Blick über die Dächer

Lady Belgrad ist verschont geblieben : Titos schwarze Muse
am Rande der Stadt : sie zeigt uns ihren kleinen Finger
welche Botschaft sie sendet : wir wissen es nicht
den Generalstab hat es getroffen : ein paar Meter weiter

die Ruine : ein Blickfang für Reisende aus dem Westen
nur wenige zieht es hierher : ob Joseph sich die Folgen
angesehen hat : wir wissen es nicht : vermutlich
blieb er in Frankfurt und leckt sich die Wunden

Indianer sollen stolz auf sie sein : Belgrad trägt sie
zur Schau wie die neueste Mode : nur die Gardinenröcke
fehlen : die die Frauen über den Mini schlagen
im Sommer : aus Respekt vorm Patriarchen

damit er ihnen kein Kopftuch verordnet : nur noch
die Mädchen vom Land trauen sich : sich zu verhüllen
Lady Belgrad hat ein paar weiße Tupfer : wie Nagellack
leuchten sie nachts : während sich die Pärchen

in dunkle Ecken drücken : ohne Angst
hier lebst du sicherer als in New York : diese Stadt
hat Wille zum Leben : der ist Musik
wußte schon Arthur : auch der war nie hier

ist in Berlin geblieben und hat geträumt von den Veden
mein Blick fällt auf die Dächer : düster
schlafen die Fassaden : keinen Dornröschenschlaf
die Zeit schwärzt die äußeren Hüllen : damit

die Bewegung im Innern nicht aufhört

Dieser Beitrag wurde von Theodor Holz am 8. September 2013 um 22:41 Uhr geschrieben.

Genre: Trauersymmetrie

3 Kommentare »

  1. Nur ein paar kleine sprachliche Vorschläge..?

    Lady Belgrad blieb verschont : Titos schwarze Muse
    am Rande der Stadt : zeigt uns ihren kleinen Finger
    welche Botschaft sie sendet : wissen wir nicht
    den Generalstab traf es : ein paar Meter weiter

    die Ruine : ein Blickfang für Reisende aus dem Westen
    nur wenige zieht es hierher : ob Joseph sich die Folgen
    angsah : wissen wir nicht : vermutlich
    blieb er in Frankfurt und leckt sich die Wunden

    Indianer sollen stolz auf sie sein : Belgrad trägt sie
    zur Schau wie die neueste Mode : nur die Gardinenröcke
    fehlen : die Frauen über den Mini schlagen
    im Sommer : aus Respekt vorm Patriarchen

    damit er ihnen kein Kopftuch verordnet : nur noch
    Mädchen vom Land trauen sich : zu verhüllen
    Lady Belgrad hat ein paar weiße Tupfer : wie Nagellack
    leuchtend in der Nacht : während sich Pärchen

    in dunkle Ecken drücken : ohne Angst
    hier lebst du sicherer als in New York : diese Stadt
    hat einen Willen : zum Leben : der ist Musik
    wußte schon Arthur : aber auch er war nie hier

    blieb in Berlin und träumte von den Veden
    mein Blick fällt auf Dächer : düster
    schlafen die Fassaden : keinen Dornröschenschlaf
    die Zeit schwärzt die äußeren Hüllen : damit

    die Bewegung im Innern nicht aufhört

    Comment by werner weimar-mazur — 11. September 2013 @ 20:20

  2. ach so, ich vergaß: gefällt mir sehr gut! kenne Belgrad zwar nicht, kann es mir jetzt aber bisserl vorstellen und was dazu denken, und sehe es.

    Comment by werner weimar-mazur — 11. September 2013 @ 20:22

  3. Das Imperfekt macht es dichter, merci!

    Comment by Theo — 11. September 2013 @ 20:30

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