Monatsarchiv für Januar 2010

Robinson Crusoe (3)

Freitag, den 29. Januar 2010

Schifffahrt nach Plan und Regeln Wir reden hier nicht über Geld, Alle segeln in die gleiche Ferne. Jeder lebt in seiner Welt, Manche Dinge tu ich gerne, gerne: Im Ausguck hab ich den weitesten Blick. Der Kapitän ist ein Meister des Schweigens. Vor seinem Blick gibt es kein zurück. Nachts mach ich mir seine Instrumente […]

Biologie

Mittwoch, den 27. Januar 2010

Seine Beine sahen aus wie die einer Giraffe, so unbeholfen lang und dünn, wenn er tanzte. Die Anzüge, die sie ihm geschneidert hatten, waren für ihn zu weit, an Armen und Beinen zu kurz. Weiße Socken trug er dazu und schwarze Schuhe. Und ständig musste er aufpassen, dass er sein Haar nicht derangierte. Seine Gesten […]

Verstummte & vermummte

Sonntag, den 24. Januar 2010

Kurze trennungen beleben die liebe Lange trennungen lähmen sie Dachte ich bis heute : liebe leute Liebe läutend : hielt ich das telefon ans ohr & hörte deine vor : würfe : kaum Hatte ich den hörer empor : gehoben Da raschelte es : klagte es : ich Verstummte & vermummte mich Bin das ich […]

Alte Sünden (Reprise)

Sonntag, den 24. Januar 2010

für Matthias – Quantentränen in Kadmiumträumen ohne Erinnern woran und wozu. Beschleunigung auf annähernd Sinnlosigkeit. Mit der Lichtgeschwindigkeit einer welken Tomate allein im großen Garten, wo die Wüstennacht endet. Neue Messungen. Black Box im Geschenkartikelformat. Unter Lampenschirmen erhellt, im Oberlicht schwimmend. Wenn die Temperaturen aus den Dünsten der Meßfühler steigen, ganz als sei alles Maß […]

Robinson Crusoe (2)

Samstag, den 23. Januar 2010

Abschied: Aufbruch in die Welt Die Wolken fallen mir auf den Kopf. Die Wände kommen auf mich zu. In meinem Schlaf öffnen sich Türen, Ich weiß nicht wohin. Lebt wohl, liebe Eltern! Dieses Schiff ist mein. Irgendwann komme ich wieder, Wegen mir müsst ihr nicht traurig sein.

Ossip Mandelstam, 20.01.1937

Dienstag, den 19. Januar 2010

Wie irgendwo die Erde ein Stein vom Himmel weckt Fiel filigran ein Vers, kennt seinen Vater nicht: Das Unerbittliche – Fundstück für den Dichter – Kann nicht anders sein, niemand weist ihn zurecht.

Robinson Crusoe (1)

Montag, den 18. Januar 2010

Die Eltern erziehen das Kind Geboren aus der Rippe seiner Mutter Erforschte er den Rand des Lächelns; Verwickelt in die Stimmlagen des Vaters Machte sich von allem er ein Bild: Wozu sind diese Dinge da? Wie heißt der fremde Fleck dort drüben? Warum sind manche Menschen böse? Wie sieht es aus am Ende der Welt?

Wieder : in pluderhosen

Samstag, den 16. Januar 2010

Katzenduft in wurzen Rausschmiß in riesa Verspätung in waldheim Kurzer aufenthalt in leipzsch Schon ist die reise vorbei Wir sehen uns wieder : in pluderhosen Wir riechen uns wieder : vorm abtritt Wir hören uns wieder : in der telefonleitung des chefs Dein talent ist respektlosigkeit Mein talent ist provokation & du bist beleidigt (was […]

Ossip Mandelstam, 09.01.1937

Samstag, den 9. Januar 2010

So lächle doch, zorniges Lamm, von Raffaels Leinwand! Die Lippen des Universums darauf sprechen schon ihren Einwand… Im leichten Hauch der Hirtenflöte löse das Leid der Perlen auf – Festgefressen in seiner Hülle hat sich das ozeanische Blau. Farbe geraubter Seele in lichtloser Höhle zerrüttet, Falten stürmischer Ruhe über den Knien verschüttet. Auf dem Felsen […]

Die Wiese

Samstag, den 9. Januar 2010

Ein Schritt, und der Fuß versinkt im Boden, der Wind stellt das Wehen ein und die Sonne steht hinter eigenem Licht. Noch ein Schritt, etwas knistert, eine Böe löst einen trockenen Halm. Ein Blick nach rechts: Dunst. Ein Schritt zurück, ein schräger Stein, ein Schattenfleck, eine Quelle.

Robinson Crusoe. Metapoem

Dienstag, den 5. Januar 2010

1. Die Eltern erziehen das Kind. 2. Abschied: Aufbruch in die Welt. 3. Schifffahrt nach Plan und Regeln. 4. Die Elemente: Blitz, Donner, Welle, Sand. 5. Allein im Paradies. 6. Die Sprache der Tiere, die Zeichen im Wald. 7. Beziehungen: Nähe, Ferne. 8. Das unbekannte Ich. 9. Tanz. 10. Rhythmus einer Stimme aus dem Körper. […]

Wind, Farbe, Feld

Montag, den 4. Januar 2010

Wie durch blutige zweige dringst du ins helle. Gennadij Ajgi, aus: Ruhe Im geäderten Dunst eines Blicks auf die Dinge der Körper und Menschen (menschenklein oder riesig so klein) dass schon niemand mit Augen darinnen ein Nest sich kann bauen ruhet still eine Lichtung ein fast leerer Fleck im Blicken so offen ganz oder klar […]