Monatsarchiv für August 2015

mittelsee

Freitag, den 28. August 2015

schmal in den wald geduckt hinter bernau : mittelsee : schmaler see wäre treffender : hier hat es uns hin verschlagen : den tag durch berlin gegurkt : am schönsten freitag nachmittag : wenn alle ausfahrtstraßen dicht sind : total- sperrung auf der a10 : rückstau bis pankow : wir löffeln suppe und anatolische pfanne […]

Man kennt das ja

Freitag, den 28. August 2015

Wer kennt nicht diese dummen blassen Tage, wenn gar nichts klappen will und nichts passiert, ach, solche Tage sind die reinste Plage. Als ob das Leben stänkert und stagniert. Wie blind läufst du durch alle deine Zimmer, vergisst, was du vergessen hast und suchst, hast keine Ahnung, nicht den kleinsten Schimmer, stehst wie dein eignes […]

Zwischen den Stühlen

Freitag, den 28. August 2015

Nicht nach uns werden Kriege sein, bluten die Städte, brennen die Menschen, verröcheln Ungeborene in den Leibern der Mütter. Nicht nach uns werden die Davongekommenen um Wasser flehen, um Brot, um Obdach, das bisschen, was der Mensch zum Leben braucht. Nicht nach uns werden Dichter die Schmerzen der Liebe, die Schatten der Wälder, die Wildheit […]

streetview

Sonntag, den 23. August 2015

leintücher spannen wir auf zu unserem himmel meine haut wird ruhiger und ruhiger im winter fällt in dieser gegend immer industrieschnee du fragst den bettler an der ecke jordan- kiesstraße nach seinem einmal erlernten beruf auf dem grünstreifen zwischen den richtungsfahrbahnen der stadtautobahn zittergras

tztag,

Mittwoch, den 19. August 2015

mutter hatte läppchen genäht. der backofen darin sind weingläser geborgen, tochter zur puppenstube.   pflaumenholz  

Wie Gedichte entstehen

Dienstag, den 18. August 2015

für Anja Von exzessivem Reimen bis zu Gefühlsausbrüchen ist es nur ein Schritt Wenn sich dann Strophen gebildet haben, hat die Seele endlich keine Satzzeichen mehr nötig – Dialektik einzig in Bildern, eine Art champ-contrechamp da der Körper ein im Raum kreisendes Auge geworden Mit der Bildung des einen Organs entsteht Wahrnehmung Das große Wahrnehmungsorgan […]

Soziofeuilleton II

Mittwoch, den 12. August 2015

Der mystische Postmodernismus ist ein utopistischer Scherz und kulturelle Realität zugleich. Die bewußte Wahrnehmung der, dem Phänomen zugrundeliegenden Prozesse stellt eine immanente, politische Notwendigkeit der heutigen Gesellschaft dar. Soziologische Trends beschreiben seit langem eine fortschreitende, gesamtgesellschaftliche Bewegung hin zu einer sich verstärkenden Auflösung tradierter Rituale und die Abkehr von aus der Zeit gefallenen Dogmen. Eine […]

Zeitraum

Dienstag, den 11. August 2015

Morgenstunde in der sommerlichen Stadt. Auf einmal ist alles ganz still. Der Himmel strahlt hell, sehr hell sogar, doch von der Sonne ist nichts zu sehen. Nur eine dünne, mystisch leuchtende Wolkenschicht kriecht langsam darüber. Ich halte inne, gedenke. Gedenke des Nichts, denn nichts zu wollen oder zu müssen erscheint mir in diesem Moment die […]

Ein Nachruf zum Putztag

Montag, den 10. August 2015

vater war für die sonne und den apfelbaum. andere sagen: sie haben eine gute ehe geführt. nicht in liebe, auch nicht liebevoll. eine gute ehe. mit höhen und tiefen. und gegen ende mit stützstrümpfen. der hausarzt sagt, ihre mutter hat allerlei zipperlein, aber die bringen sie jetzt nicht um. bleibt zu hoffen, dass sie die […]

Bekenntnis

Sonntag, den 2. August 2015

Beschreibe ich die Trauer, krümmt sich das Echo der Wörter in meinem Leib wie ein abgestorbener Fötus.   Ich, Schatten meiner selbst, gefesselt an die Farblosigkeit des Heute, verfang mich in den Netzen der Reglosigkeit.   Alles versinkt. Häuser, Straßen, Städte ein Konglomerat versteinter Tristesse, die Trauer legt sich auf Vögel und Bäume, ernüchtert schleppe […]

Putztag

Sonntag, den 2. August 2015

Manchmal bröckeln die Stunden vom Himmel und brechen Ziegel aus dem Dach der Kindheit. An den Wänden haften Schreie, wenn der Tag wieder in den Eimer fällt. Mutter geht noch immer durch die Zimmer und wischt mit aufgelöstem Tagwerk über die Regale. Ich stehle mich in den Garten und schaukle über ihre Worte hinweg. Am […]