Der Mond : von hinten

Zeigt er kein Gesicht : einen Krater
Hält er versteckt : zweitausend
Kilometer breit : nirgends unter der Sonne

Gab’s einen größeren Schlag : das All
Hat ihn verletzt : den ewigen Lächler
Als wäre nichts geschehen : still

Steht er vor Schreck : kreist
Um die eigene Achse : einen Mond
lang : ewig von vorn : damit wir

Seine Wunde mit unseren Augen
Nicht zu sehen bekommen : ewiger
Tröster : was immer uns verletzt

Dieser Beitrag wurde von Theodor Holz am 3. Januar 2019 um 10:45 Uhr geschrieben.

Genre: Realitätsschatten

4 Kommentare »

  1. Jo, kenn ich. Gab‘ schon mal vor mehr als 200 Jahren. Guter Mond, du ge-hest so-ho sti-hi-le….lalalala. Kritische Stimmen sagten dazu: „ein Beleg, mit welch unpoetischer Kost der Deutsche sich zufrieden stellt“ ( Franz Magnus Böhme)

    Comment by Altbacken — 3. Januar 2019 @ 16:36

  2. Ich: sehe ihn anders. Kandinsky, in Paris, malte, geblendet vom Licht, Rückerinnerungen an die russische Zeit, türkis, violett, gold, orange, siber, organisch-amorph: Biomasse.

    Comment by Aus:KANDINSKY! Der offizielle Film zur weltweiten Ausstellung — 4. Januar 2019 @ 01:14

  3. Die sind aktiv. Die sind da. Aber vielleicht schlafen sie.

    Comment by Pilze, Vorfahren, Gene ... — 7. Januar 2019 @ 23:48

  4. Das Bild gefällt mir! Die Verletzung des Mondes wird zum Schluss wieder aufgenommen, nun als “unsere” Verletzung. Dabei wandelt sich die Perspektive: Der Mond ist nun Tröster, gerade weil er Verletzung kennt.
    Auch rhythmisch finde ich den Text stimmig mit seinen syntaktischen und Vers-Brüchen, entsprechend dem ‘gebrochenen’ Bild des ewig lächelnden Mondes.

    Comment by Jutta v. Ochsenstein — 19. Februar 2019 @ 12:16

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