Eine abfällige Ordnung

Mahnt das Land, indem ich lebe,
an. Erträumter Gehorsam,
robbende Duldung: lange Jahre der Fahrt
verglühen beschwaden in geschürten Feuern.
Neue, hinstörende Welten ersuchen

ordenverhangen, Gezitter darklirrend,

zwanghaft um Jacken ohne geschulterte Stricke.

Ich spiele, spiele mit Lügen aus Blech,
fluche und schreie. Donner will tanzen

auf allen von Wahrheit vertrockneten Lippen.

Blitze, schnellt! Zerschmachtet stets
wohlfeile Demut in gerissene Stücke!
Donner willl tanzen auf öligen Haaren,
feister Hagel, hitzige Glatzen fällend, trommeln;

Staat und Wohl: statt und wegen.
Blitz und Donner: Wunsch und Begehr.

Dieser Beitrag wurde von Faron Bebt am 9. Mai 2014 um 15:45 Uhr geschrieben.

Genre: Wortmysterien

2 Kommentare »

  1. Trifft meinen Nerv – das ist Rhythmus, das ist Jazz, das ist Gewalt und Wucht! Gelesen und sofort mein Lieblingsgedicht von Volker Braun “Jazz” vor Augen gehabt. Daraus: “Und mit keinem verbünden wir uns, der nicht er selber ist Unverwechselbar er im Hass, im Lieben, im Kampf.”
    Und so gehe ich denn hinaus und lasse mir die Hagelkörner aufs ungewaschene Haupt prasseln!

    Comment by rapunzel — 9. Mai 2014 @ 17:40

  2. Danke für den Hinweis. Kannte das Gedicht noch nicht – oder vielleicht doch, aber dann vor längerer Zeit mal in der Schule gelesen – kann aber eigentlich nicht sein, denn in meinem Deutsch-LK haben wir sage und schreibe 4 Semester lang Goethes Faust I & II durchdekliniert — was hätte ich da für eine Zeile Gertrude Steins gegeben!
    Habe übrigens festgestellt, dass ich bei “Jazz” wie bei meinem Text nur die ersten 60% mag, hatte schon überlegt meinen Text zu kürzen aber was solls, nobody is perfect, dient er eben als Mahnmal für Abbau.
    Beim Jazzen ist ja auch nicht immer jede Improvisation gelungen – aber der Schritt (der Versuch dahin) selbst ist es schon.

    Comment by Faron Bebt — 10. Mai 2014 @ 09:24

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