Archiv der Kategorie ‘Realitätsschatten‘

Der Einsiedler

Dienstag, den 16. Mai 2017

lebt seit vier Monaten in der Felsenklause am Palfen. Morgens und abends singen die Vögel ihr Ständchen, auch das Mäuschen schaut öfter vorbei und manchmal, wenn die Wanderer gegangen sind, findet sich ein Gedicht. So schweigt er mit der Schere Gladiolen, legt sie dem brummenden Tal auf den Tisch, gibt Wasser in die Vase, am […]

Sonntag, den 7. Mai 2017

Ein dichter fährt mit einem kahn wörter über den fluss, hin und her, her und hin. Ein wanderer kommt vorbei und fragt: Ist das die rolle, die aufgabe eines dichters, was du hier tust, und, nimmst du mich mit und bringst mich ans andere ufer? Was ich hier tue, nein, das ist nicht meine rolle, […]

Zwei [12]

Freitag, den 5. Mai 2017

in ihrer Jurte liegend, Mallarmé lesend

Das Erotische ist ein Störgeräusch

Dienstag, den 2. Mai 2017

Heute: Das Ehepaar vom schlechten Russentisch   -

Hätte er sich seines praktischen Verstandes bedient, wäre dies nicht passiert

Donnerstag, den 27. April 2017

Niemand bestreitet, dass beim Menschen die Intentionalität, die wir Gott mittlerweile erfolgreich absprechen, zumindest noch teilweise vorhanden ist. Ich hatte neulich einen Bot zu Hause, der dafür geschaffen war, Löcher in poröse Wände zu bohren. Das Adjektiv “porös” schien jedoch, im Zusammenhang mit der Konstruktions des Bots, eine andere Bedeutung zu haben als die von […]

Träumen [11]

Mittwoch, den 26. April 2017

in welche Richtung > Proust erzählt über sich und wie er sich von Bergson nicht überzeugen ließ >> Proust erzählt, erzählt nicht über sich und wie man einen Roman schreibt, der der Roman der Romane ist >>> Der Roman der Romane vor zweihundert Jahren existiert : wer russisch versteht, lerne lesen. Nabokov hilf t >>>> […]

Wohin träumen

Freitag, den 14. April 2017

Wieder drücken sich die Tage eng an meine Haut, tritt ein Teil aus mir heraus und geht in sie über, und ich weiß nicht, wie ich mich halten soll inmitten dieser Zeit, in der die Schritte blind übereinander fallen und ich in keine Himmelsrichtung träumen kann.

gesang eins

Donnerstag, den 23. März 2017

auf einmal wurde die landschaft hügelig buckelwale duckten ihre rücken hinter das gras alle halme bewegten sich im gleichklang die musik musste von fern kommen hinter dem gebirge wechselte der himmel seine farben Sirin sang von der küstenebene drang kriegsgeschrei die wale verharrten das abendlicht verlieh ihren körpern das aussehen von gebranntem ton selbst der […]

Einem Grashalm

Dienstag, den 14. März 2017

gerecht zu werden ist keine Sache, so scheint’s. Doch wer vermag Wasser- und Fluten- den Schwaden, Draht- und Rasenschmiele, Weiche und Wehrlose Trespe, Weißes Straußgras von Gemeinem oder Kamm- und Borstgras zu unterscheiden? Reit- und Riedgras, Fuchswedel und Bärenfellgras, Wiesenschwingel und Wiesenschweidel? Vom Honiggras Wolliges und Weiches von Simsen oder Binsen? Sieht den Bau des […]

bogaz

Sonntag, den 26. Februar 2017

wir standen am ufer des bosporus und blickten hinüber in das gespiegelte land dort aßen sie honig und tranken galle leoparden säumten das ufer autos hupten und Sirin winkte einem albatros nach der schatten seines flügels streifte ihr gesicht das wasser sang und in den wellen verhallten schüsse aus einem fernen gebirge

“Wann endlich wird die Arbeiterbewegung die Lehren aus ihrer Geschichte ziehen?”

Freitag, den 24. Februar 2017

Mein Combray heißt Chemnitz, Karl-Marx-Stadt, Bob-Dylan-Stadt, Stadt der künstlerischen Moderne, Stadt der ästhetischen Avantgarde. Mein C-Dur war der Uki-Goshi. Karl Chemnitz 1992. Meine Großeltern wohnten in der Parkstraße.

Plong!

Sonntag, den 12. Februar 2017

Holy! Holy! Holy! Holy! Holy! Holy! Holy! Holy! Holy! Holy! Holy! Holy! Holy! Holy! Holy! ______________________________________________________ Allan 1955 Sie unterhielten sich, sie kopulierten. Sein Gang war ihr eine Erinnerung an bessere Zeiten, ihre Brüste ihm ein Sahnebaiser. Sie traten gemeinsam auf an der Place de la Concorde. Sie feilschten und sie schlugen sich. Sie ondulierten, […]

Fragment

Samstag, den 11. Februar 2017

I Zuerst entdeckte ich meine Einsamkeit in einem Teich. Sie schwamm an der Wasseroberfläche und kräuselte sich in einem Lächeln. Dünne Falten bewegten sich hin und her. Sie wirkte freundlich und erschreckte mich nicht. Doch als ich einen kleinen Stein auf sie warf, wurden die Wasserfalten tiefer, schwankten heftig, und ein neuer Ernst drang in […]

Eine Amsel

Donnerstag, den 9. Februar 2017

schaut mich im Herbst- laub unverwandt an. Wer wählt da auf eigene Kralle den schweren Stand, zeigt allem Ein- und Ausgeflogenen die kalte Schulter? Bald wer- den die Nebel nach dir greifen, Krähen deine raue Gesellschaft sein, ja Menschenherzen ent- scheiden ob du hier, in den weißen Stürmen, bleibst. Nach Singen wird dir kaum noch […]

Plötzlich

Samstag, den 4. Februar 2017

ist es wieder 4. Januar, Zeit für ein Gedicht – am Bosporus werden Bomben gezündet – warum? In Bagdad sprengt sich ein Mann selbst in die Luft… Für den Weg nach Bagdad brauchte man einmal zwei Wochen, mit dem Flugzeug geht es schneller. Raketen bringen Satelliten ins All, wessen All? Das All einiger, Manche haben […]