Kinderlandverschickung

Am Waldesrand zieh’n Feuerfüchse,
sie necken helles Blau mit Schwarz
und nadelnd tropfen Funken Tod.

Durch Ähren fliehen Friedensrehe,
sie strecken tiefes Gelb mit Braun
und panisch dreschen Hufe Stroh.

Im Dorfe toben Glockenstürme,
sie pumpen Tümpelgrün in Rot
und wütend grüßen Ketten Ruß.

Des Abends schweigen Hühnerställe -
Sommerstreichzeit, federweiß.

Dieser Beitrag wurde von Faron Bebt am 25. Juni 2014 um 11:40 Uhr geschrieben.

Genre: Wortmysterien

8 Kommentare »

  1. Friedensrehe. Wer gern Tiere streichelt, kann kein schlechter Mensch sein!

    Comment by frau kleist — 25. Juni 2014 @ 16:05

  2. …und blondie wurde bestimmt nur an ihrem geburtstag von führes hand gestreichelt… ach, was sag’ ich “gestreichelt”! berührt wurde sie, touchiert, die hand zuckte lediglich in fellnähe.
    ich hab’s!: blondie suchte führes nähe,streifte dabei führes hand. der zuckte merklich zusammen: “blondie! aussss! geh zu eva – hierrr ist nicht kuscheln!”

    Comment by rapunzel — 27. Juni 2014 @ 08:25

  3. nun ja, es gibt eindeutige belege dafür, dass onkel wolf lieber mit seiner blondie kuschelte als mit seiner eva – diese war stets sehr eifersüchtig auf die junge schäferhündin, besonders an schwülen tagen auf dem berghof. schöne videos dazu gibt es auf youtube: der führer bei hitze, der führer im schnee – mit seiner blondie. blondie brav.

    Comment by frau kleist — 27. Juni 2014 @ 09:49

  4. Mir wäre sehr daran gelegen bei Kommentaren die den Text betreffen zu bleiben, Eure unlustige Blödelei könnt ihr in privater Korrespondenz pflegen, wenn ihr es denn nötig habt.
    Dennoch ein paar Hinweise zum Gedicht, auch wenn ich ungern “erkläre”, aber es scheint Bedarf zu geben.
    Meine Oma wurde im Krieg aus Hamburg aufs Land verschickt. Sie hat mir vor ihrem Tod nie viel davon erzähhlt, außer, dass sie im “Bund deutscher Mädels” war und sie dort Sport gemacht haben usw..

    Konzipiert habe ich den Text auf drei Ebenen:

    1. einige kinderlandverschickte Jungs ziehen in der dreiwöchigen, unterrichtsfreien Zeit im Sommer durch die das Lager umliegenden Wälder, zündeln, das nahe Dorf gerät in Aufruhr, alle sind mit Löschen beschäftigt und die “Füchse” klauen sich im Durcheinander Hühner und verspeisen sie heimlich. Ein ziemlich krasser Sommer-Streich(!) also. Wald&Felder anzuzünden für das End-Ziel, steht sinnbildlich für die Naziideologie sich über alle Grenzen der Menschlichkeit und Umwelt hinwegzusetzen.
    Die Protagonisten in diesem Erklärmodell sind also schon, obwohl so klein noch, sehr skrupellos, federweiß wie die Unschuld trotz allem, weil sie es niemals anders vorgelebt bekommen haben, als ebendiese Ideologie es ganz offen propagierte.

    2. wie 1., nur dass die Jungs diesmal einige Jahre älter sind und die “Hühner”, gleichaltrig, aus dem Stall ausgeflogen sind um… usw. usf. hier steht die Sommerstreichzeit tatsächlich fürs Streiche(l)n – die Moral von der Geschicht in diesem Falle: die gewünschte Freiheit dazu eine erste Liebe erleben zu können, wird erst durch kaschierende Zerstörung ermöglicht. Die restriktive, auf Gewaltexzesse statt “Get-Together” ausgerichtete, nazistische Gesellschaftsordnung, wie sie auch in den 50er und 60er Jahren noch wirkte, zeigt hier ihr wahres Gesicht.

    3. der Krieg nährt sich dem Ende und, wie Fr. Kleist hellsichtig festgestellt hat, sind die braunen “Friedensrehe”, fliehende SSler beispielsweise – gewissermaßen “Ur-Einwohner deutscher Wälder” – ironisch zu lesen. Die vermeintliche Idylle, die Sicherheit der Kinderlandverschickung, wie die Nazi-Ideologie sie propagiert hat wird durch die heranrückende Front ad absurdum geführt. Die Artillerie und Luftangriffe brennen vieles nieder. Kinder sind in Gefahr und junge Frauen werden vergewaltigt.

    Im Prinzip sind diese drei Lesarten stellvertretend für Ereignisse, die sich zum Beispiel in drei aufeinanderfolgenden Kriegsjahren stattgefunden haben könnten (43,44,45). Meine Familie ist von der Nazizeit sehr in Mitleidenschaft gezogen worden.
    Während meine Oma (Jahrgang ’27) in der Kinderlandverschickung war (das Klein- und Kurzwarengeschäft ihrer Eltern war im Feuersturm nebst Wohnung abgebrannt), verlor sie ihre beiden Brüder in den letzten Kriegstagen (meine Transkription ihrer verstörend “nahen” Feldpostbriefe wurde Grundlage meiner Begründung für die Kriegsdienstverweigerung), kämpfte mein einer Opa, ihr späterer Mann, an der Ostfront, schlug sich später -wer weiß wie- zurück (er sprach nie darüber, sondern boxte nur, von immer wiederkehrenden Albträumen heimgesucht jahrelang wild im Schlaf um sich), mein anderer Opa war bis Anfang der 50er in Jugoslawien verschollen, weswegen mein Vater (Jahrgang ’41) ohne ihn aufwuchs und als er dann doch überraschend zurückgekehrt war, war meine andere Oma schon wieder verheiratet.
    Die Probleme meines Vaters mit dieser Situation des vom-Vater-alleingelassen-worden-seins als Kind hat sich einige Jahrzehnte später auch auf seine Erziehung mir gegenüber ausgewirkt, weswegen der Krieg auch zwei Generationen später noch nachwirkte. Meine Lyrik ist auch immer ein Stück Verarbeitung dessen.
    Nur weil ich in einem Text vor einigen Jahren geschrieben habe, dass ich als Kind so um die Wendezeit herum Deutschland toll fand usw. (ich war 9! damals und hab Fußballbildchen gesammelt) müßt ihr mir doch nicht immer vorhalten, wenn ich später versuch(t)e solche biographischen Kalamitäten zu verarbeiten.

    Meine Beschäftigung damit, das vorurteilslose, zeitbezogene sich-Einfühlen in Unerzähltes, Verschüttetes, ist Teil der Heilung.

    Comment by Faron Bebt — 27. Juni 2014 @ 13:47

  5. Lieber Faron Bebt, man nimmt dich hier sehr wohl ernst: liest deine Texte, denkt nach. Hingegen nehme ich meine Kommentar oftmals nicht sehr ernst: sie sind nur der Versuch, zwischen den Zeilen zu lesen und voller Selbstironie (ein wenig Narzissmus sei mir gegönnt). Und das Gedicht verfehlt seine Wirkung keineswegs.

    Comment by frau kleist — 27. Juni 2014 @ 14:38

  6. Na, dann bin ich ja Farbbeton-beruhigt.
    Aber bitte keine Hitler-”Witze” mehr, ok?
    Nagut einen noch, denn is aber Sluss:
    https://www.youtube.com/watch?v=hRHhPNzQXHI

    Comment by Faron Bebt — 27. Juni 2014 @ 14:51

  7. na gut, kleist – dann schließe ich mich dem “mea culpa” an, möchte aber f.b. zurufen: psychologen leben vom geld ihrer traumatisierten patienten. sollte der blog dieses alles auffangen? die krankenkasse zahlt bei bedarf 75 therapiestunden. gönnen wir den psychoy ihren lohn!
    by the way: humor, sarkasmus, ironie und eine kleine prise zynismus machen das leben erst bunt! krieg war gestern, bewältigung auch. ein päckchen hat jede(r) zu tragen. eine(r) mehr, ein(r) weniger. what shells?
    ansonsten: immer weiter so, f.b. – auch wenn ich aus beruflichen gründen hier nichts mehr beisteuern kann. meine worte gehen täglich über diverse tische und durch drähte, werden geknetet, geknebelt, ausgespuckt oder gedrechselt. die außerhäusige kreativität bleibt dabei auf der strecke. daher sauge ich hier im blog alles auf und gebe gern meinen senf dazu. gefragt oder ungefragt. und bei steilvorlagen der ollen kleist muss ich einfach annehmen!

    Comment by rapunzel — 27. Juni 2014 @ 18:50

  8. Der Blog soll nichts auffangen, er wird bedacht! Ich war nur der Meinung, man sollte nicht auf Texten rumtrampeln, die vielleicht ein wenig mehr Sensibilität und Kontemplation und, ja, Respekt vertragen. Im Übrigen, Rapunzel, Therapie ist niemals so wie ein Fussballspiel irgendwann zuende, etwa nach 75 Sitzungen und 20 Stunden Verlängerung. Das ist vielleicht soetwas wie ein Vorspiel, bevor die langfristige, (ver)gegenwärtigende Therapie beginnt – und die ist nie einseitigter Natur, sie ist dem Gegenüber ein Geschenk ein Genuß, eine Bereicherung und oft auch -gerade- Therapieansatzhilfe.
    Die Schulmedizin hat dieses gnostisch-humanistische Konzept (u.a. in dem Roman “Und Nietzsche weinte” ganz gut beschrieben), wie mir scheint, nie wirklich antizipieren können und wollen, ebenso sind Experimente mit halluzigenen Drogen, die in den 50er Jahren sehr vielversprechende Erfolge aufzeigten natürlich längst der Behandlung mit dumpf stimmenden Antidepressiva gewichen, während zusätzlich -mantrahafter Leistungsgesellschaftspropaganda sei Dank- vor allem auf die berufliche ‘Reintegregation’ fokussiert wird (wohinein? In vielen Fällen in ein “richtiges” Leben im falschen etwa??). Aus all diesen Gründen wiederspreche ich deiner Sichtweise, wobei ich durchaus verstehen kann, dass du, hättest du noch keine Therapie gemacht, evtl. bei einem Shrink in die Lehre gehen wolltest (SPOILER: die Lehre bestünde, schweineteuer, darin, dass er oder sie bezüglich der wirklich tiefen Verknüpfungen schweigt und du diese ursächlichen Erkenntnisse und Zusammenhänge dir selbst begreiflich machen können werden musst. Käferesk: You can’t buy love – and you can’t buy understanding either but you can enjoy sharing it and getting some in return).

    Ein angedachter Tag

    wirft wage Schatten

    zieht stundend Kreise

    und fast trancendent

    regnet leise Sommer ab

    http://www.youtube.com/watch?v=miy06LgevUo
    (Klangtherapie)

    .

    Comment by Faron Bebt — 27. Juni 2014 @ 20:40

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