Monatsarchiv für Mai 2008

Unverhofft [3]

Samstag, den 31. Mai 2008

Wir trafen uns auf dem Bahnsteig. Du hättest mich nicht erkannt. Als Teil hektischer Menschenströme eilten wir aufeinander zu, und als du unwillkürlich den gesenkten Blick hobst und unsere Augen sich begegneten, nickte ich dir als Teil eines ausladenden Lächelns zu. Du bliebst stehen. An die kurzen, bedeutungslosen Worte dieser Begegnung vermag ich mich nicht […]

OHNE MICH!

Montag, den 26. Mai 2008

Ich fange nie an zu schreiben, bevor ich nicht eine Kanne Kaffee getrunken habe. Wenn ich genug Kaffee getrunken habe, tanzen meine Worte auf dem Bildschirm und die Bilder kommen mir zugeflogen. Ich setze mich an den Küchentisch und fahre meinen Laptop hoch. Das Schnurren und Klicken, das mein Laptop veranstaltet, mischt sich mit meinem […]

JOHN FANTE IS WAITING!

Sonntag, den 25. Mai 2008

Ich setzte mich an die Schreibmaschine. Jetzt würde ich einen Satz schreiben, einen einzigen, perfekten Satz. Wenn ich einen guten Satz schreiben konnte, würden mir auch zwei gelingen, und wenn ich zwei schreiben konnte, waren auch drei möglich, und wenn ich erstmal soweit war, gab es überhaupt keine Grenzen mehr. – John Fante Bandini. Arturo […]

Wo bist du? (***[2]**)

Dienstag, den 20. Mai 2008

Ich hatte dich seit drei Wochen nicht mehr gesehen. Die Frage, ob das vektorielle Zucken der Sonne am Himmel Ausdruck einer kosmischen Körperstruktur ist oder aber so erruptiv vonstatten geht wie die Geburt eines Weltuntergangs, hatte mich nicht wieder losgelassen. In der Erinnerung an deine Stimme kamen meine Gedanken immer neu auf die sonderbare Gestalt […]

En passant

Montag, den 19. Mai 2008

Es waren Nervenerschütterungen, die Frau von Morast bereits beim Gang in den Frühstücksraum zu schaffen machten. Roulettekugeln rollten für diejenigen, die sich vor dem Leben und seinen Sonderformen ekelten. Walzerklänge lullten auch die zähesten Paralytiker ein. Ihr Kopf, so schien es Frau von Morast, musste mit Vichywasser gefüllt sein. Der Baron würde sich abermals über das Schweigen […]

Meldung

Freitag, den 16. Mai 2008

Dieses Schiffchen, loswerfend vom japanischen Kai, ist plötzlich wie aus Versehen geraten ins Nirvana – keines Rätsels Lösung an Bord, nur kühles Bier.

schlafstatt für schlaffe tiere

Sonntag, den 11. Mai 2008

hochwald +++ schutz vor schwarzschnee : windgeröll +++ schlafstatt für schlaffe tiere : tags +++ nachts : tanzplatz für hungerzähne +++ büchsenrevier für dämmerungsblinde jäger +++ wer kennt die moral des hochwalds +++ tosebach :  streifsau : fluggemse +++ ich habe mich durch ihn durchgeschlagen : bin durch +++ ihn durchgerutscht : die nadeln +++ stecken noch […]

LoL

Donnerstag, den 8. Mai 2008

“To be geistvoll, you have to keep in line” Blond und Schwarz. Karree, wie Schachbrettkeks und Marmor-Kuchen. Im Domino-Effekt, Café-au-lait nimmt sie, auf Linie, Die Haare ihrer Männer. Eine Männerliebe. Geht zum Quadrat. Ein Tafel-Epos, stellt sie, in Licht-Maschinerie, sie, und 2, die einander mögen.

das es +++ vergiß

Mittwoch, den 7. Mai 2008

Wir ziehen uns zurück : du & ich +++ sie & er : vergiß das es +++ vergiß das wir : wir ziehen uns zurück +++ in keuchende schluchten : auf schluchzende höhn +++ immer ist bei uns der fauchende bruder +++ immer ist bei uns das maulende luder +++ sie hört nicht : was […]

Das Recht des Schönen

Sonntag, den 4. Mai 2008

Der Streit um den Erhalt des Welterbetitels des Dresdner Elbtals zeigt, dass das Schöne eines Ortes, und mag er auch noch so einmalig, einmalig schön sein, in Recht und öffentlichem Diskurs keine Rolle spielt. Ein Ort hat keine Stimme, er ist auf uns angewiesen, nur wir können seine Schönheit gegen Zerstörungen verteidigen, die letztlich fast […]

Am Abhang hinterm Stadion (Bildungsroman: [1])

Freitag, den 2. Mai 2008

“…dem Bewußtsein ist der Gegenstand aus dem Verhältnisse zu einem anderen in sich zurückgegangen und hiermit an sich Begriff geworden; aber das Bewußtsein ist noch nicht für sich selbst der Begriff, und deswegen erkennt es in jedem reflektierten Gegenstande nicht sich.” Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Phänomenologie des Geistes, Frankfurt/M. 1986, S. 108 Wir saßen auf […]

Windrad

Freitag, den 2. Mai 2008

Im Rapsfeld der Turm schmirgelt den Wind pausenlos.

Nachtrag zum Mond: ein Mann mit Fellmütze

Freitag, den 2. Mai 2008

Auf der juckenden Haut des Himmels Sind die Sterne als Nadelspitzen in den Blick eines schweigenden Auges gestellt: Sag mir, wie nur kann so dauerhaft stehn Hoch über unsern schwankenden Köpfen, Was als lauernder Kreislauf tief im Innern Den Leib in der Abwesenheit bei sich erhält?