Archiv der Kategorie ‘Erinnerungsbrösel‘

isenheim (erster gesang)

Sonntag, den 22. Oktober 2017

wir richteten uns ein im bauch eines wales und hofften dass er uns wieder ausspeien würde nach seinen tauchgängen im marianengraben seinen flügen über wellengebirge hieltest du licht in den händen antworteten dir stimmen und erinnerungen hörten wir auf die nächte zu zählen die jahre das unglück die landschnecken befuhren alle weltmeere hielten auf inseln […]

Das ist von mir nicht intendiert, aber in Kauf genommen

Montag, den 16. Oktober 2017

Genau so, wie es Sartre geschrieben hat: “Die Natur des Lochs ist nächtlich. (…) Die besondere Situation des Menschen, der in einem Loch wühlt, ist die, dass seine Hände Feinden begegnen, die seine Augen noch nicht sehen können. (…) Man muss Druck ausüben, um sich hineinzwängen zu können. Dadurch ist es schon weiblich. Es ist […]

gesang sieben

Mittwoch, den 4. Oktober 2017

legten sich landschaften über die schönheit wie stimmen über das gras und staunende nebelbänke in den wald floh eine kuckuckslichtnelke deinen namen auf den lippen kuckucksknabenkraut trugen gebirge schwere auf deinen mund legte sich ein murmelndes und trauriges meer sprachst du mit den scheuen füchsen und botest gesänge zum tausch gegen schatten ein mammut überlebte […]

Wladimir Wyssotski : Lied über die erste Reihe : 1971

Dienstag, den 3. Oktober 2017

Da war ein Zar, der preschte stets voran, Und alles nur aus mangelndem Verständnis – Doch dieses Jahr setzt‘ er sich hintenan, Dort vorn ist’s wie im Rücken ein Gespann Aus schweren Läufen und des Kutschers fauligem Atem. Vielleicht ist es hier hinten nicht so prachtvoll, Doch dem Auge ringsumher bleibt mehr Platz – Langer […]

Januartage

Sonntag, den 1. Oktober 2017

Deine Stimme flieht über die Berge. Auf dem Gipfel liegt der Schnee kniehoch. Ich gebe dem Wind Meerworte und eine Handvoll Regen. Die Zeit ist noch nicht reif, sagst du. Sie liegt dir bitter auf den Lippen, und Kraniche sind unbekannt verzogen.

Blattmatsch (Flucht und Wiederkehr XVIII)

Montag, den 25. September 2017

‘Ja-Gen‘. Ein dackelhaftes, mit sabberndem Eifer kravattiertes Wort. Genaugenommen bezeichnet das Ja-Gen eine oft sozialdarwinistisch aufgeladene Befürwortung biologischer Beißreflexe. Das Ja-Gen ist gleichzeitig ein Euphemismus und findet nur deshalb Verwendung, weil die Anhänger des Ja-Gens die u.a. von Soziologen postulierte Existenz bzw. die damit einhergehende Signifikanz eines ‘Nein-Gens’ vehement ignorieren (ein Bestreiten ist nicht möglich, […]

Zum Beispiel: “wat mut dat mut”

Samstag, den 23. September 2017

http://l-lv.de/neu/product_info.php?info=p1079_katkus–laurynas–moskauer-pelmeni.html XXX die Menschheit: eine irre Oberfläche, die sich mittlerweile selbst imitiert; der Mensch im Theater nach Entsorgung aller seiner Götter. Oder war da noch etwas? Eine Zahnlücke im Denken? Eine Zaunslatte im Gehirn? Oder gar ein Zaunpfahl? Nur ein Faun, der seinen Nachmittag genießt Opfer der SCHÖNEN ERINNERUNG jaaaah, schön! muss es sein.

Ande (Flucht und Wiederkehr XVII)

Donnerstag, den 21. September 2017

“Am Anfang der meisten Projekte steht ihr Ende – denken, handeln, erfüllen. Manche Projekte sind jedoch einer solchen Natur, dass ihr letztendliches Ziel, gar das Bewußtsein von ihrer Existenz, erst im Laufe ihres Wirkungsraumes erkennbar wird. Am Ende der meisten Projekte steht ein neuer Anfang. Einige Projekte kennen kein Ende. Und die Mehrzahl scheitert. Wenn […]

Über die Schizophrenie des Schreibens (Flucht und Wiederkehr XVI)

Donnerstag, den 21. September 2017

Sie singt, er sucht, sie schleicht, er schreckt, sie schwebt, sie sieht: Er fängt sie auf – sie sinkt. Schreiben kann vieles sein, wie beispielsweise das Bewundern von Schönheit einer noch ungeborenen, nur geahnten Syntax; Formgebung, Schöpfungsakt, Tempelbau aus Silben. Bei anderen, profaneren Anlässen verführt das Schreiben zu einem trügerischen Gefühl der Kurzweile, spielt mit  […]

Sonnige Abschnitte (2)

Sonntag, den 17. September 2017

Natürlich hatte Mutter vorher jede noch so kleine Spur, die sie verraten könnte, unkenntlich gemacht. Hatte aus allen Briefumschlägen ihre Adresse herausgeschnitten, aus allen Kassenzetteln die Nummer ihrer Bonuskarte. Jedes Mal wurde es schwieriger, den Müll zu entsorgen. Mehr und mehr Mülltonnen waren mit einer Kette verschlossen. Oder standen hinter einem verschlossenen Tor. Und wo […]

Sonnige Abschnitte

Sonntag, den 17. September 2017

Ein guter Tag für Mutter, den Hausmüll extern zu entsorgen, war ein Tag mit sonnigen Abschnitten. Ich meine, ein Tag mit so Streifen. Aus Sonne, wie Caramellstreifen in Vanilleis. Was sehr Süßes und Kalorienreiches, cremig in der Konsistenz. Die Finger gleiten durch die Tastatur wie durch Sahneeis. Und man beginnt davon zu erzählen, wie es […]

Jetzt ist aber Schluss: Dein Vater läuft schon wieder im braunen Hemd rum

Montag, den 11. September 2017

Was müssen wir da in der Zeitung lesen: Steht das braune Hemd für eine braune Gesinnung? Eine absurde Frage – und doch haben sich Zuschauer beim ZDF über die Kleidung von Moderator Jochen Breyer beschwert. Die wichtigste Botschaft zuerst: Das Hemd, das Jochen Breyer am Montag im “Morgenmagazin” trug, war gar nicht braun – es […]

Rasenmähen: Zu welchen Zeiten ist es erlaubt?

Sonntag, den 10. September 2017

Wir merkten schon lange, dass der Samstag als Werktag gilt. Mein Vater hat da nämlich immer Rasen gemäht. Schön ordentlich und mit System. Bis die Vögel und die Engel ihm ihre Weise sangen. Rund um die Bäume herum. Da fragen Sie noch, ob wir ihm dies erlaubten? Jeder Rasenmäher ist seither Musik in unseren Ohren. […]

Heckeschneiden ist im Zeitraum von März bis Oktober verboten,

Sonntag, den 10. September 2017

so schreibt Bußgeld Info auf seiner Seite www.bußgeldinfo.de. Warum das so ist, kann uns keiner erklären. Leidet die Hecke darunter? Stört es die Nachbarn weniger im Winter, weil die da Schallübertragung in der kalten Winterluft alle Geräusche metallischer erscheinen lässt, wie Kirchenglocken, so dass man glaubt, an Halluzinationen, nicht aber an Tinnitus zu leiden, sobald […]

Scheibenquallen

Freitag, den 25. August 2017

Rauchsäule, dünn. Ein Himmel, ohne Sterne. Füße, nackte Abwesenheit. Eine Gasse, aus Liebe & Schmerz. (Karl Kraus saß im Café Landtmann. Die Geräusche von der Straße klangen liebevoll, vertraulich.)