Monatsarchiv für Mai 2014

Tischgespräche

Freitag, den 30. Mai 2014

Man braucht nur mal einen Tisch mit vier Beinen zu kneten – und schon hat man den Prototyp eines Hundes.

Kanalratte

Freitag, den 30. Mai 2014

Als die hellgeflutete, brunchige Morgenkühle ihren Rausch ausgefressen, der Wind nur die hohen Blätter noch wirbelnd bespielt und die Sonne schließlich breit ‘halb sechs’ gesummt hatte, miauten, verlaufen in Hinterhöfen, jugendstilbegattete Gassen und auf schmalen Wiesen am Wasser ertollten, dicht an dich gedrängt, Decken stoisch Juni , schüttelten schließlich, halb  sieben, bassgelenk, lichte Tage launig […]

Waldläufer

Mittwoch, den 28. Mai 2014

“Ist Sommer hier, herrscht den Sehern nach tief im Süden ein kalter Schattenwald”, sprach Rudolf. Er hob seinen Kopf, weg vom Feuer, hin zum Mond. Von der anderen Seite der Erde verdeckt, entsprangen der Sonne kräftige Strahlen darauf zu. “Woher weisst du das? Bist du denn so ein Seher?”, fragte Ludwig. Seine erfrischende Neugier brachte […]

Mission: Genital

Montag, den 26. Mai 2014

Schief lächelnd öffnet die ältliche Sekretärin ihrer Freundin in einem schwarzen, bis zum Hals zugeknöpften Kleid die Tür. “Herta, verdiente Kampfgenossin und Schwester in Bitterkeit, gegrüßt sei dein distinguierter Hass auf alles Gönnerhafte! Was sagst du, gehen wir heute wieder Tauben vergiften im Park?” Ihr Gegenüber, einige Jahre jünger, doch mit einem ins Ungewisse flackernden […]

undulation

Sonntag, den 25. Mai 2014

1 großes herzecho an der wand hängen gemälde von bruegel du spielst violine 2 wir falten blumen zu gedichten und verfüttern sie an die ungläubigen hautflügler 3 adonisfalter wollen wir sein auf einem röntgenbild mit lungenflügeln 4 du atmest groben sand mit den flugzeugen ziehen stare übers gebirge

Also sprach Brecht (allein)

Donnerstag, den 22. Mai 2014

Ich liebe die Ergebenheit des Sichtens: erleichtertes Schreiten zum Kommunismus, geduldige, stille Einkehr in das Gute des Menschen – an sich, für den Nächsten. Ich hasse aber, wenn ein Zweifel daran ausgelöscht wird mit Arbeit und Schweigen und Tod. Wenn die große Säuberung anjährt, ziehen sich meine Brauen berührt zusammen – dass nurmehr Gewissheit im […]

Riemann trifft Charles Wright bei Nirvana, Deleuze hört zu

Dienstag, den 20. Mai 2014

SPRICH In welchem Jahr- hundert bist du Begraben? Ohne jeden Überschuss, Asche zu Asche? Welche Worte Murmelt dein Atem – ist es noch immer Schrei? Einheit Lungenvolumen, Maximale Oberfläche * * * – Lass uns endlich die Freie Cyber Republik ausrufen, es ist Zeit! – Aber wo soll der Präsidenten Rechner stehen? – Hm, das […]

Zittern : drei Uhr

Mittwoch, den 14. Mai 2014

Um Mitternacht : Vollmond Wir sehen ihn nicht : wir sehn im Film einen Verrückten : der An „Stürme“ glaubt : wie wir An das „Guten Morgen“ : wir schalten Ab & an : wie’s uns gefällt : unterm hölzernen Dachboden : beinahe familiär diese Runde Einander fremder Menschen : die sich hier Zum Filmegucken […]

Zeichen und Los

Dienstag, den 13. Mai 2014

Abends im Kessel Blasen zerplatzen zu käsigen Reden junges Fleisch gart mager auf Spießen Verheißend blüht Heimat hier nach wo stinkend auf Haufen geschichtet in lausigen Kellern Gammler blond Gnade erwinseln   Sekundärquellen: Goscinny/Uderzo: “Asterix bei den Schweizern“, 1970 Kurt Reuber: Madonna von Stalingrad,1942 Freddie Quinn: “Wir“, 1966

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Montag, den 12. Mai 2014

die bäume blühen nicht mehr unter der rinde quellen die worte hervor und erstarren irgendwann treffen sich reiner kunze und günter ullmann

Samstag, den 10. Mai 2014

Manchmal reicht ein Mensch in der Welt alles so häßlich alles entstellt. Und ich frag mich soll das wirklich so sein? Manchmal kommt ein Mensch in die Welt alles nur Liebe alles erhellt. Und ich frag mich kann das immer so sein?

Brühwürfelkristall

Samstag, den 10. Mai 2014

Skelette, Fackeln der Nacht, reiht nieder für ein Kreuz. Nur eines, Jugend, Salz der Erde, sing, wenn wieder umröhrt im Chor furunkelnder Fahnen, vorwärts benommen, Ströme erahnend: roter Durst macht ewiglich taub und weissen Hunger sonah.

Eine abfällige Ordnung

Freitag, den 9. Mai 2014

Mahnt das Land, indem ich lebe, an. Erträumter Gehorsam, robbende Duldung: lange Jahre der Fahrt verglühen beschwaden in geschürten Feuern. Neue, hinstörende Welten ersuchen ordenverhangen, Gezitter darklirrend, zwanghaft um Jacken ohne geschulterte Stricke. Ich spiele, spiele mit Lügen aus Blech, fluche und schreie. Donner will tanzen auf allen von Wahrheit vertrockneten Lippen. Blitze, schnellt! Zerschmachtet […]

Die Wahrscheinlichkeit der Wunder

Donnerstag, den 8. Mai 2014

Manche Dinge ereignen sich häufiger als du und ich: Charles Simic sitzt am Schreibtisch und schreibt kein Gedicht. Kein Ziel unterm Himmel, um von den Sternen zu schweigen. Der Dichter steuert seinen Automaten aus freiem Willen, der Entschluss nicht zu sprechen liegt hart unter der Zunge; die Form ist schon erfunden lange Lange vor der […]

sich : unmerklich

Mittwoch, den 7. Mai 2014

manche Träume fliehen : im Licht des Morgens sind sie fort wer vermag es : ihnen zu folgen : manche Träume verkleinern und verstecken sich : in den Seiten eines Buchs nur der Geist vermag : sie einzufangen : mit ihnen zu spielen : manche Träume vergrößern sich : unmerklich werden sie zu einem Stück […]