Archiv der Kategorie ‘Trauersymmetrie‘

Lied

Donnerstag, den 10. August 2017

Im Betrieb der Welt eilen die Jahre vorbei lasten auf uns. Der Vollmond kehrt wieder nach einem Monat. Eine Frühlingsblume verdorrt zwischen Morgen und Abend. Egal wie schön du bist, du kannst die Falten nicht vermeiden und auch deine Haare werden weiß wenn das Alter dich klapprig macht: schnell rufen sie deine letzte Nacht und […]

Auf der Halde (5)

Dienstag, den 25. Juli 2017

Kein Fazit, keine Theorie der Ritualbeobachtung, höchstens ein kleines Gluonengewitter zum Ausklang der Sommermeisterschaft. Im Winter hatten diese Häuser noch Stiefel an, jeder Schaft ein abgehackter Mensch, damit die einhellig erzählte Geschichte auch auf ihr Brennholz kommt, wenigstens das Feuer nicht ausgehen lässt, Licht in der Dunkelheit, trübes Scheinen. Worauf es ankam war die Wärme […]

Schutt (4)

Freitag, den 14. Juli 2017

Überall im Schutt vor dem Poco standen Steinmännchen. Manche waren schon fertig. Andere wurden noch gebaut. Wieder andere waren schon wieder eingestürzt. Willi fragte sich, ob diese Steinmännerversammlung zufällig war. Natürlich, jeder der Troglodyten, zu denen auch Willy gehörte, hatte sein Steinmännchen allein gebaut. Und jeder glaubte, allein, weil er es wollte. Aber diese ganze […]

Kaunas 2017

Montag, den 10. Juli 2017

Hinterm Schwan : der seinen Hals reckt In den Himmel : begegnen sich Nemunas und Neris : zerstäuben im Licht Vereint im spitzen Kies : festgekettet Schaukelt die Boje : eine Ente läßt sich Treiben : die Jungen im Stromschatten Landen im Gegenüber : wir tollen Friedlich über die Wiesen : welch Duft Welche Weite […]

Frau Kleist,

Mittwoch, den 5. Juli 2017

das finde ich ja ganz “toll” (im Sinne von verrückt), dass Sie MEINEN Text ausplaudern. Haben Sie nichts besseres zu tun als zu tratschen und zu trashen? Aber, nun zum Eigentlichen, wo, um des goldenen Gottes Willen, wo ist das Gedicht von eisenhans? Schließt Euch an, reiht Euch ein und singt im Chor: “eisenhans, WE […]

Das Handmaschinchen

Freitag, den 30. Juni 2017

Leider können wir in diesem Fall kein weibliches Ich bemühen. Das Maschinelle war von je her den Männern zu geordnet – jedenfalls ist mir keine andere Tradition bekannt, oder sie wurde noch nicht geschrieben. Das männliche Subjekt jedoch zieht es traditionell vor, aus dem Natürlich-Schwergängigen etwas Künstlich-Leichtfließendes, es werde Licht, werden zu lassen. Und hierzu […]

Mittlerer Algorithmus

Mittwoch, den 28. Juni 2017

Aber er war Stolz darauf, Beamter im mittleren Dienst zu sein, hier an der Bücherausgabe einen großen deutschen Bibliothek, das war immerhin besser, als Designer von virtuellen Landschaften, auch wenn er sich manchmal fragte, ob er nicht selbst schon lange ein Algorithmus in einer virtuellen Landschaft war, überhaupt hatte er kürzlich in einem vielbeachteten Fachbeitrag […]

Mittlerer Dienst

Mittwoch, den 28. Juni 2017

Nach etlichen Jahren an der Bücherausgabe einer großen deutschen Bibliothek studierte er erstmalig seine Gehaltsabrechnung etwas genauer. Und las dort die Berufsbezeichnung: “Beamter im mittleren Dienst”.

P. Ostkost (Flucht und Widerkehr XIII)

Samstag, den 24. Juni 2017

Wenn ein sehr fröhlicher Mensch einmal nur lacht zier’n sein Gesicht Schatten der Nacht. Und wenn Frieden im Blick eines Freundes dir sagt da ist nichts mehr, worüber er klagt, dann ist  Leben uns nah und so fern, ist Liebe hegen die Gabe des Herrn, und ein altes Lied klingt dabei sacht wie ein Traum, […]

Das Trivial der Gräfin Ottilie

Montag, den 24. April 2017

Ihr Geist war klar wie Weizenkorn. Sie konnte daher auch so Zeugs schreiben, und das tat sie mit Verve und Hingabe. Da sie alt zu werden drohte, hatte sie ein gutes Bestattungsinstitut aus der Zeitung rausgesucht und die Anzeige mit der Nagelschere ausgeschnitten. Wie schön wäre es, wenn sie, so wie die Courts-Mahler, noch einen […]

Wohin träumen

Freitag, den 14. April 2017

Wieder drücken sich die Tage eng an meine Haut, tritt ein Teil aus mir heraus und geht in sie über, und ich weiß nicht, wie ich mich halten soll inmitten dieser Zeit, in der die Schritte blind übereinander fallen und ich in keine Himmelsrichtung träumen kann.

gesang eins

Donnerstag, den 23. März 2017

auf einmal wurde die landschaft hügelig buckelwale duckten ihre rücken im gras alle halme bewegten sich im gleichklang die musik musste von fern kommen hinter dem gebirge wechselte der himmel seine farben Sirin sang von der küstenebene drang kriegsgeschrei die wale verharrten im abendlicht dass ihre körper aussahen wie gebrannter ton selbst der himmel erinnerte […]

bogaz

Sonntag, den 26. Februar 2017

wir standen am ufer des bosporus und blickten hinüber in das gespiegelte land dort aßen sie honig und tranken galle leoparden säumten das ufer autos hupten und Sirin winkte einem albatros nach der schatten seines flügels streifte ihr gesicht das wasser sang und in den wellen verhallten schüsse aus einem fernen gebirge

“Wann endlich wird die Arbeiterbewegung die Lehren aus ihrer Geschichte ziehen?”

Freitag, den 24. Februar 2017

Mein Combray heißt Chemnitz, Karl-Marx-Stadt, Bob-Dylan-Stadt, Stadt der künstlerischen Moderne, Stadt der ästhetischen Avantgarde. Mein C-Dur war der Uki-Goshi. Karl Chemnitz 1992. Meine Großeltern wohnten in der Parkstraße.

Vom toten Kind

Mittwoch, den 22. Februar 2017

Tote Kinder hat man nicht nur lieb. Verletzt, verkrümmt durch’s Fehlen Trübt sich das Bild und darf’s nicht sein. Ist Lücke mit offenen Rändern, Schlund und Geschwür, Ein Wiedergänger; darf’s nicht sein. Klagemauer, steinern stumm, So blindlinks einfach fort- Gegangen – darf’s nicht sein. Tortur beständig beim Erinnern, Lächelnd wie ein Messer – Schmerzhaft-schädlich – […]