Brennt die Zeitung an!

dein vater ist bekloppt. erst entkalkt er die kaffeemaschine und lässt die tablette drin. dann brennt er die zeitung an. das kleinkind kommt in den laufstall. die hunde von oma haben nicht gehorcht, weder der eddie, noch der purzel oder der lumpi. weil die oma immer diktieren wollte. das haben die sich nicht gefallen lassen. die waren so stur wie ihr frauchen. zur belohnung darfst du den hund ausführen, sagte oma, nachdem wir die botengänge für sie erledigt hatten. und immer war es windig. nachdem die hecke geschnitten war. der kirschbaum, die birken, alles flog im sommersturm zur seite. und dann hatte sie keinen vater mehr. der pflaumenbaum war innen hohl und brach in der mitte durch. am anderen tag sahen wir an den ästen ganze pakete von unreifen pflaumen. kommst du jetzt mit in den laufstall? ein feuerzeug und eine zeitung brauchen wir zum spielen. zum dein vater ist bekloppt spielen. hast du den teller leer gegessen. ich habe deiner oma kostgeld gegeben. für die innereien, die sie meinen jungs serviert hat. bei der oma essen wir nicht mehr. dein onkel sollte gärtner werden. für fünfzig pfennig mussten wir rüben hacken, der junge lag neben mir im kinderwagen. abends, wenn wir fernsahen, kam dein vater immer zu uns im grauen kittel aus der werkstatt. da kuckte der junge hinter dem vorhang. und du hast im auto gesagt, max und moritz wixen auf dem tonberg, ich saß vorne und du mit deiner mutter hinten. und du sorgst für mich. das hat sie mir hoch angerechnet, die mutter blume. deine mutter dagegen hat nicht locker gelassen. ihr dünkel, ihre arroganz, ihr schwarzes haar.

http://www.braunschweiger-zeitung.de/

Dieser Beitrag wurde von frau kleist am 11. Februar 2016 um 19:47 Uhr geschrieben.

Genre: Realitätsschatten

11 Kommentare »

  1. immerhin: schwarzes haar. nicht braun…

    es freut mich, dass mein text gravitationswellen auslöste. erst seit heute sind sie messbar.

    Comment by rapunzel — 11. Februar 2016 @ 20:13

  2. Vergiß nicht, nach Mama zu rufen!

    Comment by supermama — 11. Februar 2016 @ 23:58

  3. vater : ist : bekloppt

    http://www.amazon.de/Entkalkungstabletten-alle-Kaffeevollautomaten-Wasserkocher-usw/dp/B008OY8Q1Y

    Comment by bekloppt — 20. Februar 2016 @ 23:24

  4. das waren noch bessere zeiten: in erinnerung an vater, nah dran an der geschichte, auch emotional, noch irgendwie ein stück zu hause. heute weht ein deutlich anderer wind. wir sind unbehaust. warum?

    Comment by bessere zeiten — 24. August 2017 @ 19:59

  5. weil zuhause keine bude ist, frau labude, sondern ein mensch. sie kennen die dicken brummer? die kommen im herbst rein, weil es zeit für sie ist, feierabend zu machen. sie passen sich dem rhythmus an. labude, labude. dem rhythmus ihrer eigenen art. sobald du aus dem takt bist, ist es mit zuhause vorbei. deshalb kommen die rein. die wollen ein dach über dem kopf, weil ihnen das zuhause in form des alten rhythmusses fehlt.

    Comment by alter rhythmus — 24. August 2017 @ 20:03

  6. da muss ich mal noch was hinzufügen: es war nicht vater allein. vater kam bei dir an, als du deinen rhythmus gefunden hattest. da kam er an. und wollte auf einmal spazieren gehen. kaffee trinken sowieso. mach deinen rhythmus wieder an, und du wirst schon sehen.

    Comment by wieder an! — 24. August 2017 @ 20:05

  7. zuhause also = mensch, rhythmus? also, ich geh mal davon aus, dass du mensch bist, nicht maschine. mensch mit rhythmus. egal ob mensch mit rhythmus oder dicker brummer mit rhythmus. im rhythmus bleiben heißt: mensch oder dicker brummer bleiben oder zebra oder elefant oder borstenwurm oder was auch immer.

    Comment by rhythmus-gruppe — 24. August 2017 @ 20:09

  8. war denn vater im rhythmus, als er die zeitung anbrannte und die kaffeemaschine entkalkte und die tablette drin ließ?

    Comment by das bringt mich zum grübeln! — 24. August 2017 @ 20:10

  9. Eine Herbstfliege summte an dem kleinen, spinnenwebverhangenen Fenster ruhelos. In den verrußten, zerrissenen Netzen hingen ausgezogene Käfer, leere Schmetterlinge, Insektenleichen aller Art. Die Fliege zappelte. Der summende Ton ward hoch, langsam kroch aus einem dunklen Loch eine haarige Spinne mit langen Beinen, fasste die Fliege, senkte ihren giftigen Kiefer in den weichen Leib. Das Summen wurde ganz hoch, der Todesschrei eines kleinen Wesens.

    (Die Wiedergeburt des Melchior Dronte – Paul Busson)

    Comment by crysantheme — 27. August 2017 @ 20:46

  10. Tipp: Den Docht in das flüssige Wachs tauchen, dann lässt sich die Kerze beim nächsten Mal gut entzünden.

    Comment by Leuchtmeister — 1. Januar 2018 @ 23:36

  11. Brennt sie an!

    Comment by Brennt sie an — 1. Januar 2018 @ 23:36

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