Im Vektorraum (4)

Egal wie es passiert – es passiert immer wieder. Er streckte seine Hand aus nach dem Gegenstand dort vorn, er versuchte den Arm zu bewegen, seine rechte Schulter schob sich um winzige Unendlichkeiten nach vorn, doch die Hand blieb liegen wo sie war. Er ließ sich in seinem Sessel zurückfallen, sein Rücken versank im gepolsterten Hintergrund wie ein kaum zu Ende gedachter Gedanke. Seit er den Arm nicht mehr bewegen konnte, bewegten sich seine Augen um so mehr. Eigentlich waren es gar nicht seine Augen, die sich bewegten. Von Zeit zu Zeit lief ein Zittern durch die Augäpfel, gefolgt von einem Zucken der Wimpern. Die restlichen Teile seines Körpers lagen so still wie die Planken eines Schiffs auf dem Meeresgrund.

Dieser Beitrag wurde von Zhenja am 14. Juli 2007 um 19:01 Uhr geschrieben.

Genre: Trauersymmetrie

1 Kommentar »

  1. Sind wir nicht alle ein bisschen Vektor? Diese Prosaskizzen weckten sofort meine Aufmerksamkeit, Körper, Reibungen, Berührungen, Vorbeigleiten – die geringste Bewegung, die kleineste Einheit reicht, um Spannung anzudeuten, zu erzeugen, Beziehungen zu den Dingen, den Oberflächen, den Eingeweiden, lebenden Körpern, den Du’s, auszuloten. Mir blieb nur, den Atem anzuhalten und auf die nächste Bewegung, die folgen wird, zu warten, zu hoffen —

    Comment by crysantheme — 15. September 2007 @ 23:23

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