Archiv der Kategorie ‘Gemütstiefe‘

Auf den Grund

Samstag, den 18. Mai 2019

Heute tritt sie nicht vor die Tür. Sie geht ihren Gedanken auf den Grund, streift dort umher und setzt sich auf den lehmigen Boden. Dort hängen Weidenäste tief herab, und im Laub raschelt es von Zeit zu Zeit. Nachdem sie eine Stunde so dasaß, steht sie auf und sucht das Wasser. Einige Steine wirft sie […]

Absage

Sonntag, den 5. Mai 2019

Wesentlich angenehmer Die Sterne, Als ein Todesurteil Unterschrieben von mir. Wesentlich angenehmer Blumen zu lauschen, Ein Flüstern: Er! – Neigen das Köpfchen, Wenn ich durch den Garten gehe, Als dunkles Eisen Von Wachenden, die Den töten Der mich töten will Und das ist der Grund, warum ich niemals Nein, niemals Staatsführer werde

credo

Freitag, den 29. März 2019

ich war ein toter und werde wieder ein toter sein dazwischen schreibe ich gedichte und liebe

Vom Tod erwachen

Mittwoch, den 20. März 2019

Gemütlich : warm : eingerollt Auf dem Boden : vom Stuhl gestürzt Nach zwei Tagen Fieber : Fasten Ein Süppchen gab mir Den Rest : den Schuß : Ernüchterung Als ich aufblicke : eine Traube Menschen : um mich geschart Eben noch sah ich sie an ihren Tischen Sitzen und löffeln : fröhlich : nun […]

Re: Reflexionen aus dem beschädigten Leben (Flucht und Wiederkehr XXIX)

Mittwoch, den 20. Februar 2019

Archie tänzelt, hält das Spielzeuggewehr erst vor die Brust, dann über die Schulter, als schieße er eine Bazooka ab, schließlich hält er es sich vor das Geschlecht, “Phew, phew, phew”, seine Stimme klingt hoch, es wirkt absurd. Um ihn herum lacht die Menge, wirft Münzen. Archie, dessen Sonnenbrille schief über seinem fehldenden Auge sitzt, simuliert […]

Annonce nicht

Freitag, den 8. Februar 2019

Anschauung sucht Keine Form, endo Plasmatisches Nicht Retikulum, Rati Bor unterm Stein Edita deditora, pa Dam, Damm, ä/e

Ein Samen

Montag, den 31. Dezember 2018

wir waren atomdichter

Sonntag, den 16. Dezember 2018

wir waren atomdichter und sprachen mit den basalten unsere eltern zogen über die gletscher unseren kindern gaben wir namen wie sonnenschein zukunft oder hoffnung auf ein besseres leben warten wir noch auf den schneefeldern hinter dem fjord landeten drohnen geophysikalische messungen der schwere und des magnetfelds von spalteneruptionen einer paläoerde trieben fremde forscher ins land […]

Salomenia (Flucht und Wiederkehr XXVIII)

Samstag, den 17. November 2018

Das junge Mädchen wandelte, des ewig brennenden Himmels reich, Welten, verschwebte inmitten halb rauwinkliger, halb erträumter Städte, passierte gelb und blau mit einer Lilaterne, schwamm hungersüß als Morgengrau, hetzte geifernd um die Schluchten. Rückwärtig schwärmwankte die Prozession im Gleichschritt, schrillte verzerrt umspulte Liturgien, eine obsidiannadelnde Klangwolke, die Tiefenwahn umschlang, versank vor fahlem Springgiftlicht. Um keine […]

Youth of Today (Flucht und Wiederkehr XXVII)

Samstag, den 27. Oktober 2018

Schweine suhlen sich im Schlammbad, sie grunzen laut, rempeln und beißen, werden mit Abfällen gemästet und schließlich geschlachtet. Der Schweinebraten auf meinem Brötchen schmeckt heute ungewöhlich saftig, was wohl eher der Butter, denn der Qualität des Fleisches zuzuschreiben ist. In der U-Bahn, die aus der Innenstadt kommend Richtung Langenhorn fährt, sitzen zwei Jungen, denen dieser […]

Ziegenbock

Sonntag, den 7. Oktober 2018

Sprechen fiel mir im Allgemeinen eher schwer. Ich musste lernen, mich anders bemerkbar zu machen. Ich riss früh morgens die Fenster meines Zimmers auf, das im ersten Stock lag, der erste Stock war der gepflegteste im gesamten Haus, es schimmelte nicht in den Ecken, es gammelte nicht im Bad, man konnte sich die Zähne reinigen, […]

Dr. Zsäsegs Mind Machine (Flucht und Wiederkehr XXV)

Mittwoch, den 5. September 2018

Versuchen Sie einen Text zu imaginieren, in der eine Protagonistin handelt, ohne auf einen Mann angewiesen zu sein. Eine Geschichte, die von vorne bis hinten auf jeglichen Anflug reaktionärer Zynik verzichtet, in der keine von Herkunft, Aussehen und Bildung ausgehenden Vorurteile kolportiert werden, keine Reduktion auf Geschlecht, Weltanschauung oder Geschmack vorgenommen wird – eine Geschichte […]

gesang elf

Donnerstag, den 2. August 2018

ich wollte dich nach dem weg fragen doch du warst verschwunden auch der weg war nicht da so ließ ich mir vom rebhuhn sagen wie die nächste weinernte ausfallen würde ich versuchte mich in einen tisch einzufühlen eine stehlampe einen kanarienvogel oder ein efeublatt ganz egal was hauptsache in irgendwas eines abends wäre es mir […]

Anasthasia (Flucht und Wiederkehr XXIV)

Dienstag, den 5. Juni 2018

Tief in dich tauchend, gedenkst du wirklich zu sein? Unter all diesen sozialen Perücken, emotionalen Häuten, logischen Knochen, moralischen Organen: Was ist der Kern aller idealistischen, progressiven Gedanken, aller tiefenpsychologisch genährten, abgeklärt austherapierten und nie kopierten Sehnsüchte? Welcher Bewußtseinsschleier verhüllt deine gehetzte, versetzte, verletzte, mit Narbgewebe umnetzte Seele – selbst vor dir? Lebenswunder, schenke  Sommerlicht […]

Solidaritätskippa oder die Reise zum toten Mehr (Flucht und Wiederkehr XXII)

Mittwoch, den 25. April 2018

Dieses eine, seltene Gefühl, das einen beispielsweise überkommt, wenn im Frühling der Himmel grau, windig und regnerisch, aber die Blätter der Straßenbäume jung und grün sind, wenn beschmierte Klinker-Häuserwände sich mit kleinen, bunten Altbauladengeschäften abwechseln – die eine Hälfte des Gesichtes traurig sein und die andere lächeln will. Kurz vor Beginn der ersten Intifada steht […]