porreeleuchten. gurkengrün

weshalb ich würfelnd mich bestreiche
mit fischgewürz und küchendunst
auf das es träge mich beschleiche
auf das ich schweig, gemüsekunst.

herrn meier-gräfes gurken
mir als salat im magen liegen
ruhn dort schwer
zinnern, gleich dem leuchter
in dessen licht nur falter fliegen.

ein langes flimmern auf der treppe
eisbleich trifft sein gesicht uns an
kalt sein verstummen, rot die schleppe
in der ich mich verschlingen kann.

vier hände, die ein fleisch zerkneten
drei töpfe, die im ofen glühn
mein festmahl hast du

schöner schleicher,
reib ich gemüse, gurkengrün.

Dieser Beitrag wurde von crysantheme am 29. Januar 2012 um 13:31 Uhr geschrieben.

Genre: Realitätsschatten

2 Kommentare »

  1. Sie sind ein küchenkandelaber
    grandeur nature
    nicht morte
    vom leuchter fließt ein tropfen wachs
    in diese dämmerstunde
    so schön wie kopflos ist der lachs
    doch fehlt die sprosse spargel in dem bunde

    Comment by fryxell — 29. Januar 2012 @ 23:04

  2. Gesten

    Ein Schritt vor, zwei zurück. Der Wasserspender stand in der Ecke und sonderte Tropfen ab. Guten Morgen, begrüßte mich Dr. Sägehals, während er eine Packung Tiefgefriergemüse aus dem Eisfach nahm. Ich hatte gerade heißes Leitungswasser über die Kaffeekrümel in meiner Einwegtasse laufen lassen und war nun damit beschäftigt, einen Löffel in den zahlreichen und meist bis auf Schmutzränder leeren Schubladen zu suchen. Das Messer mit dem abgerissenen Holzgriff tat es auch. Ich rührte um und sah Dr. Sägehals von der Seite an, er stopfte gerade das Gemüse in die Mikrowelle und begann, einen Vortrag über gesunde Ernährung zu halten.

    “Thomas Mann”, sagte ich nach einer Weile des Zuhörens mit vom heißen Kaffee verbrannter Zunge, “Thomas Mann hätte auf Ihr Vitaminkonzept gepfiffen. Er war schwermütig und konnte nur in diesem Zustand schreiben. Das leichte Leben, rohes Gemüse, haben ihn nicht inspiriert. Schwermütige Menschen verlangt es nach schwerem Essen, das den Magen in die Tiefe zieht, alles in die Tiefe, tieffliegende Wolken, wie in einem Bergman-Film.” Ich nahm einen großen Schluck aus meiner Einwegtasse – so groß es eben ging und blickte aus dem Fenster. Dort tröstete sich ein steingrauer Himmel mit blühenden Rosenbeeten und den Blättern der Kastanien.

    Comment by frau kleist — 9. Februar 2012 @ 14:08

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