[schaumgeboren]

gestern machte vater das tafelsilber
bei an- und verkauf zu geld
und verschwand mit großvaters alter schreibmaschine
mutter weint seitdem ohne unterlass
schriftsteller wolle er werden
verriet er mir in der tür
bis zur straßenecke schaute ich ihm nach
wo eine frau in grünem mantel auf ihn wartete
und mit küssen empfing
ab und zu denke ich
werde ich in die stadtbibliothek laufen
und nach vaters erstem roman fragen

 

 

 

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aus “wie ich schriftsteller wurde”, 2015

 


Dieser Beitrag wurde von Werner Weimar-Mazur am 25. Juli 2015 um 19:19 Uhr geschrieben.

Genre: Trauersymmetrie

2 Kommentare »

  1. das macht bei uns die mutti: schreibmaschinen im gras an feldwegen versenken, vaters letzte ruhe stören (er will seine ruhe haben), den hausmüll extern entsorgen – schriftstellern ist dagegen eine beinahe pietätvolle tätigkeit.

    des nachts werden bäume umgelegt, das haus ist schrott. mit 48 hat man die eltern lange genug gehabt. wir verschwinden rückstandslos in etwas, das wir mit “natur” nur unzulänglich beschrieben haben.

    Comment by frau kleist — 25. Juli 2015 @ 22:28

  2. 1. kategorie: die eltern. meist gehasst, meist geliebt – wir könnten hier ein buch füllen – wir nachkriegsenkel…

    Comment by frau kleist — 27. Oktober 2016 @ 22:30

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