Monatsarchiv für Oktober 2011

H&6 (2)

Montag, den 31. Oktober 2011

„Ich gebe dir fünf Mark mit. Davon kaufst du noch was Süßes. Der nimmt bloß zehn Mark für die Nachhilfe, das ist ja beschämend. Los, denk dran, ich frage dich, wenn du nach Hause kommst.“ Ich sollte mit einem Kasten Pralinen, Toffifee oder Toblerone, zu ihm gehen. Blöd kam ich mir vor. Einem Jungen schenkt […]

Maya

Freitag, den 28. Oktober 2011

Hinter dem Schleier der Dinge steht alles still. Die Körper der Tage tragen nicht mehr. Es sitzt fest, niemand feiert. Selbst die Herrscher haben keinen Fluch mehr auf den Lippen, alle Geschenke werden ohne Kommentar abgewiesen. Nach Jahrtausenden ist es soweit. Nachdem die Zähne der Zahlräder ineinander griffen in stetigen Variationen, bleibt nun alles gleich. […]

Büsten-Halter

Mittwoch, den 26. Oktober 2011

Eine Synthetik Heute Mittag habe ich mit einer guten Freundin telefoniert, die meint, literarisches Bloggen helfe ihr, auszuspannen. Sich verbal zu vergreifen. Einmal in aller Heimlichkeit zu tiradisieren, sich wort-gewendet in die Hose zu greifen. Ja, haben wir denn noch alle Bekleidung am Leibe? Oder purzeln uns mittlerweile schon Worte von der Seele, warm & […]

Donnerstag, den 20. Oktober 2011

an der ampel ein rauchiges, fauchendes blubbern, kurz kräuselt sich der schall, dann schluckt er alles kehlig, tief, großvolumig: als eruption. die bauchstimme des motors raugesoffen vom sprit, wundgeritten von der zeit. kugelaugen leuchten wie laternenfische um die dunklen ecken, dann schüttelt sich der kleinbus, schwankt in seinen viel zu grossen schuhen davon, zurück bleibt […]

Mittwoch, den 19. Oktober 2011

die trockenheit hat dem gras eine feder gelassen in deiner hand macht sie eine imaginäre reise schreibt ein allzu leichtes traktat über das fliegen

Globalblaue Dunstschwade

Sonntag, den 16. Oktober 2011

Aber es gibt die Ambivalenten, diejenigen, bei denen sich der Gegenstand der Sprache unterzuordnen hat. Sie sind ein Seismograph, der in der Lage ist, Edelmetall aufzuspüren. Sie sind Trüffelschweine. In Visionen oder analytischen Betrachtungen. Sie urteilen nicht, sie verschränken. Vor Jahren haben sie das Jammern, Grübeln und Nachdenken, das Analysieren ihrer Zustände, die vielfarbig und […]

H&6 (bei Horten)

Sonntag, den 16. Oktober 2011

Draußen vor der Halle. Es rieselt Flocken auf mich herab. Im ersten Stock bei Horten gibts Herrenmode für Jedermann. Mädchen, ich möchte Frau sein, endlich einmal. Ich stehe draußen, vor der Halle. Ein Penner lächelt zu mir herauf, greift nach meinem Schuh. Ich ziehe ihn weg. Eine unwirsche Geste. „Ey, Mädel, sei doch nich so […]

Der graue Wind

Donnerstag, den 13. Oktober 2011

hatte zu mir gesprochen in der häuslichen Einsamkeit meiner Gedanken. Grau war der Wind wie ein Fell und mir wohl bekannt. Er hatte gesagt, dass mir morgen, um fünf Uhr dreißig, ein Schnabel wachsen würde aus meinem schönen Gesicht. „Nein“, sagte ich. „Ich brauche keinen Schnabel, und ich werde dir keinen Glauben schenken“. Punkt fünf […]

Kopfnoten

Sonntag, den 9. Oktober 2011

Mein Lieblingssatz zum Wochenende aus “Markt-Werk von Michael Jürgs” (DER TAGESSPIEGEL 9.10.2011): “Mit Büchern  (…) kann man Kopfnoten erteilen, indem man sie auf Hohlköpfe schlägt und dann auf den Klang achtet.”

Arno 4

Sonntag, den 9. Oktober 2011

wen hast du gesehen : die Etrusker buckelten dir Floße voll Gerste & Stahl auf den Rücken : die Römer plätteten deine Ufer mit den Füßen der Legionäre : die Langobarden zogen das Wasser aus dir auf ihre Mühlen & Felder : die Medici wurden von dir verbannt : um dich nach ihrer Rückkehr in […]

Kapar in der Kiste II / Grauzone / Kanalratten

Samstag, den 8. Oktober 2011

Winken Sie nicht ab, auch ich schwimme eher dem wirklichen Ufer entgegen. Doch wer sagt uns, dass dies real existiert. So erlebe ich mein Leben als Leben einer älteren Matrix meiner Selbst, dass Selbst beobachtend und den Zeitpunkt abwartend, von eben dieser älteren Marix auf die jüngere Matrix aufzuspringen. Dies ist der Zeitpunkt, auf Grauzonen zurückzukommen, die in […]

Rattenfrühstück

Freitag, den 7. Oktober 2011

Es begann mit einem leichten Schmerz in der rechten Kopfhälfte, dort wo die Linie von Auge und Ohr sich treffen. Es klopft an, dachte sie und erhob sich lustlos aus dem Bett. Ihr schwarzer Schlafanzug betonte ihre fahle Gesichtshaut. Ungünstig. Im Bad schaute sie lange in ihre Augen, sah, wie der Kranz um die glänzende, schwarze Kugel […]

Arno 3

Freitag, den 7. Oktober 2011

träges Gewässer : grün schimmernd als würdest du schimmeln : die Bauherren trauen dir keine Größe zu : einmauern ließen sie dich : laß es dir nicht gefallen : steig über die Ufer flute die Altstadt & belebe das Geschäft der Restauratoren

Furch(t)-en

Mittwoch, den 5. Oktober 2011

Wir befinden uns im Krieg: Es tobt die Schlacht zwischen Gut und Böse, zwischen Menschen mit glatten Schwänzen und Menschen mit straffen Mösen. Angezettelt wird sie von weniger Guten mit Schwänzen und weniger Guten mit Mösen. Sie hetzen sich aufeinander wie der Prolet den Rottweiler auf einen Rehpinscher. Oder umgedreht. Denn hier wird nicht gesagt, wer […]

Arno 2

Mittwoch, den 5. Oktober 2011

den Fischen wachsen Bärte im angereicherten subtropischen Biotop : die Städte hinterlassen das ihrige in dir : Arno : du sammelst den Uringeruch der Gassen & das Rumoren der Alleen wohin du fließt : ist nicht zu erkennen : du kreist der Wind täuscht die entgegengesetzte Richtung vor