Monatsarchiv für Dezember 2016

Das Testament der Gräfin Ulrike – Kapitel 5

Samstag, den 31. Dezember 2016

Das Zimmer ging auf den Park hinaus. Die Zweige einer riesigen Buche reichten bis an das Fenster heran. Joshua Wegner hatte beide Flügel weit geöffnet und blickte in die Weite des Parks. Rechter Hand lag ein Wirtschaftsgebäude, das einer Scheune glich, mit einer riesigen Toreinfahrt. Vor ihm lag eine Wiese, die anscheinend lange nicht gemäht […]

Unnatürliche Balz

Donnerstag, den 29. Dezember 2016

Er sah Wege. Das Haus von Onkel Albert und Tante Viola, sein Elternhaus. Wenn das Licht im Raum hell ist, wirkt der Abend vor dem Fenster dunkler als er ist. Es hilft, das Licht zu löschen und die Augen für eine Weile der Färbung des Himmels auszusetzen. Das Wetter schlägt um, der Ton eines zuletzt […]

Trotz alledem!

Montag, den 26. Dezember 2016

Das war die Zeit der Tollität, trotz Lenin, Marx und alledem! Nun aber, da es rückwärts geht, nun ist es kalt, trotz alledem! Trotz alledem und alledem – trotz Modrow, Krenz und alledem – ein wüster, rauer Wendewind durchfröstelt uns trotz alledem! Wer standhaft blieb und Leninist, ließ es geschehn trotz alledem! Nun war er […]

Das Testament der Gräfin Ulrike – Kapitel 4

Montag, den 26. Dezember 2016

Der junge Mann, den Baronin von Lichterfeld zur Gräfin Ulrike geschickt hatte, klopfte schüchtern an das Schlossportal. Er war groß gewachsen und breitschultrig, hatte ein kluges Gesicht unter dichtem vollem Blondhaar. Als niemand öffnete, betätigte er noch einmal den Türklopfer, diesmal aber energischer. Er vernahm ein Schlurfen hinter der Tür, sie wurde einen Spaltbreit geöffnet. […]

Texte gibt es

Samstag, den 24. Dezember 2016

die sind wie Fliegenpapier; du musst keine vierundzwanzig Stunden warten – – schon kleben die ersten Kommentare dran. Und was für welche! Nachts träumst du dann von Musil, wie er auf gefühlten fünfzig Seiten den Unterschied zwischen Nachtigall und Amsel erklärt, und mit der einsetzenden Dämmerung beginnst du dir vorzustellen, er und Proust säßen einmal […]

Das Testament der Gräfin Ulrike – Kapitel 3

Mittwoch, den 21. Dezember 2016

Kapitel 3 Schloss Rheinstein lag nahe einer mittelgroßen Stadt im Bergischen, malerisch eingebettet in die leicht hüglige Gegend. Es war ein vielhundertjähriger, ehemals strahlendweißer Bau, ein Wasserschloss. Das Wasser im Graben war mit den Zeiten schwarz geworden und bedeckt mit Entengrütze. Der Sommer war warm dieses Jahr, und Insekten und Schmetterlinge tanzten über dem Wasser. […]

Das Testament der Gräfin Ulrike – Kapitel 2

Montag, den 19. Dezember 2016

Das Testament der Gräfin Ulrike, Kapitel 2 „Mein lieber Herr Knippel!“ Gräfin Ulrike von Rheinstein, eine gutaussehende, gepflegte Frau höheren Standes, saß in ihrem Stammsessel, einem altmodischen Ungetüm von erstaunlichen Ausmaßen. Sie hob lächelnd den Finger. „Ich versichere Ihnen, lieber Knippel, dass ich mein Wort wahrmache. Der Kunstverein der Stadt liegt mir am Herzen, ich […]

Sonntag, den 18. Dezember 2016

Das Testament der Gräfin Ulrike Kapitel 1 „Dauernd lädt sich die Gräfin Gäste ein. Und ich muss sehen, wie ich die Arbeit schaffe!“ Marietta, die Köchin auf Schloss Rheinstein, schimpfte. „Aber das Essen muss pünktlich um eins auf dem Tisch stehen! Eine Pedantin, unsere liebe Frau Gräfin!“ Jochen, der in der Küche am Tisch saß, […]

Spaß muss sein

Sonntag, den 18. Dezember 2016

Die nette, gute, stets besorgte Dame Kleist, die höchstwahrscheinlich Müller oder Lehmann heißt, ist sehr erbost, wenn wer ihr dumpfes Nest bescheißt, ihr fehlt nicht nur, was man geläufig nennt den Geist. Statt Denkerstirn hat sie am Kopfe bloß Frisur, nichtsdestotrotz ist sie von staatlicher Statur, die schleppt sie hoffnungsfroh mit Eifer und Bravour, das […]

Um hier unreifes Panschen in der Literatur als Antwort zu erhalten?

Samstag, den 17. Dezember 2016

Wir waren zu einer Weihnachtsfeier eingeladen. Der Gastgeber saß, schon betrunken vom gepanschten Wein, am Tisch und redete nicht mit uns. Das Essen stand bereit, jeder hatte etwas Leckeres zum Verkosten mitgebracht: als Vorspeise eine Rote-Linsen-Suppe nebst Kokos und Rote Beete, dazu herzhaftes Getreide mit Gemüseeinlage. Grüner Salat stand bereits geschnitten und zum Verzehr bereit. […]

Das Schnippchen

Freitag, den 16. Dezember 2016

Die Mittagssonne schien in die Küche. Inga trat ans Fenster und sah auf den menschenleeren Hof hinaus. Auf dem Herd brodelte das Mittagessen, es gab Mohrrübeneintopf. Gern hätte Inga etwas Opulenteres gekocht. Aber die Mutter brachte es fertig, keinen Bissen herunterzuschlucken, falls ihr das Essen nicht gefiel, egal, wie gut es zubereitet war. Und gestern […]

Neue Regeln bei “Inskriptionen”

Donnerstag, den 15. Dezember 2016

Kommentiert wird, was nicht gefällt. Sonst wären wir ja mainstream.

Statt dass sie, wenn sie sie für veröffentlichungsreif halten, als eigenständige Beiträge posten

Donnerstag, den 15. Dezember 2016

Gott macht feste Ackerfurche. Du warst auch so. Ein Garten- und Naturfreund. Branntest die Zeitung an, nachdem du die Kaffeemaschine entkalkt hattest und die Tablette drin ließest. Mutter mochte weder Pflanzen, Tiere, noch Geschwister.

Donnerstag, den 15. Dezember 2016

Fürchterlicher als Gnom und Kröte war der Vater, und obendrein sollte man ihn lieben. Diederich liebte ihn. Wenn er genascht oder gelogen hatte, drückte er sich so lange schmatzend und scheu wedelnd am Schreibpult umher, bis Herr Heßling etwas merkte und den Stock von der Wand nahm. Jede nicht herausgekommene Untat mischte in Diederichs Ergebenheit […]

Themenfindung ist Selbsterfindung

Mittwoch, den 14. Dezember 2016

Das Angenehme und Gute haben beide eine Beziehung auf das Begehrungsvermögen, und führen sofern, jenes ein pathologisch-bedingtes (durch Anreize, stimulos), dieses ein reines praktisches Wohlgelallen bei sich, welches nicht bloß durch die Vorstellung des Gegenstandes, sondern zugleich durch die vorgestellte Verknüpfung des Subjekts mit der Existenz desselben bestimmt wird. Nicht bloß der Gegenstand, sondern auch […]