Geschrieben von crysantheme, am 29. November 2008 um 18:16
Motel
Louise saß neben mir auf dem Plüschsofa, das ich von einem Second-hand-Möbelunternehmen vor kurzem frisch hatte beziehen lassen. Die Farbe verlobte sich mit David Bowies Song The Motel. Ich weinte hemmungslos. Louise tätschelte meine Arme, meinen Rücken, versuchte es mit einer Massage von Freundin zu Freundin. Ich wischte mir die Tusche aus den Augen, die Louise […]
Geschrieben von Zhenja, am 29. November 2008 um 02:50
Da standen wir also an dieser Straßenecke, sie blickte mich an, wie ein Kind die Geschenke ansieht, die unterm Tannenbaum liegen, ich ergriff ihre Hand und zog sie sanft in eine Seitenstraße hinein, die von grünen Bäumen bestanden war, und sie ließ es geschehen, ohne zu fragen, wohin ich sie denn führen würde. Wir landeten […]
Geschrieben von Zhenja, am 27. November 2008 um 00:12
Wir hatten uns an einem gesichtslosen Ort getroffen, vielleicht einer Straßenecke, die als Kreuzung zweier Linien auf einem Stadtplan die potentielle Vereinigung zweier Namen im Assoziationsraum eines lebenden Wesens bildet, um fortan eine lose Gestalt, vielleicht eine Mauer, vielleicht ein Haus oder - so etwas gab es damals noch in jener Stadt, die den Ort […]
Geschrieben von Maria Clara, am 24. November 2008 um 22:41
Es ist dunkel draußen. Anrufer erzählen mir von Schnee, viel Schnee. Manche hören sich glücklich an, manche nicht. Hier bei uns blieb nix liegen. Da wo ich mal hergekommen bin, irgendwie südlicher und ein bisschen weiter noch im Osten, da ist alles weiß. Hier bei uns sind die Häuser und Straßen zu warm. Es blieb […]
Geschrieben von Zhenja, am 24. November 2008 um 08:18
Es war die Zeit am Ende des Jahres. In der Küche stand ein Geruch, dessen Plätzchenfährte das Gedächtnis unfehlbar in jene Richtung geleitete, wo die Geheimnisse der Kindheit in einem Schrank verwahrt liegen, aus dem es in wechselnden Schüben duftet und duftet, mal nach Zimt oder Rosmarin, mal nach Safran und Lavendel. Es war wohlig warm […]
Geschrieben von Zhenja, am 22. November 2008 um 01:07
Der Minister saß in seinem Arbeitszimmer und spürte noch den Krampf, der vor fünf Minuten seinen Bauch heimgesucht hatte und nun seinen Körper mitsamt der Gliedmaßen in eine elastische Starre versetzte, als sei das harte Parkett unter seinen Füßen eine Tierhaut, über den Hohlraum dieser Welt gespannt, um den stummen unendlichen Weiten des Raums, den […]
Geschrieben von Viktor, am 20. November 2008 um 02:10
für Alfred Margul-Sperber
In diesem Beitrag komme ich nicht auf die Dichtung - die Texte und ihre Verfasser - zu sprechen, sondern wende mich den Umständen, den Kontextbedingungen zu, die die dichterische Produktion in den neuen Ländern bestimmen. Diese Dichtung leidet - hier sei an ein Wort von Martin Buber erinnert - an ihrer Tragik, die […]
Geschrieben von Zhenja, am 15. November 2008 um 15:19
Und überall siehst du das Bild
Der glücklichen Begegnung vor dir;
Ein Bild, das dich am Ziele zeigt:
Dem sich dein ganzes Suchen neigt.
A.S. Puschkin, Eugen Onegin (Kap. 3, 15. Abschn.)
Die Vorstellung von der Einheit zweier Gruppenstrukturen war eine Sehnsucht nach Verschmelzung: So wie die Bewegung der Fingerkuppen entlang eines lyrisch gestimmten Saitenraums nebeneinander in der Luft hängender […]
Geschrieben von Viktor, am 15. November 2008 um 12:25
Heidi Elkenreich empfiehlt:
Geschrieben von Zhenja, am 12. November 2008 um 10:23
Warum zitterte ich eigentlich? Du warst doch daheim angekommen, übermüdet, geschockt, deine Freundin hatte dich durch Raum und Zeit gelotst wie ein erfahrener Steuermann, und dein Opa würde dir als grelle Erinnerung erhalten bleiben bis ans Ende deines Lebens.
Ich zitterte. Deine Erzählung, in der dieser Bahnhof vor meinen Augen lag wie eine ausgebreitete Landkarte der […]