promenades des faunes

mit hingabe an die nacht
zähle ich münzen
schlafen im schatten der platanen seidene papillen
auf einem see der ruhe
treiben schweigend die flügelschläge von nebelfaltern
dahin
zittern deine lippen in den wogenden bewegungen von wörtern
atemberührungen von streulicht
für einen schreck eine sekunde
tasten fingerkuppen zeile für zeile
die blindenschriften der liebe
4 7 21 silberlinge häufe ich zu stelen
zittert jetzt deine stimme

wir schwimmen mit den fischen
sanliurfa
trinken das heilige wasser
sanliurfa
befehlen ibrahim zu bleiben
zu nehmen die magd zur zweitfrau
sanliurfa
sarah kann bleiben

hall stadt
besuchte ich
das beinhaus
lagen nicht nur bein an bein
auch arm an arm
schädel an schädel schulter an schulter
rumpf an rumpf und die füße
beieinander wie liebende
nach dem letzten kuss in der nacht
schliefen im gletscherbett die plätten
unter dem salz
behütete sie dach stein
legte sich nebel zwischen die leiber

in die traurigkeit flüstern sie flüssigen safran
mit erde vermischt bildet er dein mahl
sag den trotzigen kindern etwas von liebe

grenadierplatz
ist die wohnung des bäckers voller brot
wollen seine kinder kommen
ist die frau tot
liegt sie aufgebahrt in der stube
bleibt der laden heute geschlossen
trägt der nussbaum im garten dieses jahr reich
flackert das fernsehbild
fährt ein auto vor

ist wieder niemand gekommen

Dieser Beitrag wurde von Werner Weimar-Mazur am 13. November 2018 um 13:28 Uhr geschrieben.

Genre: Erinnerungsbrösel

1 Kommentar »

  1. Ich mag die mit Bedacht gewählten Wörter: Papillen. Wogende Bewegungen von Wörter.
    Allen voran: Beinhaus.
    Und dann das Stakkato der 5. Strophe! Liegt, trägt, flackert, fährt. Fast wie ein Kinderlied…ist er tot, bleibt er tot, holt ihn der Teifel zum Abendbrot.

    Toll!

    Comment by Rapunzel — 17. November 2018 @ 10:49

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