Gesang an Feuern

Gesang an Feuern

 

sicher sind die RĂ€nder

der flackernden Felsen

wo wir Leben fanden

 

Geschichten durchquerten

und bewachte TrÀume

Seelen der Zugvögel

 

wir fallen aus Netzen

in die Gegenwart

ohne Gegenwert

 

aufgehÀngt

in rasende Konserven

Einsnullvarianten

in brennder Not

 

 

 

 

Genre: RealitÀtsschatten

Olba

Bergbauidyll am Weltende
Was haben wir hier verloren
Was gewinnen wir

ZurĂŒck : es gibt kein Ende
Nur die steppige Einsamkeit
Der Wolfsrudel

Zusammen : getrennt
Jeder beißt sich
FĂŒr sich durch

Adler packen Karpfen
Kraniche verschlingen
Die Beute im Ganzen

Genre: Trauersymmetrie

gesang elf

ich wollte dich nach dem weg fragen
doch du warst verschwunden
auch der weg war nicht da
so ließ ich mir vom rebhuhn sagen
wie die nĂ€chste weinernte ausfallen wĂŒrde

ich versuchte mich in einen tisch einzufĂŒhlen
eine stehlampe einen kanarienvogel oder ein efeublatt
ganz egal was
hauptsache in irgendwas
eines abends wĂ€re es mir fast geglĂŒckt

du verfingst dich im straßennetz eines stadtplans
verliefst dich schon an der nÀchsten ecke
beim bÀcker
oder war es ein metzger
oder ein dichter der dir den himmel erklÀrte

wir verhÀngten die bilder
hier war gerade einer gestorben
niemand mehr interessierte sich fĂŒr ihn
ein jahr noch vielleicht oder zwei
und die wĂ€nde wĂŒrden wieder nach zement schmecken

auf dem bildschirm schneite es
jemand hatte das antennenkabel gestohlen
digital poetisch
graugefiedert sprang die katze zur tĂŒr
etwas musste sie erschreckt haben

Genre: GemĂŒtstiefe, RealitĂ€tsschatten

Gojim : Goitzsche

Da haben sie das Paradies fĂŒr sich
Ausgehoben : dem Schluff und Tuff
Entrissen : mit Wasser aufgefĂŒllt

So daß sie segeln könnten : davon-
Schweben : im Rausch
Stattdessen hÀngen sie sackig

In ihren Höhlen und lamentieren
All das ist nicht genug : all das
Reicht ihnen nicht : sie wissen

Nicht : was sie zufrieden stellt
Was ihre Sehnsucht stillt : daher
Meckern sie fröhlich drauflos

Blicken sie dich verÀchtlich an
Fremder : Gast hier : benimm dich
Sei froh : daß sie dich nicht hassen

Genre: RealitÀtsschatten

A Matter of no Importance

2.

Sollten wir es nicht, gleich unseren britischen Freunden, dabei belassen und sagen „A matter of no importance?“ Ist der Erhalt der menschlichen Rasse denn derart bedeutsam? Sollten wir nicht endlich damit aufhören, uns so wichtig zu nehmen und stattdessen nicht besser das Leben an sich als Kunstwerk kultivieren? Sicher wĂ€re es falsch zu sagen, die Fortpflanzung und ihre angenehmen sowie weniger angenehmen Begleiterscheinungen gingen uns nun nichts mehr an. Ich möchte mich hiermit ausdrĂŒcklich gegen diese stillose Ignoranz verwehren. Sehen wir uns besser einmal die Tier- und Pflanzenwelt an. Eifrig wird dort gebalzt und sich reproduziert. Nester werden gebaut, BĂ€ume benagt, DĂ€mme aufgeschichtet, Löcher in die Erde gegraben und in BĂ€ume gehĂ€mmert. Licht, Sonnenstrahlen und Wasser werden bearbeitet und saftiges GrĂŒn, das unser Auge erfreut, wenn es solcherlei noch zu sehen bekommt. Schon der Dichter Oscar Wilde sang ganze LobgesĂ€nge auf diese Farbe, und es wĂ€re sicherlich verkehrt, ihn als Naturfeind zu bezeichnen, wenn er sicherlich auch die Kunst ĂŒber den Wald stellte. Doch gleich dem schönen Narziss, der sein Ebenbild in dem unheilvollen Teich erblickt, konnte sich auch der Dichter des Lasters und des Sittenverfalls nicht der Schönheit all dessen entziehen, das sich tagtĂ€glich in unseren Augen spiegelt. Wie fĂŒhlt es sich an, als Frau ĂŒber mĂ€nnliche Körper zu schreiben? Über Körper, die Ă€ußerlich bleich und unantastbar im Dunklen schlummern und innerlich durch unheilbare Krankheiten zerfressen werden? Lesen Sie meine Texte und machen sie es zu Ihrer eigenen Erfahrung. Als ein Geschenk, bei Lampenlicht und schwarzem Tee. Und einer Gauloises LegĂšres, bitte schön! Und falls Ihr Körper noch jugendliche Straffheit besitzt, werden Sie diesen nach der LektĂŒre mit Liebreiz versehen. Sind Sie eine leidende, mĂ€nnliche Kreatur, die Kafka und Walter Benjamin verschlungen hat? Dann wird Sie der literarische Diskurs erfreuen, den ich meinem mĂ€nnlichen Eros auf den Leib geschrieben habe. Sind Sie vielleicht hybride? So wie die meisten von uns heutzutage? Dann ergötzen Sie sich doch an der PlastizitĂ€t der vielfĂ€ltig schimmernden Körper, in denen sich Mann, Weib und Dingwelt getröstet und bestĂ€tigt wissen.

Genre: Rezensionen

R. I. P.

An dieser Sommer 2018 – vorher -

Hier ruht in Frieden ein fleißig’ Arbeitstier
Er starb zu frĂŒh, trank zu viel kaltes Bier
MĂ€nner, achtet seinen frĂŒhen Tod
Ist’s euch zu schwer, esst lieber Brot.

Gepostet 15. Juni 2018
Gelöscht ca. 3. Juli 2018 (?)

Genre: RealitÀtsschatten

Hallgrím – Variationen (II)

Eric_Shipton_yeti_footprint

(Quelle: Wikipedia)

The strangest thing is, that his foot is about foot long.

Genre: RealitÀtsschatten

deine Suada ist dir deine Selbstminne

dir sind deine Schweißschwaden in die Nase

& zu Kopf gestiegen

 

noch nie hat einer dich zurechtgewiesen

allein die Nabel-, nie die Umschau

ist deins & einen Freund hast du

 

nie gehabt, wirst du nie haben

so bist du nicht einmal dir selbst

ein Leitstern

 

[deine Suada]

Genre: RealitÀtsschatten

Opfer der Eizellen

1.

Nun, vielleicht wollte sie ein bisschen Zucker. Wer ist schon freiwillig gern Frau? Und ich habe ein biologisches Geschlecht. Das ist das derzeit noch unabĂ€nderliche Schicksal menschlich-physischer Existenz. Ich will nicht sagen, dass ich es verabscheue, hat es mir doch in so manchen Stunden meines Lebens viel VergnĂŒgen und Ersprießlichkeiten bereitet. Morgen könnte ich als Junge erscheinen, und Sie wĂŒrde es nicht einmal merken, denn ich kann meinen Busen so flachpressen, dass er sich in die Rippen senkt. Eine tiefe Stimme habe ich ĂŒberdies, und ich kann sie noch tiefer machen. Ich könnte Sie perfekt tĂ€uschen, und Sie wĂŒrden es nicht einmal merken! Von natĂŒrlichen Aufgaben sollte hier besser gar nicht mehr die Rede sein. Übrigens recht unhygienische Angelegenheit. Sicher liegt es bei fast 37 Grad unter der Bettdecke, dĂŒnstet aus und freut sich darĂŒber, das warme Menschentier. Aber ich bitte Sie, sollten wir zwei und nicht gemeinsam Dingen widmen, die oberhalb der Halskante liegen? Ist nicht der menschliche Körper, dem Verfall preisgegeben, eine eher unappetitliche Sache? Sollten wir unseren Diskurs durch solcherlei verunreinigen? Ich denke, nein. Ich komme ja nicht als biologisches Geschlecht „Frau“ zu Ihnen, und im ĂŒbrigen arbeite ich gerade hartnĂ€ckig (feinste LaubsĂ€gearbeit) daran, dem Geschlecht „Frau“ mein neues, ganz individuelles Gesicht zu geben. Meine Texte handeln davon. Nicht, dass sie den Mann zum Objekt machten. Nein, ich lasse Gnade vor Recht ergehen und erhebe den Mann in einen adligen Stand, mir ebenbĂŒrtig. Und nun möchte ich Ihnen etwas anvertrauen: Ich erschaffe mĂ€nnliche Figuren, zu meiner Lust, und gestern bin ich auf einer Fotografie dem blonden Langhaarigen begegnet. Es war herrlich, noch jetzt fĂŒhle ich meine Eingeweide schmerzhaft und lustvoll zugleich absinken (haben Sie die GĂŒte, mir zu verzeihen, dass ich Ihnen nun doch ein wenig ĂŒber die körperliche Seite meines Seins beichte). Das Thema ist meine Lust und meine Last. Diese ziselierte Redensart habe ich unserem großen Dichter des 20. Jahrhunderts, Herrn Thomas Mann, entwendet – er dehnte sie von der geschlechtlichen Liebe, bzw. dehnte sie, von dorther kommend, auf das Leben als Gesamtkunstwerk aus – dieses sei dem Menschentier, das doch gern Engel wĂ€r, eine Lust und eine Last. Doch das Ausdehnen gewisser Körperteile sollten wir denn doch besser den Frauen ĂŒberlassen, schließlich tun sie es seit Jahrtausenden und haben sich nicht schlecht darin bewĂ€hrt. Wir alle sind Opfer der Eizellen.

 

Genre: GemĂŒtstiefe

11. NB bei 1NB

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Genre: RealitÀtsschatten

HallgrĂ­m – Variationen (I)

HallgrĂ­m stand im Eis
Und sah der Lava zu

Die Eule kam mit dem Postboot
Das Schiff legte an
Sie nahm ihren Koffer
Ging an Land und wurde
Von Heinar ĂŒberfahren
So war das

HallgrĂ­m aber trieb
Auf dem Strom des Eises

HallgrĂ­m stand
Mit gespreizten Beinen
Unter ihm der Graben

HallgrĂ­m schwieg

Dann brachen die Worte aus
Wie Lava, wie Lava

Genre: Wortmysterien

Was soll ich sagen…?

Die gĂ€ngisten Wege sind ermĂŒdend und langweilig. Wer zum Geburtstag gratuliert, sagt “Alles Gute zum Geburtstag” und “ Herzlichen GlĂŒckwunsch zum Geburtstag”.
Der Sinn einer Geburtstagsnachricht ist es, dem Geburtstagskind GlĂŒck und einen wundervollen Tag zu wĂŒnschen. Überlege dir, wie du das auf einzigartige Weise auch anders sagen könntest. Wenn dir nichts einfĂ€llt, versuche Folgendes:
‱ Ein gesundes neues Lebensjahr!
‱ Alles Gute und Liebe zum Ehrentag!
‱ GlĂŒck, Frohsinn und Freude.
‱ Mögen all deine TrĂ€ume wahr werden!

Meilenstein-Geburtstage sind eine gute Gelegenheit fĂŒr Humor, vor allem, wenn Menschen Ă€lter werden. Bevor du einen Witz ĂŒber das Alter von jemandem machst, stelle sicher, dass der Scherz auch angemessen ist. Manche Menschen sind in Bezug auf ihr Alter extrem sensibel, und du willst sie mit Sicherheit nicht an ihrem Geburtstag verletzen. Ein unspezifischer Witz hinsichtlich des fortgeschrittenen Alters wĂ€re zum Beispiel: “Das sind ja ganz schön viele Kerzen. Fackele bitte das Haus nicht ab!” oder “Wenn man erst einmal dieses Alter erreicht hat, tut entweder alles weh oder es funktioniert gar nichts mehr!”
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Dank an wikiHow fĂŒr die unglaublich kreativen VorschlĂ€ge.

Genre: Rezensionen

atomdichter und zungenbecken (canto verbano)

zog hallgrĂ­m an den gletscher
und log gedichte
ĂŒber die geburt der basalte
reiste ugla die henne
im gepÀcknetz vom nordland nach reykjavík
kam sie unter die rĂ€der eines straßenkreuzers
verlor sie ihr leben
da weinte das wollgras

wir lagen im gletscherbett
an seinem grund schlief der see
die berge ringsum
waren nunatakker
wurden geschliffen die inseln
geschleifte drumlins
trieben mit den booten dahin

tastete ich deinen finerokörper
grĂŒnes gestein
das sich geschÀlt hatte aus seinem erdmantel
trug ich stimmen in die wÀlder
schĂŒrfte sich seine haut wund an der erdkruste

lief die schwarze katze von links ins bild
konnte das gedicht gelingen

erweiterte ich meine sammlung um eine muschelschale
legte sie zwischen das pfennigstĂŒck
und das welkgepresste
blatt eines bergahorns

wog hallgrĂ­m das gewicht des mittelatlantischen rĂŒckens

Genre: Erinnerungsbrösel, Trauersymmetrie, Wortmysterien

Anasthasia (Flucht und Wiederkehr XXIV)

Tief in dich tauchend, gedenkst du wirklich zu sein? Unter all diesen sozialen PerĂŒcken, emotionalen HĂ€uten, logischen Knochen, moralischen Organen: Was ist der Kern aller idealistischen, progressiven Gedanken, aller tiefenpsychologisch genĂ€hrten, abgeklĂ€rt austherapierten und nie kopierten SehnsĂŒchte? Welcher Bewußtseinsschleier verhĂŒllt deine gehetzte, versetzte, verletzte, mit Narbgewebe umnetzte Seele – selbst vor dir?

Lebenswunder, schenke  Sommerlicht fĂŒr immer den Blassen,
leih’ Durstigen den Schatten sanfter Himmelsschwingen;
der Dunkelheit spende geheimnisvolle Musik
und verspielte BerĂŒhrungen den Hoffnungsvollen -
Lebenswunder, in deiner Mitte sei Frieden den Getriebenen,
Hochzeit aller Jubel und Freuden den Fröhlichen,
jenen, die fĂŒrs Suchen schwelgen ein unlösbares RĂ€tsel.

Der Reiher erhebt sich ĂŒber den Fluss und landet inmitten des angenehm weitlĂ€ufig gestaffelten Uferwaldes auf einem, mit gelben BlĂŒten gesprenkelten Baum, der sonnige Tage am Wasser mit Liebe beschattet und lauen NĂ€chten an seinem Stamm Flecken beschert, an denen, abgetrieben vom tĂŒckischen Strome der Zeit, Einsamkeit anlandet und vergeht.

Versinke verloren in die Töne verstört verschlungener TrÀume, Anasthasia,
gehauchte Fragen streichelnd, tanze nebelhaft um deine WĂŒnsche,
bette dich dann darin und schlafe unter der grĂŒnen Kuppel bis, Anasthasia,
deine Leidenschaft wieder erwacht.

Am Abend, Liebste, wenn jasmingetrÀnkte Nachtluft deiner Nase schmeichelt,
Augen feuergetauft lodern und feinste HĂ€rchen deiner seidenen Haut aufwarten,
sei gewiss, verfalle ich, vergessen lÀchelnd, dir entgegen.

Genre: GemĂŒtstiefe

distanz

zuerst schliefen sie zusammen
dann in getrennten betten
spÀter in eigenen zimmern
in unterschiedlichen stockwerken
danach in zwei hÀusern
in verschiedenen orten
auf anderen kontinenten
schlief sie am nordpol
er am sĂŒdpol

Genre: Trauersymmetrie