Archiv der Kategorie ‘Gemütstiefe‘

Youth of Today (Flucht und Wiederkehr XXVII)

Samstag, den 27. Oktober 2018

Schweine suhlen sich im Schlammbad, sie grunzen laut, rempeln und beißen, werden mit Abfällen gemästet und schließlich geschlachtet. Der Schweinebraten auf meinem Brötchen schmeckt heute ungewöhlich saftig, was wohl eher der Butter, denn der Qualität des Fleisches zuzuschreiben ist. In der U-Bahn, die aus der Innenstadt kommend Richtung Langenhorn fährt, sitzen zwei Jungen, denen dieser […]

Ziegenbock

Sonntag, den 7. Oktober 2018

Warum, in aller Welt, ich so selten über die Konzepte, die ich entwickelte, sprach - und mich danach nicht bei denen, die sie umsetzten, bedankte, weiß ich nicht. Sprechen fiel mir im Allgemeinen eher schwer. Ich musste also lernen, mich anders bemerkbar zu machen. Ich riss früh morgens das Fenster meines Zimmers auf, das im ersten […]

Dr. Zsäsegs Mind Machine (Flucht und Wiederkehr XXV)

Mittwoch, den 5. September 2018

Versuchen Sie einen Text zu imaginieren, in der eine Protagonistin handelt, ohne auf einen Mann angewiesen zu sein. Eine Geschichte, die von vorne bis hinten auf jeglichen Anflug reaktionärer Zynik verzichtet, in der keine von Herkunft, Aussehen und Bildung ausgehenden Vorurteile kolportiert werden, keine Reduktion auf Geschlecht, Weltanschauung oder Geschmack vorgenommen wird – eine Geschichte […]

gesang elf

Donnerstag, den 2. August 2018

ich wollte dich nach dem weg fragen doch du warst verschwunden auch der weg war nicht da so ließ ich mir vom rebhuhn sagen wie die nächste weinernte ausfallen würde ich versuchte mich in einen tisch einzufühlen eine stehlampe einen kanarienvogel oder ein efeublatt ganz egal was hauptsache in irgendwas eines abends wäre es mir […]

Opfer der Eizellen

Montag, den 2. Juli 2018

1. Wer ist schon freiwillig gern Frau? Und ich habe ein biologisches Geschlecht. Das ist das derzeit noch unabänderliche Schicksal menschlich-physischer Existenz. Ich will nicht sagen, dass ich es verabscheue, hat es mir doch in so manchen Stunden meines Lebens viel Vergnügen und Ersprießlichkeiten bereitet. Morgen könnte ich als Junge erscheinen, und Sie würde es […]

Anasthasia (Flucht und Wiederkehr XXIV)

Dienstag, den 5. Juni 2018

Tief in dich tauchend, gedenkst du wirklich zu sein? Unter all diesen sozialen Perücken, emotionalen Häuten, logischen Knochen, moralischen Organen: Was ist der Kern aller idealistischen, progressiven Gedanken, aller tiefenpsychologisch genährten, abgeklärt austherapierten und nie kopierten Sehnsüchte? Welcher Bewußtseinsschleier verhüllt deine gehetzte, versetzte, verletzte, mit Narbgewebe umnetzte Seele – selbst vor dir? Lebenswunder, schenke  Sommerlicht […]

Solidaritätskippa oder die Reise zum toten Mehr (Flucht und Wiederkehr XXII)

Mittwoch, den 25. April 2018

Dieses eine, seltene Gefühl, das einen beispielsweise überkommt, wenn im Frühling der Himmel grau, windig und regnerisch, aber die Blätter der Straßenbäume jung und grün sind, wenn beschmierte Klinker-Häuserwände sich mit kleinen, bunten Altbauladengeschäften abwechseln – die eine Hälfte des Gesichtes traurig sein und die andere lächeln will. Kurz vor Beginn der ersten Intifada steht […]

A Day In The Life (Flucht und Wiederkehr XXI)

Donnerstag, den 22. März 2018

“Elle est de Livron-sur-Drôme”, flüsterte ein Geist. “Liesville-sur-Douve!” ein anderer, “Les Sables-d’Olonne!” der Dritte. Oh, das kenne ich, da war ich schon, erinnerte  sich der Zeitreisende mit großen Augen und ein Sommer streichelte seine Neuronen. Die Sonne schien hell, ein Wesen – mir zutiefst ähnlich und doch fremd, eines lebendigen Spiegelbildes gleich – saß in […]

Jana dreht’s

Donnerstag, den 22. März 2018

Der Brummbär aus dem Radio Liebt das Liebesleben Niemand stiehlt ihm seine Show Kommt er : dann sei ergeben Er ist im Radio ein großer Mann Im Leben nur ein Kleiner Er sieht dich und er macht dich an Du denkst : was für ein Feiner Spricht schöne Worte Die dich heiß umgarnen Sein Schnäuzchen […]

seebestattung

Freitag, den 2. Februar 2018

die fische haben ein eigenes totenreich nur dort können sie unter sich sein sie betreten es über spaltöffnungen an der unterseite des meeres gesunkene schiffe und ertrunkene seeleute haben keinen zutritt in ihrem totenreich atmen die fische feuerluft die ihnen ein kolibri zufächelt in ihren ewigkeitsgedanken trinken die fische die weisheit der welt

Da fliegen die Motten jetzt hin

Samstag, den 16. Dezember 2017

Was aber bringt die Motten, nachdem sie hingeflogen sind, wieder zurück? Eine große Frage, die hochkant im Raum steht – ganz wie der Kran vor Ihrem Fenster. Sicher sind Sie schon eine Weile unruhig in Ihrem Schlafzimmer hin- und hergepantert (im Gegensatz zu Max Goldt prokrastinieren Sie aber nicht), schon die dritte Nacht lässt Sie […]

tang

Sonntag, den 3. Dezember 2017

dann schicke ich dir das meer vorbei damit du es auch siehst es fühlt sich an wie watte oder ein schmerz den ich aus der zeit reche deine blicke fahren die furchen einer muschelschale entlang grün leuchten die fische aus der tiefe

Unauffällige, ganz und gar unscheinbare Frage, so nebenbei

Freitag, den 24. November 2017

Hallo Leute, für ein unglaublich großartiges literarisches Projekt sammle ich noch Material. Ich habe dazu eine Frage: Was ist eigentlich Eure größte Angst? Bitte zahlreich in den Kommentaren posten. Das bleibt unter uns. Vertraut mir. Danke.

#Me2 (Flucht und Wiederkehr XIX)

Freitag, den 17. November 2017

I have been failing all of you, no ambiguity of what about and who. Boo! Me too. ‘Cause I was stoked I poked, to quickly stick the dick, to calm the palm too tall, I fapped and grabbed you all – eh, uh, me too! Yes, everlasting shame: it’s finally fair game and in the […]

Fasten in der Vorweihnachtszeit

Samstag, den 4. November 2017

Mc Geiz war die Avantgarde der Saison. Zwischen Bügelstärke, Kochwäsche, Scheibengardinchen, Plastikrosen, Chefhasser-Kaffeetassen, Persipan mit extra viel Süßstoff, Barbiepuppen und Frauenarzt Dr. Mühsal entdeckte ich eine Paperbackausgabe mit der Photographie echter, malvefarbener Tulpen auf einem grünem Umschlag. Der darin enthaltene Text, so verhieß die Titelaufschrift, war das Meisterwerk der literarischen Décadence, Joris Karl Huysmans Roman […]