Dämmern [8]

Danach waren Wände da ohne errichtet worden zu sein

der Winter verging und dort

wo alles versperrt ist

blieb der lautlose Kampf der Kleider mit dem Wald

auch der Ort des Gesichts an dem wir nicht weilen dürfen

Gennadij Ajgi, Requiem für ein Mädchen

Veronika, denn so werde ich dich, wie wir beide, wie wir zwei nun geworden sind, wir mit Verotschka, ja … so will ich dich, Schwester – von hinter dem östlichen Stadion, Großstadt in einer Mitte, Verse Nike mit spitzen Fingern aus südlichem Mitteleuropa, Traumgrenze – nennen: so lagen nun zwei nebeneinander in einem Raum ohnegleichen. Hast du mich wirklich nicht erkannt?

Ich erkannte dich nicht. Ich lag neben dir, lauschte erst deinen schwebenden Atemzügen, atmete dann synkopisch dagegen, wunderte mich über die Unterschiede in dieser Welt, schlug mit dem langsamen Licht – einem fröstelnd gereiften Entschluss plötzlich die Augen auf und erschauerte: War das wirklich unser Atem?

An den Wänden ringsum, im geschützten Bereich dieser doppelt eingewickelten Leiber starrte mit tödlichem Glitzern das Eis. Es war dies ein neuer Morgen – eingeschnürt in seine Hoffnungslosigkeit wie in ein Korsett. Sonniger Frost brach sich an Fingerspitzen, leuchtende Flechten klebten grell und flüchtig am niedrigen Acrylhimmel einer Zeltbahn, Atemgedanken, die schnell wieder eintauchten in die unsichtbare Tiefe des Schlafsacks. Es dämmerte.

Dieser Beitrag wurde von Zhenja am 30. Juli 2008 um 08:51 Uhr geschrieben.

Genre: Trauersymmetrie

2 Kommentare »

  1. “Hast Du mich wirklich nicht erkannt? [...] ich erkannte: Dich.”

    Tagebuch: 1982:

    ich + nicolas
    nicolas + ich
    + ich
    nicolasich +
    N. .N

    sind die Unterschiede,
    aus genommen aus dieser Welt,
    ein Band
    um ihre Mitte.

    Comment by Evgeny — 10. August 2008 @ 21:52

  2. Na Papa, da hast du dich ja ganz schön rumgetrieben, in der Zeit an die ich mich leider nicht mehr richtig erinnern kann!

    Comment by Li — 22. August 2008 @ 16:21

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