Lieblingsfarben

Langsam rüttelt der Rhythmus sie wach. Die Landschaft, die trotz der relativen Geschwindigkeit an den Scheiben zu kleben scheint, trägt ihr allmähliches Siechtum zur Schau. Die Natur lässt Regenschnüre herab, ungleichmäßig und ohne Spannkraft. Wie der Strahl aus einem alten Gartenschlauch. Die letzten hundert Kilometer wird Jenna allein im Abteil sitzen, denn der Bahnhof, den sie erreichen muss, liegt jenseits der Zivilisation. Während sie gähnt und sich auf dem benachbarten Sitz nicht breit zu machen getraut, denn er riecht nach Leberwurst und Urin, verkriecht sie sich in Omas Mantel und gleitet in eine Wartezimmerstimmung. Forsche Gemüter sprächen von Lethargie. Doch Jenna ist die Spezialistin des vorsichtigen, nicht gern gesehenen Verfalls. Sie überhört das Lamentieren der forschen Gemüter. Rostrot und efeugrün sind ihre Lieblingsfarben.

Dieser Beitrag wurde von samtmilbe am 28. November 2012 um 20:20 Uhr geschrieben.

Genre: Trauersymmetrie

3 Kommentare »

  1. und das sich aufblähende grau ? was so ein richtiger amtsschimmel ist, der hat stockflecken im weißen fell. doch auch den taffen rappen und den brillanten fuchs kanns treffen. wers grey-gen hat, der schimmelt aus.

    Comment by fryxell — 29. November 2012 @ 17:21

  2. ein mildes apricot, verwaschen wie ein warmes leibchen. da werden warteräume freundliche kokons, in denen man in aller ruhe sein geschenk auspacken kann: das-überhören-können.

    Comment by fryxell — 30. November 2012 @ 19:07

  3. aber als er dies erfuhr, gings ihm wider die natur

    Comment by frau kleist — 20. Dezember 2012 @ 12:54

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