Longitudinal

Es geht noch das gleiche vor, der Park steht voller Bäume, mit dem Schein von etwas, Bäume, die ihre Blätter abwerfen, der Wind erinnert gleich dem Abziehbild aus einem Album an die weit entfernte See, an das Herumkreiseln und dann Hinfallen als Kind. In den Fensterscheiben spiegeln sich aufsteigende Luftmassen, gläsernes Grau. Weiß und Preußischblau, wer will schon mehr darüber wissen. Ich schreibe dir von den Wasserwelten der jungen Erde, du lobst mein Wissen über den Plattwurm, er sei einfach, unsterblich, mit einem Gehirn. Schier unerschöpfliche Lebenskraft, was ist dagegen ein Algorithmus. Jetzt machst du das Fenster auf, ich gehe nicht durch deine Straße, ich bewege mich anderswo. Ich denke mir aus, du stehst auf einer rotierenden Scheibe unterhalb eines Pendels im Rhythmus der Stunden. Tick, tack, Ührchen geht an seinem Schnürchen: All die elektronischen Steuerwerke, die ihre Zeiger bewegen, einige ticken leise und schnell, andere pulsieren träge wie im Halbschlaf und gehen nicht nach. Und ich strenge mich beim Laufen mehr an, wenn es von überall zieht. Du schließt das Fenster wieder. Eine Seite deiner Arbeit hat der Wind zu mir heruntergetrieben. Wir drehen uns um die eigene Achse und folgen dem Pendel in uns, verstohlen. Ich hänge eins auf in deiner Kammer, blauviolett, weißt du noch, in deiner Kammer.

Dieser Beitrag wurde von frau kleist am 21. September 2013 um 20:22 Uhr geschrieben.

Genre: Realitätsschatten

2 Kommentare »

  1. Rotierende Scheiben, Wählscheiben – auch du hattest und hast die Wahl. Das ist der politische Algorithmus, wo jede/r kann, aber nicht mit muss…Und wer nicht will, lässt sich eben schwingen. Mit schwingen. Eine Armbewegung vom Pendel entfernt…

    Comment by rapunzel — 22. September 2013 @ 10:27

  2. … ist das nun der helle oder der dunkle weg? bekommst du futter oder einen elektrischen schlag? der plattwurm weiß bereits mehr.

    Comment by Plattwurm II — 22. September 2013 @ 12:52

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