Archiv der Kategorie ‘Wortmysterien‘

Auf der Halde

Dienstag, den 17. Oktober 2017

1. wie wär’s mit Ästhetischer Theorie / wie wär’s mit arbeit ohne freizeit / Herz ohne hose, Haut / Haut euch, mit 2. vater, das waren deine taten. / mutter, das sind deine adern / & junge-junge, ach mädel … keine grenze, nirgendwo 3. Und wie es fließt … Zu Hilfe! Von außen docken sie […]

Dieser Kamin

Samstag, den 14. Oktober 2017

Sein Vermieter hat, um bei dem Wohnungs- leerstand in Leipzig neue Mieter anzulocken, in die größeren Wohnungen des Hauses kleine, moderne Kamine einbauen lassen. Ein hübsches Detail, das seine Frau wohl von Anfang an für diese Wohnung besonders eingenommen hat. Jetzt wird ihm dieser Kamin endlich sehr nützlich sein.

Lichterscheinungen über der Salzwüste

Montag, den 25. September 2017

Pferde und Menschen in den Tiefen der Geschichte, Tiere allein mit ihren Gedanken und ein Gefühl als ob die Dinge ihr Universum einfach abgestreift und es einmal gewendet hätten wie einen alten Mantel. Seine Unterseite war gefüttert, ein Sternenmuster prangt nun über unseren Köpfen und scheint sagen zu wollen: Ihr seid nun außen vor. Was […]

Über die Schizophrenie des Schreibens (Flucht und Wiederkehr XVI)

Donnerstag, den 21. September 2017

Sie singt, er sucht, sie schleicht, er schreckt, sie schwebt, sie sieht: Er fängt sie auf – sie sinkt. Schreiben kann vieles sein, wie beispielsweise das Bewundern von Schönheit einer noch ungeborenen, nur geahnten Syntax; Formgebung, Schöpfungsakt, Tempelbau aus Silben. Bei anderen, profaneren Anlässen verführt das Schreiben zu einem trügerischen Gefühl der Kurzweile, spielt mit  […]

Fürst Jesus, der Idiot. Plädoyer

Mittwoch, den 23. August 2017

Wir alle leben in einer Maschine. Betreiben eine Maschine. Schreiben, klicken. Wir alle sind eine Schreibmaschine. So seit 10 Jahren real. Ob das Literatur sei? Na ja, in der Literatur ist alles erlaubt. Wenn es gut ist. Vom Mord bis zum Ehebruch, Beleidigung, Selbsterhöhung und Fall, selbst Himmelfahrt und Gang durch die Hölle. Auch umgekehrt: […]

Fuga atque reversio (Flucht und Wiederkehr XV)

Samstag, den 19. August 2017

Dessen bedacht, was nur zu ahnen, nicht jedoch zu wissen uns die Jugend gewährt, jagte ich, unerschrocken, ja geblendet wie viele, dem Ruhme nach. Nicht Lukrez, nicht Catull webten, leise Verse flüsternd, ein Sprache hegendes Netz; die Zeit, daselbst sie regend Anteil nimmt an irdischen Belangen, sie träumte mir vor – ich verfing mich darin. […]

Blaue Kleckse, vom Zufall der Rotation irgendwo aufgeprallt

Donnerstag, den 3. August 2017

Kinderzimmer zur Verfügung – cum tempore. Gedenkenfern, Mozart unter Kerzenschein, singt. Aufgestaut hinter meiner Eisschranktür einen leiernden Reim.

“Von daher ist Ästhetische Theorie tatsächlich Gebetsmühlendynamik.” (chlebnikov)

Mittwoch, den 26. Juli 2017

Gebetsmühlendynamik, seltsames Wort, aus Gebet und Mühle und Dynamik, natürlich ist das deutsche Wort “Mühle” bloß eine Übersetzung, hier wird ja gerade nichts gemahlen, keine Körner in Pulver verwandelt, hier ist es ein Mantra, eine heilige Silbe, ein heiliges Wort oder ein heiliger Vers, der außen auf einem Rad, eine Rolle oder Walze geschrieben steht, […]

Auf der Halde (5)

Dienstag, den 25. Juli 2017

Kein Fazit, keine Theorie der Ritualbeobachtung, höchstens ein kleines Gluonengewitter zum Ausklang der Sommermeisterschaft. Im Winter hatten diese Häuser noch Stiefel an, jeder Schaft ein abgehackter Mensch, damit die einhellig erzählte Geschichte auch auf ihr Brennholz kommt, wenigstens das Feuer nicht ausgehen lässt, Licht in der Dunkelheit, trübes Scheinen. Worauf es ankam war die Wärme […]

Aufnahme am 23. Juli 2017 um 19:54

Sonntag, den 23. Juli 2017

Wir wissen nicht was in diesem Gedicht steht es wechselt die Worte wenn es uns sieht inszeniert sich für uns was es wirklich ist wissen wir nicht.

Hörst du das Stumme

Dienstag, den 11. Juli 2017

Durch die Mitte meines Schweigens zieht sich eine weiße Mine. Nur selten spitze ich sie am Verstand. Mit jeder Regung schreibt sie Spuren. Ob du sie liest, wenn unsre Worte nicht mehr halten und lautlos in den Sprachfluss fallen –

Schutt (3)

Dienstag, den 11. Juli 2017

Willi stand im Schutt. Unter einer Peitschenlampe. Die Ratten hatten sich um ihn versammelt. Ihnen hielt er folgende Rede: In früheren Zeiten waren wir grausam zu euch. Haben euch gejagt, erschlagen und mit vergifteten Ködern getötet. Wir hatten unsere Gründe. Ihr trugt den Schwarzen Tod in euch. Ihr habt unsere Vorräte gestohlen. Ihr zahltet keine […]

Schutt

Sonntag, den 9. Juli 2017

Der kreative Schutt, die Gladiolen, das Gras.  (frau kleist, am 6. Juli 2017 um 19:19) Gestern wühlte der Willi im Schutt vor dem Poco. Wühlte darin herum. Dachte, er fände etwas. Eine Kinderwagenradspeiche. Ein Medaillenband. Ein Schalmeienmundstück. Ammoniten. Etwas in der Art. Da hielt er eine alte Photographie in der Hand. Fast verblichen. Irgendetwas konnte […]

P. Ostkost (Flucht und Widerkehr XIII)

Samstag, den 24. Juni 2017

Wenn ein sehr fröhlicher Mensch einmal nur lacht zier’n sein Gesicht Schatten der Nacht. Und wenn Frieden im Blick eines Freundes dir sagt da ist nichts mehr, worüber er klagt, dann ist  Leben uns nah und so fern, ist Liebe hegen die Gabe des Herrn, und ein altes Lied klingt dabei sacht wie ein Traum, […]

wir nähern uns norden

Sonntag, den 21. Mai 2017

für Rebecca Zinke liegt dein gesicht zwischen zwei monden zerfließt schnee waren die konturen deiner augen einmal licht einmal nacht ein anderes mal trafen wir uns auf altem kristallin langsam fangen die falten an meine geschichte zu erzählen granatglimmerschiefer faltengebirge aus knotenschiefern baute ich das dach eines hauses im mittagslicht schimmert cordierit cordieritblau beugt sich […]