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Ganga

Westlich von Haridwa läßt du die Kälber
aus deinem Euter trinken : du Kuh
aller Flüsse & Flüßchen : die Indiens
Norden durchfließen : der Himalaya
gibt dir die Milch seiner Gletscher : damit du
den Indern als heiliges Tier auf allen Straßen
nachlaufen kannst : ich schwimme & tobe
in dir : ohne vorm Wassergang die Hände
zu falten & sammle Steine […]

Kommt & endet

Es ist noch märz & schon fiel heute
Schnee : der winter kommt & endet
Nicht : wir ziehen ein langes gesicht
Die flocken treiben am fenster vorbei : so wird
Es weitergehen : in wattekoks wird eingehüllt
Alles : was wir sehen & wir
Werden eingelullt von diesem märz
Im schnee : april & maien
so kann es weiter schneien : du […]

Anfang

Das Joch ist ein Geschmeide,
Darin die Steine grell
Wie bunte Fenster funkeln
Und blenden’s Auge schnell.
Das Jochbein ist ein Knochen,
Daran der Fasern viel
Und Schwer im Winde
Zucken - Lächeln zu dem Spiel.
Die Beine sind zwei Bügel
In schwarzen Trichtern
Tief noch schlummern
Alte Knochen, die lange keiner rief:
Der Himmel - eine Feste
In Wasser wo du schliefst

Die Abtei

(Öffnung der Almanache II)
Wir Zöglinge tragen unsere Herzen auf schneeigen Stirnen.
Das Siegel der nackten Füße aus fünfhundert Jahren
ist den Steintreppen eingeschrieben.
Wenn wir durchs Tal gehen, Hand bei Hand
und immer einer hinter dem andern
eilen unsere Silberstimmchen uns züchtig voran.
Alle Abende nehmen wir heimlich den Duft
des Weihrauchs mit in die Betten.
Die Glockentöne legen sich schwer auf die […]

spiel

die wirren der gegenwart, begleitet vom unumstößlichen nebel
der durch die sinne rauscht, eines geschichtlichen kreises zunft,
alles verwischend spalten,
verirrter lichterwege menschlicher gewalt.
so geht man dahin:
hinkt nach, vorauseilender geister der moderne,
beugt sich über, über sich selbst,
mit verklärtem blick, dem wissen nach,
die seele erfahrend, gebeugter haltung willens:
verzerrte lebensbilder produziert.
im sicheren nest:
abgeschirmt,  der wahren dinge welt,
verschütteter menschen tempel.
also lebe […]

irrsal

alle sehen mit an,
wie unsere seele geschunden.
es tragen alle daran,
wie uns die  hände gebunden.
so scheint ein haufen kalter leiber,
aalend der weltenbühne ausgespiehn,
darunter gütige, vorallem weiber,
der menschenwürde boden selbst entziehn.
das kapital - die erdenhure,
trägt vor den längsten totentanz,
es lahmen die herden im schwure,
untergang vom menschenglanz.

sonntagabend

sonntagabend wacht
der fremde
feuer schürend überm waldesrand
alles sagend unverstellten blickes
so wacht
in dämmerstund verhallter stimmen
dunkler heime - hoflichter
so wacht
in tausend räumen
die güte um ihre mythen
so wacht
im schatten hereinbrechender nacht
um sträucher der hänge
vertrockneter erde endloser gipfel
so wacht
der begebenheiten um ihre mythen
so wacht
in herzlicher vernunft
endloser stunden wiegend
leidenschaftlich
ströme atemberaubender nächte
so wacht

Das Schloss

Trübsaltage, von den Decken bröckelt der Stuck.
Auf Rokokopolstern plustern sich Kakadus.
In der Sofaecke nestelt der König an seiner Perücke.
Ein Diener tritt ein: Ihre Post, Majestät.
Der Regulator tickt ununterbrochen.
Das Fräulein spinnt mit nur einem Finger verschämte Etüden.
Ums Spinett flattern Trauermotten.
Ein Feuer wird in den Kamin getragen.
Die Depeschen liegen versiegelt auf dem Sekretär.
Die vergilbten Tapeten riechen nach […]

Ossip Mandelstam, Verse vom unbekannten Soldaten

<1>
Mag diese Luft also Zeuge sein,
Weithin reichendes Herz,
Und in den Hütten, allbekannt, steht der
Ozean ohne Fenster - Schmerz.
Ach, was sind doch die Sterne mitteilsam!
Alles müssen sie schauen - wofür? -
Für das Urteil zur Richter- und Zeugenschaft,
Für den blicklosen Ozean - Schmerz…
Regen, grußloser Sämann, erinnert sich noch
- und sein schmerzloses Manna zeugt -
Wie vielblättrige Kreuze deuteten […]

Weiße Hochzeit von Susanne Ulrike Maria Albrecht

Weiße Hochzeit
Weiße Hochzeit
Die Nachrichten bringen
Den neuesten Stand
Zur Geiselnahme
Gefährlich große Buchstaben
Berichten in der Zeitung
Von einer bevorstehenden
Lebenslangen Haft
He, kleine Schwester
Was hast du getan?
Tag und Nacht
Im Fernseher
Bedrohung pur
Am Rande der Dunkelheit
Abgründe tun sich auf
Beängstigende Gratwanderung
Zwischen
Strafvollzugsanstalt
Und Tod
Unverfälschte Hingabe
Stillschweigen
Tagtägliche Sensation
Zwangsweise auf der Flucht
Die Welt schaut hoch
Zu meinem Fenster