Luftprinzip

Ist dein Atem schon kalt?“

Aber ja.“

Hättest du dieses Detail erwähnt.“

Täusche nur Unlust vor. Es steht dir gut. Hat sich bewährt. Die Wirklichkeit zergliedern. Parallel. Distanz. Hier auf dem Balkon sitzen, trinken, Wein verschütten. Um zu sein, was der schwarz bekleidete Fuß verspricht. Als spannten sich über ihre Haut Klänge, Préludes von Debussy. Kling, kling … langsam, mit Pause und Ende.

Gegenüber Licht. Es beleuchtet unsere weißlichen Arme. Ihre Bauchvertiefung, bevor sie das rote Jackett wieder halbherzig darüber zieht. Das sie noch immer trägt, paradox. Es wird eins mit ihr. Ohne Worte, ohne Zweifel, sie zieht es wieder über die Rippen. Sie ist ein Triumph über die Materie. Pianoklänge vibrieren im Raum, die dunklen werden von der Luft geschluckt. Ihre Hand hebt das Glas und stellt es auf die Balkonbrüstung, soll es auf den Rasen fallen, soll es nur.

wir schlafen, umschlossen
von schattiger Haut
alle Schwärze, schauen
nichts mehr.

Doch unten gehen viele, die verstecken ihre linke Hand, die ergreift das Ungetier, das sieht kurios aus. Wollen sie schreiben, haben sie keine Hand frei, die das Papier festhält. Ihre Kleider sind teuer, ihr Spiel mechanisch. Sie kann sie sehen. Glaubt, ihre Haut sei für sie so hell.

Ich bin ihr Alter Ego. Ich gehe in diesen Tagen oft durch sie hindurch, an ihnen vorbei. Kann sie kaum mehr voneinander unterscheiden. Die Monochromie dieses Sommers… weißt du.“

Dieser Beitrag wurde von crysantheme am 31. August 2011 um 00:03 Uhr geschrieben.

Genre: Trauersymmetrie

6 Kommentare »

  1. Oct 07 – Musik hoch – - 8 Uhr ???

    Comment by Dresden — 31. August 2011 @ 00:11

  2. och schatzi, die überschrift ist blöd: darmextrakt… warum? um 0:03 geschrieben atmet es wunderbar leipziger pleiße-luft.ach was solls, ich liebe es!

    Comment by rapunzel — 31. August 2011 @ 11:27

  3. auch die pleiße führte brackwasser mit sich. man greift frei heraus nach dem, was so inspiriert. manche verbrennen ihre ersten werke, so nicht ich.

    Comment by crysantheme — 31. August 2011 @ 16:48

  4. Hallo Zhenja, Musik hoch 8 Uhr, welche Potenz ist das? Du weißt, dass ich eine Rechenschwäche habe. Und im Oktober 2007 war ich nicht mehr in Dresden, da bin ich bereits drei Jahre zuvor ausgezogen. Ohja, aber ich liebe diese Stadt, mit Mauern, Frauenkirche und zitronenförmigen Dächern… Insofern liegst Du vielleicht ein Viertel richtig, der Rest ist… Übrigens: In meinem Fall eher 20 Uhr. Ich bin ein Nacht- und Abendlüstler. Danke!

    Comment by crysantheme — 1. September 2011 @ 10:01

  5. Schön dass Sie sich wundert’n … der Kommentar sollte eher eine Empfehlung zur möglichen Erweiterung des im Augenblick ja doch eher eingeschränkten Griffs nach der Horizontlinie sein; Klartext ohne Nennname: Am /. O findet in der dortigen Musik*schule eine dreifache Uraufführung für Trompetenkomposition statt. Überlege ernsthaft, ob sich Gründe finden, den langen Weg der Anreise auf sich zu nehmen. Soll um keinen Preis ‘ne Twitterorgie werden, aber was den Horizont anbetrifft, ist wohl doch nur schwer eine echte Alternative zum “ödbraun?!en” Gesamtkunstwerk denkbar.

    Comment by Zhenja, Nietzsche lesen! — 1. September 2011 @ 22:37

  6. Ah ja, die Überraschung beim Betrachten einfarbiger Oberflächen, wenn das verwirrte Augen fe4ststellt, dass der Himmel ja wirklich blau ist und nicht nur Wortblatt auf einer Erzählung. Aber damit scheint bereits eine Urenttäuschung übers Erzählen ausgedrückt, die Empfindung des Ungenügens beim Abgleich von erinnerter Erwartung und jenen hilflosen Zeilen, die in der Öffentlichkeit zersplittern wie frisches Holz unter der Axt eines fleißigen Waldarbeiters. Es gab Texte, darin kann man wohl heute noch wohnen, aber lassen die sich denn heute wirklich nicht mehr schreiben? Der Wandel, jaja, und was wäre ich schon ohne den alljährlichen Wechsel von Winter und Sommer… weißt du.

    Comment by Zhenja, Ur-ent — 3. September 2011 @ 06:23

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