Abwedeln nicht vergessen

Nebel überzieht die Landschaft mit Zucker
Mein und dein : bürgerliche Kategorien
In den Mistelzweigen nisten die Vögel
Damit wir uns küssen und vögeln können

Vogelfrei : gehören wir niemandem
Ein paar Schnappschüsse vom Abenteuer entfernt
In deinen analogen Welten dauert die Entwicklung
Eines Bildes eine Stunde : abwedeln nicht vergessen

Verstecken wir uns im Schilf : schwanken im Wind
Kräuseln die Lippen wie Wellen : die Landschaft
Ist kein Zuckerschlecken : ihre Bitterkeit
Ruft die Endlichkeit in Erinnerung : mit der wir

Vergeblich dem Unendlichen entgegenwinken
Glitschig entgleitet sie uns : gleißend verglühen wir

Dieser Beitrag wurde von Theodor Holz am 1. April 2019 um 23:04 Uhr geschrieben.

Genre: Erinnerungsbrösel

6 Kommentare »

  1. Wenn die Chemie stimmt, freuen sich die Elemente.

    Comment by Danke! — 2. April 2019 @ 09:45

  2. Das Lied kenne ich! Als Mutter es in der Ferienwohnung anno ’83 zu singen begann, machte Vater nur: BSST! Bist du ruhig!

    Comment by ... von Bauarbeitern — 2. April 2019 @ 11:16

  3. Singen bei der Arbeit ist verboten.

    Comment by 'ler Jungs — 2. April 2019 @ 23:56

  4. Nee, also damals in Wilkau-Haßlau, 1981 war das oder so, da gab eine ORWO-Theke. Da haben wir unsere Urlaubsfilme abgegeben und dann alle zwei Wochen nachgefragt, ob sie schon entwickelt sind. Dafür mussten wir den ganzen Berg runter und dann wieder hoch. Immer die Rosa-Luxemburg-Straße entlang. An der HO vorbei. Hat so zwei bis drei Monaten gedauert, die Entwicklung. Was ich sagen möchte, in meinen analogen Welten dauert die Entwicklung eines Bildes neun Wochen. Und dieses Warten, dieses wochenlange Warten, dieses den Berg hinauf und wieder hinunter, das brachte uns der Unendlichkeit näher.

    Comment by Wassili Busskläff — 10. April 2019 @ 19:39

  5. Manchmal habe ich den Eindruck, die Kommentare unter den Gedichten von Herrn Holz sind einem Tourette-Syndrom geschuldet. Geht es anderen Mitlesenden ähnlich oder leide ich an einer Sinnestäuschung?

    Comment by crysantheme — 15. April 2019 @ 12:35

  6. Schön, wie hier philosophische Reflexion mit Naturbildern verwoben werden, ohne kitschig zu sein. Die Schreibart weckt auf, sensibilisiert für Wahrnehmungen, steht quer zu mancher Denkgewohnheit.

    Comment by Jutta v. Ochsenstein — 15. April 2019 @ 22:50

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