Königinnenpastete

Landsberger Straße in München, das war die Puffgegend, geh da bloß nicht allein, wir holen dich ab, mit der Straßenbahn, ich war ja naiv, na du, du weißt ja von gar nichts, mich aufgeklärt, weißt du denn nicht, was das bedeutet, da im Fenster, die Püppchen, die eine, die war leicht behindert, hat sich zur Schau gestellt, und nachmittags, bei der Feldherrenhalle, mit den Brüdern zusammen, wo Studenten sich trafen, wir waren die Jüngsten, Königinnenpastete, das war so billig, sonst nur ältere Männer mit ganz jungen Frauen, eine Gesellschaft, aber auffällig, und am Sonntag, in der Arbeiterwohlfahrt, wir waren erst zwanzig, meine zwei Brüder Studenten, einer Packer im Eisenwerk, der sagte, geh da nicht hin, und dann musste ich doch die Landsberger Straße lang, vorbei an den Mädchen, Fräulein Horn, verstehen Sie das, ja war ich denn prüde, warum nehmen sich manche so wichtig, mit sechsmal verheiratet sein, und alte Männer werden Väter mit Achtzig. Ja, und Ilse, die Cousine, die haben wir geschleppt, zum Gesundheitsamt, die musste da hin, die hatte sich eingelassen, mit Fernfahrern, sich untersuchen lassen, und stand dann im Fenster.

Dieser Beitrag wurde von samtmilbe am 25. Dezember 2012 um 23:07 Uhr geschrieben.

Genre: Trauersymmetrie

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