf einem anderen Grund zu stehen als mit dem zweiten fĂŒhrt zu leicht ins Bodenlose.“ Mechanisch trat ich einen Schritt zurĂŒck, ich mußte Abstand gewinnen. „Du meinst ich muß mich – entscheiden? Du weißt, daß ich es nicht will. Ich bin schon wie du …“ Seine wegwerfende Geste nahm mir jede Illusion. „Du – wie ich? Du bist nicht mal wie Ullrich oder der Rest deiner Kollegen, wie willst du dann mir gleichen? Du ruderst an ein Ufer, das es gar nicht gibt – nicht fĂŒr dich. Der Horizont, den du dort erreichen willst, ist leer, unbeschrieben, und kein noch so extravagantes Erlebnis wird sich dauerhaft darauf malen. Sei doch nicht lĂ€cherlich.“ “Ich – lĂ€cherlich? Ich bin keine – ich schluckte – keine Donne Quichote.” Meine Stimme fiel mir herunter und ich mußte ins Dunkle sehen. Auf die Sonnenblumen. Warum werden BlĂŒten abgeworfen.

Genre: Rezensionen

Ingenieure der Seele

Manchen Metaphern sieht man ihr Innerstes unmittelbar an: Metatheorien subatomarer Gespinste, der Geist von Hamlets Vater tritt auf. Der Geist befiehlt dem Willen, der Wille befiehlt dem Körper. Wenn es dann so richtig heimelig geworden ist in der Arena, vielleicht ein Sonnenuntergang oder der Aufgang eines neuen Sterns, schauen alle in die gleiche Richtung: Soll das etwa Ausdruck der Algorithmen des Herzens sein?

Genre: Trauersymmetrie