Monatsarchiv für Oktober 2016

ulrike | katharina

Sonntag, den 30. Oktober 2016

ulrike hütet die stimmen von tieren die wie menschen sprechen in der nacht träumen die tiere von raubmenschen die den schlaf bewachen ulrike hütet auch die blicke von pflanzen die menschen beobachten in einem netz aus spinnenfäden verfangen sich die seltsamsten wesen steine eine hand voll erde ganze meteoritenschwärme katharina trägt ihr neues kleid und […]

Traumfänger

Sonntag, den 30. Oktober 2016

Ich bin ein Stück Land in weiter See und die Gedanken Gräser auf den Deichen. Immer wieder reißt das Meer an meinen Hängen, bäumt sich auf und trägt mich ab, wirft mit dem Sand, was in den Fängen ist, auf fremde Klippen. Manchmal türme ich mein Sehnen auf die Hafenmauer, damit ein Fischerboot vor Anker […]

Monolog bei Regenwetter

Samstag, den 29. Oktober 2016

Wie oft hat man mich angezählt, wenn ich nur wüsste, was mir fehlt. Vielleicht vom Schicksal jenes Stück, das man bezeichnet als das Glück, das Maul zu halten, wo es passt. Und doch, ich bleibe ein Phantast, nichts gebe ich auf Selbstbetrug. Die Wahrheit reicht, die ist genug. So mancher, der ganz seltsam denkt und […]

Missgeburt

Mittwoch, den 26. Oktober 2016

Nun schreibt er täglich ein Gedicht, mit dem er nächtlich schwanger ging. Und er gebiert ein Leichtgewicht, beäugt den dürren Abkömmling. Das arme Ding, es rührt ihn sehr. Er weiß um seine Vaterpflicht: Verstoßen tät er’s nimmermehr. Denn immerhin ist’s sein Gedicht.

Bertrand et Martine

Dienstag, den 25. Oktober 2016

Bertrand ist ein hauttyp. Jeden morgen geht er nackt in den kleinen park, drei straßenzüge von seiner wohnung entfernt – die leute nennen ihn den Warschauer Platz, weil sich dort abends polen treffen und von zuhause erzählen – und lässt sich von den krähen die haut blutig picken. Es war nicht leicht, die tiere dazu […]

Selbstredend

Dienstag, den 25. Oktober 2016

Es ist schwer, sich nicht zu verfangen in Worten die nur zum Schein Laut geben, den Placebo-Affekt zu überstehen.   Nichts liegt näher als ihre Bedeutung von der Hand in den Mund oder gar für bare Münze zu nehmen.   So halten wir uns die Auflösungserscheinungen vom Leib, ersparen uns jenem, was unversprochen bleibt, entgegen, […]

All diese Sommer

Dienstag, den 25. Oktober 2016

Wohin sind die Gleißenden Tage der Sommer, Als wir bedenkenlos durch die Grünen Himmel der Wälder liefen. So leicht war’s ums Herz. Göttergleich Warfen wir uns in die Tage, Gesang und Wein Anfang und Ende. Doch kurz die Nächte des Juni, kurz die Sommer. Nun der kahle Herbst, Grau drückt der Himmel auf die Dächer. […]

Chorin (7)

Dienstag, den 25. Oktober 2016

Bauwerk aus Raum und Zeit Grundbestimmungen: Material, Melodie, Gesamteindruck. Elemente: Stein auf Stein, Ton an Ton. Raum & Zeit, gegliedert. Art der Ausführung: zum Vergleich – Gransee im Norden, auch im Süden klobige Genialität. In einem Stück gedacht, ein Art geometrischer Moloch. Nichts dergleichen hier – – das Denken des Schöpfers war gefiederte Schlange, Metapher […]

Mandel : stam

Montag, den 24. Oktober 2016

im Kulturprogramm, Blas phemie mit Kapelle für vier Instrumente. Der Einlasser trägt den Taktstock im Rücken, die Lichter tanzen zu seinem Blues. Die Frau auf der Bühne gähnt nicht, der Fuchspelz nur stellt ihr tanzend nach. Vers chwisterung eines Buchs voller Zeichen mit nichts & niemandem, jetzt – vier Instrumente mit Blasphemie inner Kapelle Kulturprogramm: […]

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Samstag, den 22. Oktober 2016

da geht noch mal ein kurzer ruck durch die zeilen – aber warum so trübe? draußen hängt die sonne als goldene dukate am straffblauen himmel.

Mauern

Freitag, den 21. Oktober 2016

Als ich in deinem Schatten saß, lag noch Schnee auf den Bergen. Von den Grashalmen zitterte der Tau auf deine Hand. Du flochtest Geduldsfäden in dein Haar, und aus deinem Mund sprangen Grillen. Keine streifte mich in jener Vormärzsonne, als ich meine Finger zwischen Halmen verbarg. Unsere Lippen hielten einander nicht Wort. Am Abend schlich […]

oktoberblue

Donnerstag, den 20. Oktober 2016

wie spät ist es der nordwind kennt keine grenzen kalt ist mir innen und außen der herbst liegt auf dem trottoir in den blicken trüben sich die farben eines ganzen jahres frühsommer wäre schön ein bisschen geld fürs vergnügen und ein wochenende am see mit dir wenn du da wärst und mich lieben würdest wie […]

einsilbig

Mittwoch, den 19. Oktober 2016

heute ist nicht der tag für treibjagd trage ich wortfell um den hals einsilbig klingt der wald

Dichtercourage

Mittwoch, den 19. Oktober 2016

Wer nie das Wort gesucht, Das eine, das unersetzbare, das flieht, Das eingefangen werden muss Mit dem Netz der Gedanken, Und nun glaubt, er habe gedichtet, Legt Hand an das Wort. Der kennt nicht verzweifelte Nächte, Der geht seinen Weg. Aber wohin? Das Wort lichtecht machen, In der Beleuchtung des Zweifels, Des eigenen und dem […]

Offenes Wort

Montag, den 17. Oktober 2016

Die Sprache finden deine Sprache, ein Kampf mit dir selbst, kein Waldspaziergang bei schönem Wetter, Gegenwinde wehen dich um, es hagelt, wenn du es nicht vermutest. Kein Wohlfühlreich das Land der Verse, Arkadien liegt in Trümmern; um zu leben, isst der der Mensch, das Messer an der Kehle und sonst nichts, wir existieren im Wirklichen. […]