Chorin (2)

Selbstvergewisserung

Wer baute die ersten Tempel,
Stonehenge- & Carnac-
Ensembles,
Erfahrungen des Himmels
auf Erden?

Wer konstruierte das erste
F√ľnfeck, Geh√§use
der Welten
harmonie wie des Fluchs
aller Ausnahmen?

Gehäuse des Menschen
wie der harten Steine, eisige
Kontur der im Innern
des Vergänglichen wirk
enden Form?

Prinzip der Erzeugung
des Mannigfaltigen
aus dem Gleichen, des Einen
aus dem Verschiedenartigen
gleichermaßen?

Gleichermaßen? Gleicherweise?
Ungewissheiten der
Formulierung, Ur
bild aller Sag
bar
keiten, un
möglich auf den Begriff
zu Bringendes?

Wer erfand die Idee
des Wunders, in dessen Ge
häuse des Menschen
Wohnstatt
sei – Seele
im Geist, Er
kenntnis der einen Be
weg
ung, die wir sind?

Wer baute mit den Händen
seinen Tempel, in
dessen Grund wie
ein Grab die Klarheit end
losen √úbergehens ein
gebettet liegt?

Genre: Realitätsschatten, Rezensionen

All diese

Denn man soll nicht,
ließest du mich wissen,
nicht in den Niederungen
wildern.

Ich hatte kein Abitur.
Nur meine Liebe.
Einmal glaubte ich
an sie.

Das verging.
Verging wie alles,
kein Lärm, kein Schmerz.
Alles im Grenzbereich.

Genre: Realitätsschatten

Altern

f√ľr Micha

Verliebt
in die eigenen
w√ľnsche treideln
wir richtung quelle

Die Kinder beobachten uns. Du
gibst den durch
sichtigen Spiegel,
ich
die schwarze Wand.

zu zweit, du
& nicht du sind
wir eine un
entzweite Dreiheit,
w√§hrend wir √ľber erziehung reden

Genre: Erinnerungsbrösel, Wortmysterien

Sky Talks

eine logik des kellerschwamms? i looked at clouds that way. ist eine √§hnliche der des schimmelpilzes. die schw√ľle eduards hat damit n√ľscht am hut etwas unbekanntes tut sich dort, aber wir wissen nicht was. Du und ich sind wie Zeit und Raum. Ich persistiere mit meinem K√∂rper, dein Denken gleitet ‚Äď scheinbar ‚Äď m√ľhelos dahin.

Genre: Gem√ľtstiefe

Eingeschn√ľrt und Inklusionsfreudig

Inklusionsfreudig. Mal sehen, ob ich daf√ľr in Frage komme. Immerhin sitze ich so eingeschn√ľrt darnieder, dass man meinen m√∂chte, die rosarote Masse um mich herum sei doch nichts als die Superhaftkrem von “Protefix”, h√§lt sogar bei rosa Zuckerguss. Nein, das kann nicht sein, obwohl das Material so gummiartig ist. N bisschen z√§he, klebrig auch, wie Erdbeereis mit Kaugummi. Belichtung total kacke. Wie versteckte Schimmelpilze. Man sieht den Dreck im Gesicht. Merkw√ľrdig menschenw√ľrdige Bedingungen. Sieht richtig geil aus, das Foto. Kann es sein, dass ich auf “Inskriptionen” geklickt habe? Kinderkrankheit mit drei Buchstaben, ADHC oder so √§hnlich. Ich glaube, mit mir ist irgendetwas nicht in Ordnung. Haftkrem mit Zahnseide, zum Anbei√üen — Einschn√ľren und Reinigen der Zwischenr√§ume.

Genre: Erinnerungsbrösel

viel : leicht

der satz, das schwein und die selbstaussage Рobjekt, nichts sonst Р- man sagt mir die objektivität nach Р- Рwarum eigentlich Р- weil sie es selbst nicht besser wissen Р? Рmanche glauben Р- ich sei Рdas gesetz Р- Рwelch kinderglaube Р- nicht einmal die gnade will ich sein, sonders einzig die erlösung. wer spricht hier von versöhnung Р! Рgeist Р- indem er urbild und bild geschaut Р- Рder ihre differenz Р- und kommt mir nicht mit der ähnlichkeit, dieser ana Рlogie von sondern hausen Р- was habe ich schon mit meinem steinernen bild zu tun Р- Рall Р- so glaubt, selbst Рwenn ich zwei fel t/e Р- also glaubt Р- Рalso, etc.

Genre: Erinnerungsbr√∂sel, Gem√ľtstiefe, Rezensionen, Trauersymmetrie, Wortmysterien

Du bist mein Licht …

Ich liebe hemmungslos und ohne Schranken,
bin gefangen in meinen Gedanken,
Sklave meiner Leidenschaft,
wie lange habe ich die Kraft,
auf dem Seil zu balancieren,
gewinne ich dich, werde ich verlieren?
Doch eines möchte ich dir sagen,
du bist mein Licht an dunklen Tagen,
und erreiche ich dich auch nicht,
so bleibt mir doch, ich liebe dich.

Genre: Realitätsschatten

Portale

D√ľnn geworden,
was man uns serviert. Verschrien,
verleumdet die ungeliebte Klarheit
des Gedankens, die, mitunter noch,
anklagend die Stimme erhebt.

Gl√ľcklos sind wir.
Die Massen machen das Spiel,
man las es in Glanzbrosch√ľren,
und gemeint waren Wirrnis, Leere
und Gleichg√ľltigkeit.

√úberall Melancholie,
sie hockt vor geschlossenen Portalen,
und wir, arme Hunde, warten in
Gottvertrauen, warten und warten
und wissen nicht, worauf.

Genre: Realitätsschatten

Es

gibt keine Null
Reflexion, außer

in der reinen
Anschauung

Genre: Trauersymmetrie, Wortmysterien

elefantensamba

fliegt ein schiff durch meinen kopf
ein hamburger viermaster
die segel gesetzt

von den bergen und schlachtfeldern
von einer trauernden mutter und geliebten
trägt der wind stimmen
in die städte

wir pfl√ľcken n√§chte und binden sie
zu einem großen strauß
der elefant schaut in den himmel

die bienenz√ľchter und kriegstreiber
haben zulauf
f√ľttern k√∂niginnen und kronprinzen
mit honig und waffenarsenalen aus den bergen

das haus ist ein sprechender zigarettenautomat
darin wohnen kann tödlich sein
aus den schachteln und h√ľlsen dr√§ngen stimmen

die haut ist ein geduldiges raubtier
jede nacht macht sie beute
wandern elefanten in die stadt
trompeten und tanzen samba

Genre: Realitätsschatten

“…dass hier eine Menge Ungekonntes sich herumdr√ľckt.”

1:0 f√ľr Theos Resterampe!

Genre: Rezensionen

Chorin (1)

Vision

Schwebendes Dreieck,
rechteckiger Grund.

Das Licht holt sie zusammen
in der Sieben.

Reine Addition, nichts
Räumliches oder
Zeitliches.

Schattengrund, Gr√ľnde
f√ľr Schatten, nichts
Unerklärliches.

Wenn Licht & Schatten zusammen
treten, entsteht Raum
aus sich selbst heraus.

In der geschauten Einheit
verteilt sich das Ungleichartige.

Ungleiche Hälften, ein Wider
spruch – gemurmelt

oder geschaut, vom Auge
wie vom Ohr aus
springt

dieser Stein in die
Höhe: Schluss
stein,

Schicht auf Schicht,
Kulmination:
das

Leichte
ruht auf
dem Schweren als

Illusion -
niemand könne ernst
haft glauben, dort &

nur
dort sei der Mittelpunkt der Welt.

Genre: Realitätsschatten, Rezensionen

Nur zu!

Im eigentlichen Sprachsinn ist der Dilettant ein Liebhaber, jemand, der zum Vergn√ľgen oder aus Liebhaberei, Leidenschaft gar, etwas ausf√ľhrt. Der sich mit Begeisterung f√ľr eine Sache, um ihrer selbst willen, einsetzt. Entsprechend wurde das Verb “dilettieren” gern in der Musik verwendet. Die Sprachwurzel ist dem Italienischen entlehnt: “dilettarsi” meint “erfreuen”.

Da ein Dilettant eine Kunst (welche auch immer) nicht berufsm√§√üig ausf√ľhrt, ist er dem Amateur gleichzusetzen. Und hier liegt der Beginn der negativen Konnotation: Amateur = Nichtsk√∂nner.

Auf! Bezeichnet mich als Dilettanti!

Genre: Rezensionen

nocturne (l√ľgenbaron)

wer mich kennt weiß
dass ich gedichte vom himmel herunter l√ľge
in ihnen schwimmen fische durch leuchtreklamen
steigen √ľber den schildern luft- und sprechblasen auf
in die lichtglocke √ľber der stadt
werden stimmen beschworen
urt√ľmliche laute aus ubahnsch√§chten
mischen sich mit dem rascheln der lindenblätter
vom warschauer platz vom czernowitzer platz
vom donauufer in budapest und vom schwarzmeer bei odessa
wer mich kennt weiß
dass in meinen vom himmel herunter gelogenen gedichten
am horizont schneeberge aufragen
√ľber sie ziehen singschw√§ne in ferne geschichten
die an orten wie teheran und kabul spielen
dort stehen mädchen am straßenrand
und winken burschen in reiterspielen zu
später weinen die mädchen
wenn die toten körper der burschen
auf lastwagen in die stadt zur√ľckkehren
wer mich kennt weiß
dass das blau am himmel selbst eine l√ľge ist
in ihm spiegeln sich die augen von geckos
die an hauswänden hocken und auf das ende der zeit warten
menschen beobachten die tiere
und schreiben ihnen gl√ľcksbringende eigenschaften zu
die augen der menschen leuchten dann blau wie der himmel
ich biege um die nächste straßenecke
sehe fische und höre singschwäne
und die nacht und die l√ľgen nehmen kein ende

Genre: Erinnerungsbrösel

metronom

ich habe angst, dass du aus der zeit fällst.

sammelt a. immer noch uhren? das ist doch auch so ein tick. ein sammler und j√§ger. obwohl, was jagt der eigentlich? frauen nicht mehr, m√§nner noch nie. oder wei√üt du da mehr? und dem geld hinterherzujagen hat er erfolgreich abgeschworen. meintest du jedenfalls. dann m√ľsste er doch eigentlich gl√ľcklich sein, und dem gl√ľcklichen schl√§gt bekanntlich keine stunde. sammelt a. noch uhren? ich wei√ü, das hatte ich dich schon mal gefragt. ist noch gar nicht so lange her… wie die zeit vergeht. da muss man echt aufpassen, sonst f√§llt man einfach raus. aus der zeit. ein komisches konstrukt. von uns erschaffen. es taktet den tag. schichtet ihn auf. fr√ľhst√ľck, mittag, abend. dazwischen brunch, lunch, vesper. ich verga√ü, du wolltest heute fasten. dich vom Zuviel der schichten befreien. mal rausfallen. wohin? ist da ein netz, ein doppelter boden, eine samtweiche matte, ein oben, ein unten? wer sagt, dass das loch, in das man sich hineinst√ľrzt, immer schwarz sein muss?¬†der stein. erinnerest du dich? schwarz mit zwei tiefen kuhlen f√ľr daumen und zeigefinger. ein st√ľck versteinerte magma. aus der zeit gefallen. dir vor die f√ľ√üe gesp√ľlt. durchzogen von wei√üen linien, ein wirres geflecht. unz√§hlige kreidespuren, tief im inneren.

wer sagt, dass ein loch immer nur schwarz sein muss? ich wei√ü, das hatte ich schon mal gefragt. ich wiederhole mich. aber ich habe einfach zeit. zum minutenschichten. oder zum roman schreiben. so schwer kann das ja nicht sein. man muss die zeit nur besser nutzen. sie einteilen und schichten. beat the minutes. mal hier, mal dort. mal anflanschen. das kurze rechnet sich nicht. auch die hermann hat nen roman gebastelt. jason ist √ľbrigens fliesenleger, schreibt der SPIEGEL. und das der roman ein √§sthetischer konservatismus w√§re. so sehen die das. und schreiben sich diese bastelei sch√∂n. ich hab ja alles von fr√ľher weggeworfen. ab in den papierkorb mit osternestchen und eierbechern aus klopapierrollen.

“sieh mal aus dem fenster, wenn du kannst, sagt jason. was w√ľrde ich sehen, wenn ich k√∂nnte, fragt stella.” Kannst du, frage ich dich? hast du einen fensterplatz? siehst du die fliegenden b√§ume? und sp√ľrst du das rattern der r√§der? es ersch√ľttert dich. beat the minutes.

es muss auch sommerg√§ste geben…

(vgl.: Es.muss.was.passieren 22.08.2011)

 

Genre: Erinnerungsbrösel