30. September 2008
In der Kirche ohne Dach
geclangk und gerúff.
Da! Ein Spatz im Fenster.
In der Kirche ohne Dach
geclangk und gerúff.
Da! Ein Spatz im Fenster.
O rus!
Horaz
O Dorf!
Sie liebte wirklich Richardson:
Nicht im Ergebnis von Lektüre,
Nicht weil sie schließlich Grandison
Statt Lovelace huldvoll winken würde;
Weil ihre Moskauer Cousine,
Die schöne Großfürstin Aline,
Ihr oft genug davon erzählt.
Sie hatte damals sich erwählt
Zum Küssen einen Bräutigam,
Den sie nicht liebte; jede Nacht
Hat einen andern sie bedacht
Mit ihren Spielen, wenn er kam:
Ihr Grandison - ein stolzer Reiter,
Selbst Spieler […]
/…/
Tfuh, alle Sinne zerstreut über die dampfende Erde, murmelt das Bächlein ihm seine Amouren zu; er nimmt’s gelassen & freut sich über das klare Plätschern, dieses Geheimnis soll lange so plätschern im Blut! Plätschern durch himmlische Nieren - nun begossen wie der Pudel Europa, den die atlantische Missis an der Leine zum Frühstücksfest führt, Frühlingsnapf […]
Am Anfang alles ganz harmlos. Küsse, Worte, Speichelfäden. Allmählich Wolken, schneller & schneller. Der Himmel wird sich bald zuziehen, wie eine Schlinge sich über vielen Köpfen zusammenzieht. Leben, überleben & drunter durchtauchen. Nur keinen Fehler machen - der schlimmste von allen.
Ein Gedicht ist was übrig bleibt, wenn alle Messen gesungen, alle Tage gezählt, die Kinder […]
“Oh, what a lovely pageboy!” Frau von Morast war entzückt. Der Baron lehnte am Piano und lächelte säuerlich. Er hatte dafür gesorgt, dass seine Gattin ein wenig Abwechslung erhielt und sie dankte es ihm sogleich, indem sie ihn düpierte. Der Junge, den er ihr mitgebracht hatte, ein Engländer, 22 Lenze jung und ausgestattet mit einer […]
gib mir das. gib mir das
aus deinem Mund. Worte
wie heruntergefallene Brösel
Krümel. Samen. deren Herkunft
keiner mehr kennt. die ich
in meinem Gehör versenke
Innerkopfleitung ins Geheim
die ich zusammenstecke. kreuze
züchte. scharfe Mutationen
an denen ich kaue. wiederkäu
die ich verdaue. die nachts
in schwarzem Tutu
über mein Kissen gehn
Nicht die Balance verlieren - vor allem das - plié - tendu - relevé - Tanz mit der Zeit - Verbeugung - und immer wieder die Grundposition einnehmen - beiseite mit Spagat und Arabèsque - zu weit der Kopf vom Fuß entfernt - dann lieber rond de jambe par terre - die Beine auf dem […]
Dichten : dictare +++ der dichter ist : ein diktator +++ er gebietet über seine hand : die sklavin +++ & den stift : seinen kuli +++ dann hörts auf : sklavisch ist er +++ ergeben dem hirn & dem traum : nur von ihnen +++ läßt er sich was diktieren : der dichter
Er lebte eilig und fühlte hastig.
Fürst Wjasemski
“Mein Onkel, als man ihn gesalbt,
Rief zu sich seinen einzigen Neffen,
Zwang sich zur Achtung seiner selbst
Und konnte es nicht besser treffen.
Sein Tod gilt andern als gelungen;
Aber mein Gott! für diesen Jungen -
Welch eine Ödnis, Tag & Nacht
Hat er am Sterbebett verbracht.
Niemand entgeht dann solcher Tücke:
Man muntert sieches Leben auf,
Hilft […]
Der Großschriftsteller
Frau Edelsüß führte wirklich ein abwechslungsreiches Leben. Der fehlende Zwang, sich einer Erwerbstätigkeit zuzuwenden, verleitete sie zu einer professionellen Sprunghaftigkeit, die in früheren Zeiten Universalgelehrtheit genannt wurde. Jetzt erblickte man in einer solchen Vielseitigkeit das sichere Anzeichen für Dilletantismus. Frau Edelsüß – sich ihrer vornehmen Herkunft bewußt – zeigte sich gegen derartige niedere Seitenhiebe […]