Neues aus der Extremismusforschung

Der Extremismus der Mitte schleicht, gutbürgerlich getarnt, durch Nebel selbstgefälliger Satuiertheit und knabbert lüstern im toten Winkel des matten, gaucklerhaften Lichts maroder Rechtsstaatlichkeitslaternen am morschen Gebälk „unveräußerlicher“ Freiheiten.

Jede Nacht legt er die Reste seiner konstitutionellen Opfer in einer ungenießbaren Lake aus Halbwahrheit ein, bevor er sie, garniert mit Ressentiments, die der Vorherrschaft seiner Auftraggeber dienlich sind, den Verirrten der ‚Welt‘ von Morgen -mit überparteilicher Empfehlung- mittags als Nachrichtensalat serviert.*

Der Extremismus der Mitte braucht die verinnerlichte Schere im Kopf der Funktionseliten, ist auf die auf Kommando einschaltbare Ängstlichkeit der kleinbürgerlichen Besitzstandswahrer angewiesen und wird in den Netzwerken der Geldeliten geplant, geschürt und gefeiert.

Der Extremismus der Mitte nimmt auf politischen Grenzen keine Rücksicht, er verwendet Sturmgeschütze, sowie Mineure. Wenn es der Durchsetzung von Interessen dient, kapert er Sozialdemokraten (über Jahrzente), gründet die AfD (im Nu), lädt einen ‚nützlichen Idioten‘ wie Trittin zur Bilderberg-Konferenz ein, oder bandelt sogar mit einem Linken-Abgeordneten, wie z.B. dem frischgebackenen Auslandseinsatzbefürworter Liebich beim Kaffeekränzchen auf der „Atlantikbrücke“ an .

Der Extremismus der Mitte ist globale, totalitäre Realität. Er funktioniert nicht nur in Deutschland – nahezu jedes (westliche) Land, insbesondere die von ‚Zentristen‘ geführten Vereinigten Staaten sind nach seinem Modell organisiert.

Der Extremismus der Mitte ist  ein Schneeballsystem, denn wie er wirkt, verdaut er sich selbst, lebt von der schwindenden Substanz der Gesellschaft, die er durch dauerhafte Lügen, Entsolidarisierung und somit Entfremdung die Grundlagen einer ethisch vorbildhaften, unabhängigen und deshalb (zumindest der konservativ-bürgerlichen Theorie nach) „rechtmäßig“ meinungsführenden, vermeintlichen Mitte vernichtet .

Der Extremismus der Mitte ist aufgrund seiner Schwindsucht jedoch nur ein Symptom und zwar der eigentlichen Ursache seiner Existenz, nämlich eines ‘Extremismus‘ von Oben’ – der auf Dauer hervorragend auf (s)eine extremistische Mitte und mit ihr auf weitere ca. 90% der Bevölkerung verzichten kann.

Denn die 1% Herren brauchen dann nur noch 10% Sklaven (ruhig auch geklont) und als Rest Maschinen, das reicht den Extremisten von Oben mittelfristig (nimmt man die Geschichtsschreibung der Menschheit als Maßstab) nämlich ganz gut aus (an dieser Stelle werden viele Leser den Kopf schütteln, denn das wollen sie nicht hören bzw. lesen, denn es kann ja nicht sein, was nicht sein darf).

Bis es also bald soweit ist, bedient man sich aber noch ein wenig der – dem eigenen Bekunden nach – „extremst mittigen“ Kreaturen der Macht wie z.B. Golems in Zwirn (Gabriel), erbsensuppigen Kinderfressern (Merkel) oder Armut predigenden Boss-a-novas (Göring-Eckardt) der Kapitalistischen Einheitspartei Deutschlands.

 

* siehe auch: K. Tucholsky [http://www.textlog.de/tucholsky-presse-realitaet.html]“(…)Der Redakteur bekommt mit der Zeit den Größenwahn. Besonders der beschränkte, der nicht sieht, dass er nur Handwerkszeug Größerer, hinter ihm Stehender ist. Er hat im Laufe der Jahre gelernt, dass das, was er nicht drucken läßt, für Hunderttausende nicht existiert – dass das, was er den Leuten mit der Papageientaktik in die Köpfe lärmt, für sie im Mittelpunkt der Erde steht. Er wird also immer mehr auf die Wirkung als auf die Wirklichkeit sehen.(…)”

 

Dieser Beitrag wurde von Faron Bebt am 14. April 2014 um 00:10 Uhr geschrieben.

Genre: Erinnerungsbrösel

6 Kommentare »

  1. sind wir nicht endlich über die 68er hinaus? oder erlebe ich hier ein revival? kurz: man kann es auch einfacher sagen, nur setzt das eine struktur voraus. und letzlich würden von all’ den vielen hier geäußerten ressentiments nur ein satz übrig bleiben: “politik ist mist.” nun – diese feststellung wäre dann doch ein wenig dürftig(aber ehrlich). also blähen wir es auf. nach dem motto: es windet heuer arg.

    Comment by rapunzel — 14. April 2014 @ 08:24

  2. Ich denke nicht, dass Politik Mist ist und ich denke ebenfalls nicht, dass ich hier Ressentiments geäußert habe (zumal mir der jene verordnende Auftraggeber fehlt, wenn man augenzwinkernd von einem idealistischen Über-Ich absieht).

    Allerdings stelle ich fest, dass diese Form der Politik, also die der extremistischen Mitte, zum Himmel stinkender Mist ist- und dass diesbezüglich Anleihen bei den 68ern wie z.B. eine kräftige APO sehr nützlich sein können.
    Es gibt heute sogar sowas ähnliches in Ansätzen, wie z.B. Netzpolitik, Accelerationism (aber Vorsicht mit den -ismen) oder auch Initiativen wie Blockupy, die der theoretischen oder teilweise sogar parlamentarischen die konkrete Aktion hinzugesellen.
    Im Übrigen empfinde ich deinen Kommentar als unsachlich und sogar destruktiv (nach dem Motto “du blähst hier nur rum”). Mich stört überhaupt schon seit geraumer Zeit, dass deinerseits hier nur auf fremden Beiträgen rumgehackt wird statt selbst mal wieder was reinzustellen, was nicht unbedingt mit anderen hier Postenden zu tun hat.

    Comment by Faron Bebt — 14. April 2014 @ 11:05

  3. meine zeit war – und ist lange her. nun laße ich mir den wind um die nase blasen…nicht ohne ab und zu wattebäuschchen zu pusten. war schon als kind mein lieblingsspiel bei allzu lahmen geburtstagspartys.
    apropos: bei empfindlichen ohren mütze auf ! oder kommentarunterdrückungsfunktion betätigen. gegen den sturm anzubrüllen nützt eh nicht…

    Comment by rapunzel — 14. April 2014 @ 16:14

  4. “bin schon so lang dabei,
    darf trollen wie ich will,
    wems nicht passt der soll rüber machen -
    meh meh meh gewitter he he he”

    Toll… ich hab keine empfindlichen Ohren aber ein gutes Gleichgewichtsempfinden im Bezug auf wackelige Substanz – und dass ich um mehr davon bitte, ist eigentlich doch als Kompliment zu sehen, denn ich trau sie dir zu. Abgesehen davon, was nützt es dir eigentlich auf Produktiven herumzuflatulieren. Ich bin hierhergekommen um kreativ zu wirken und zwar in gegenseitigem und respektvollem Ausgleich, Inspiration ist zumeist keine Einbahnstraße.
    Nun gut, hier ist oft tote Hose, wie’s scheint und wenn einer dann mal was schreibt dann kommt deinerseits nur ein im besten Falle zynischer, stinkiger Kommentar statt einer interessanten Diskussion zustande.
    Hab ich dir was getan, oder bringt es dir einfach Spaß? Im letzteren Falle tust du mir (relativ wenig) leid, kann man eben nichts machen, vielleicht hast du deine Regel oder Menopause oder was weiss ich, bestimmte Verhaltensweisen von Trollen sind wahrscheinlich in etwa so schwer für Idealisten nachzuvollziehen wie solche von (mittel)alten Frauen für Männer — wahrscheinlich ist das auch ganz gut so. Unter Umständen ist die Tagespolitik eher was für dich, mir gefällt es besser über ihren Überbau zu kontemplieren.

    Comment by Faron Bebt — 14. April 2014 @ 17:15

  5. na, dann ist doch alles gut. weiter machen mit dem überbau. und fertig werden damit!

    Comment by rapunzel — 14. April 2014 @ 18:49

  6. nach 2 jahren wiedergelesen. aber: was wollte uns der autor mit seinem paradoxon eigentlich sagen? wird die mitte zum extrem, da sie sich ausdehnt, oder besser aufbläht? hören neben ihr alle anderen bald auf zu atmen? wäre das ein glück? machiavellismus im 21. jahrhundert? bläht es sich noch? oder bebt es bereits?

    nur ernstgemeinte antworten mit BILD.

    Comment by samtmilbe — 22. April 2016 @ 10:17

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