Ein Hauch Brokatimitat*

Ich sehnte mich nach dir. Ich holte auf meinem Weg in die Einsamkeit die spitzesten Bergränder ein. Ich schnitt die Finger auf an ihnen. Ich kratzte mir Eis von der Stirn. Wollte meine Identität löschen, um dir nahe zu sein. Wie nahe wollte ich dir sein. War doch nur eine Frage des Reizes, der mir Übelkeit signalisierte, sobald ich zu häufig an dich dachte und mir dabei die vereisten Bergränder ins Fleisch trieb, an denen ich saß, ich spürte die Möglichkeit des Fallens, die Hirnmasse, die Fingerspitzen, feste Wangenknochen, Gallenblase, Lungen und Haut. Eingeweide. Geschlechtsorgane, wo sie dann wieder austraten. Mein Körper sehnte sich nach weichen Federbetten, nach himmlischer Kleidung mit einem Hauch Brokatimitat, den Filetspitzen aus vanilleweißem Garn. Einer bis ins Knochenmark dringenden Erschütterung, Orpheus Flöte im Drachenberg. Konntest du deiner Vica bis dorthin in die Augen sehen? Da, wo ihre Geschichten sich kreuzen? In tellergroße Schwärze?

 

* Plagiat von hundert Ufern, an denen ein Rinnsal dahin geleitet.

Dieser Beitrag wurde von frau kleist am 13. September 2018 um 17:55 Uhr geschrieben.

Genre: Realitätsschatten

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