Archiv


sagenhaft

die vielen kartoffeln sie purzeln wie die worte über den rand der lippen
die förderbänder stehn nicht still
zu boden zu boden große haufen
türmen sich vor dir und mir und anderen
an jedem ort aufhören
wo ist das mädchen mit dem
e i n e n wort hilfe das ist ja die
reine gehbehinderung wartet auf mich
wie sie es nur machen
sagenhaft […]

Wellen & Bäche

Ich lasse die Hügel hinter mir : vor mir
liegst du mit deinen Wellen & Bächen : im Regen
des Worts verstummst du : ächzend
ein Berg : auf dem der Wein reift
laß uns trinken : du schüttelst
die Schafherde ab : alle Felle
fallen zu Boden : wir stürzen
die Falle schnappt zu : gefangen
sind wir frei : wir haben
nur […]

160°C

3. April, 13.30
Der Tag beginnt gut. Ich gehe in die Küche und heize den Backofen auf 250°C vor. Da meine Füße heute nicht ganz so klamm sind, lassen sich die Hausschuhe leicht abstreifen. Ich bin zufrieden. Ich öffne die Ofenklappe und lege einen Hausschuh hinein. Die Hitze verteilt sich gleichmäßig, das Thermostat zeigt bereits 160°C […]

das licht und der wind

von bienen zusammengetragen
einmal durch den schlauch geschickt
angezündet
raum geworden
erinnerung
in nur zwei dimensionen

Advent

Er kommt, mit Garantie und all dem Gerassel wie jedes Jahr. Die Schneeflocken bleiben aus. Aber er kommt. Unerbittlich reißt er die Schubladen auf. Vom ersten bis zum letzten Tag. 24 mal öffnen. Was für eine grandiose Idee. Jeden Tag ö f f n e n. Die Fenster und Türen, Augen, Nase, Mund und […]

Narzissen

ein garten voll narzissen berauscht vom süßen duft die alabasterne reicht trüffel im morgengrau mit tau benetzt ersaufen wir

lavish verschwenderisch law Gesetz

2
“Pageboy ist krank! Schon seit Vormittag liegt er zu Bett.“ Herr von Morast zeigte sich unerschüttert. „Gib ihm ein hochdosiertes Aspirin. Er soll heute Abend auftreten. Notfalls mit einem Schal.“ Ach, der hätte in diesem Fall nicht viel genutzt. Pageboy war schwerkrank, todkrank. Leibarzt Motten würde es diagnostizieren. Vorerst lag der Junge niedergestreckt im Himmelbett […]

Grauzonen

Grauzonen
Ich bin
ein rastloser Nomade,
verliebt in die Abgründe
zwischen den Grauzonen des Herzens.
Ich bin ein Wanderer
auf den Irrpfaden fremder Hoffnung
und zwischen den Splittern
gebrochenen Rückgrats.
Dort, -
wo keine Wahrheiten mehr gedeihen,
nur diese wunderschönen Laster,
die ein Leben tief aus dem Innern sprießen,
befingere ich meinen Seelenspiegel,
taste nach seinen Rändern
mit blutigen Kuppen.
Ich will alles erfahren über den Schatten
hinter dem Glas
und in meiner […]

Schweinegeometrie [4, 2, 1]

Am Anfang war der Kot, jene Eigentümlichkeit der körperlichen Verfassung eines revierbildenden Gattungswesens, die dieses in die Lage versetzte, aus der Gesamtwahrnehmung eines Hier und Jetzt die ungemein gefährdenden Momente herauszulösen, den Umstand nämlich, dass in jenem Teil der Welt bereits ein Lebewesen, dessen körperliche Ausstattung der eigenen um keine Klaue und keinen Zahn nachstand, […]

paranoia, pink

Der Wühltrog läuft über, ich tauche meine Finger ein. Nasowas. Bücher. Schwarze Molche hinter Glas, Guppys im Aquarium. Die Meerschweinchen huschen von einer Sägemehlecke in die andere. Gegenüber erhebt sich ein Tütenberg. Tulpenzwiebeln. Magenta. Grünkittel tragen Töpfe. Von links nach rechts und gradeaus. Blattpflanzen. Ich halte mich an den bunten Blättern fest. Blättere und blättere […]