Geschrieben von chlebnikov, am 29. Januar 2010 um 23:20
Schifffahrt nach Plan und Regeln
Wir reden hier nicht über Geld,
Alle segeln in die gleiche Ferne.
Jeder lebt in seiner Welt,
Manche Dinge tu ich gerne, gerne:
Im Ausguck hab ich den weitesten Blick.
Der Kapitän ist ein Meister des Schweigens.
Vor seinem Blick gibt es kein zurück.
Nachts mach ich mir seine Instrumente zu eigen.
Geschrieben von crysantheme, am 27. Januar 2010 um 23:35
Seine Beine sahen aus wie die einer Giraffe, so unbeholfen lang und dünn, wenn er tanzte. Die Anzüge, die sie ihm geschneidert hatten, waren für ihn zu weit, an Armen und Beinen zu kurz. Weiße Socken trug er dazu und schwarze Schuhe. Und ständig musste er aufpassen, dass er sein Haar nicht derangierte. Seine Gesten […]
Geschrieben von Nurio Quevadis, am 24. Januar 2010 um 22:34
Kurze trennungen beleben die liebe
Lange trennungen lähmen sie
Dachte ich bis heute : liebe leute
Liebe läutend : hielt ich das telefon ans ohr
& hörte deine vor : würfe : kaum
Hatte ich den hörer empor : gehoben
Da raschelte es : klagte es : ich
Verstummte & vermummte mich
Bin das ich : meinst du mich
Dieser fiese freche grobian : […]
Geschrieben von Zhenja, am 24. Januar 2010 um 22:33
für Matthias
- Quantentränen in Kadmiumträumen ohne Erinnern woran und wozu. Beschleunigung auf annähernd Sinnlosigkeit. Mit der Lichtgeschwindigkeit einer welken Tomate allein im großen Garten, wo die Wüstennacht endet. Neue Messungen. Black Box im Geschenkartikelformat. Unter Lampenschirmen erhellt, im Oberlicht schwimmend. Wenn die Temperaturen aus den Dünsten der Meßfühler steigen, ganz als sei alles Maß und […]
Geschrieben von chlebnikov, am 23. Januar 2010 um 00:05
Abschied: Aufbruch in die Welt
Die Wolken fallen mir auf den Kopf.
Die Wände kommen auf mich zu.
In meinem Schlaf öffnen sich Türen,
Ich weiß nicht wohin.
Lebt wohl, liebe Eltern!
Dieses Schiff ist mein.
Irgendwann komme ich wieder,
Wegen mir müsst ihr nicht traurig sein.
Geschrieben von Zhenja, am 19. Januar 2010 um 23:23
Wie irgendwo die Erde ein Stein vom Himmel weckt
Fiel filigran ein Vers, kennt seinen Vater nicht:
Das Unerbittliche - Fundstück für den Dichter -
Kann nicht anders sein, niemand weist ihn zurecht.
Geschrieben von crysantheme, am 19. Januar 2010 um 22:38
Unter langen Gardinen verweilt der Mief aus der Kaiserzeit. Verblichene Riegel aus Edelmetall sind in die Fensterrahmen geschraubt worden, vor mehr als zehn Jahrzehnten. Georg geht zum Fenster, schiebt die Vorhänge zur Seite und öffnet es. Er sieht Kinder ihre Schlitten scharfkantig durch den Schnee ziehen. Im Zimmer wird es kalt. Insa ist mit dem Zug aus der Stadt […]
Geschrieben von chlebnikov, am 18. Januar 2010 um 23:00
Die Eltern erziehen das Kind
Geboren aus der Rippe seiner Mutter
Erforschte er den Rand des Lächelns;
Verwickelt in die Stimmlagen des Vaters
Machte sich von allem er ein Bild:
Wozu sind diese Dinge da?
Wie heißt der fremde Fleck dort drüben?
Warum sind manche Menschen böse?
Wie sieht es aus am Ende der Welt?
Geschrieben von Nurio Quevadis, am 16. Januar 2010 um 19:03
Katzenduft in wurzen
Rausschmiß in riesa
Verspätung in waldheim
Kurzer aufenthalt in leipzsch
Schon ist die reise vorbei
Wir sehen uns wieder : in pluderhosen
Wir riechen uns wieder : vorm abtritt
Wir hören uns wieder : in der telefonleitung des chefs
Dein talent ist respektlosigkeit
Mein talent ist provokation
& du bist beleidigt (was unterstelle ich dir)
& ich ticke aus (wie du mich ärgerst)
Wurzen, […]
Geschrieben von Zhenja, am 9. Januar 2010 um 23:20
So lächle doch, zorniges Lamm, von Raffaels Leinwand!
Die Lippen des Universums darauf sprechen schon ihren Einwand…
Im leichten Hauch der Hirtenflöte löse das Leid der Perlen auf -
Festgefressen in seiner Hülle hat sich das ozeanische Blau.
Farbe geraubter Seele in lichtloser Höhle zerrüttet,
Falten stürmischer Ruhe über den Knien verschüttet.
Auf dem Felsen härter als trockenes Brot - die […]