Monatsarchiv für September 2014

sekundenschleuder

Freitag, den 26. September 2014

meine welt ist ohne welt auf der weltachse hockt ein hase der ist bauzeichner von beruf und hat eine sekundenschleuder konstruiert zum nochmalbeginnen des lebens aufgebogen zum wiederschmecken der sossen nochmals ein glückhaftes glänzen schräggebüschelter bäume reihenweise funkelnder geschmeide aus knochen ohne ein blondes hallo oder stumpfe gespräche über rharbarber das abkindische trägt einen gestreiften […]

aus der Wiese

Mittwoch, den 24. September 2014

aus der Wiese die Borke schälen, die nach dem Tod der Vogelbäume blieb. in deren Laub saßen Krähen und pickten nach Wolkengesichtern, im Gras saßen wir. in den Ästen saßen die Elstern und zeigten in andere Richtungen, im Gras sprachen wir. aus der Wiese die Borke schälen, die uns vom Vogelbaum blieb – etwas weiter […]

aufrecht gebogen

Montag, den 22. September 2014

ich bin nur noch selten allein : sehe den sonnenuntergang hinterm baumgewölbe : das der wind von westen her kahl geschoren hat : wie sind die äste aufrecht gebogen : wie sterben sie ab mit der zeit : wenn sich blökend das schaf meldet aus der nachbarlichen einsamkeit : ich bin nicht selten ein schaf […]

Kettenreaktion

Montag, den 22. September 2014

Der Tod ist eine biologische Kettenreaktion. Ein natürlicher Vorgang, alle Organe schalten auf Null.  Abbruch oder Vollendung des Experimentes “Mensch”. Protokollant: “Feierabend, meine Herrschaften! Wenden wir uns dem nächsten Versuch zu. Allons-y, die Zeit ist gestundet.” Was also ist so schlimm am Sterben? Es geschieht. Unerträglich sind lediglich die nachfolgenden Umstände.

Nebelzeit

Montag, den 15. September 2014

Auf zwinkernden Wellen liegt warmes Licht Des späten Sommers Lachen hallt über leere Strände Bald kleben zwischen leicht schaukelnden Netzen silbrige Mondschuppen Dein Blick flüstert tief wie die Felsschluchten am Kap dann verwandelt den Puls in Nachtwind und Brandung Unsere Haut zeichnet Ofenfeuer und Wiesentau ab

witwenjahre

Samstag, den 13. September 2014

trübe schleierblicke und kamillentee worte auf schwarz umrandetem papier blättert trost losigkeit und ungestilltes verlangen nach einem zeichen für glück und wie es wieder kommt und platz nimmt mit gesenktem blick

das mädchen

Mittwoch, den 10. September 2014

wohnt im sommer am see : es hat seine wohnung im bauwagen : die fenster vernagelt mit sperrholz kehrt es um mitternacht heim : wenn am see alles still ist außer den springenden karpfen die ins wasser klatschen : wenn die trinker heimgetorkelt sind : schleicht sie im dunkeln zum wagen : öffnet das schloß […]