Lebenslügen

Die Glückszustände werden rar,
Leiber sind wir, voll des Schmerzes,
Ertrinkende im Meer des Daseins.
Wir glauben es nicht.

Der Preis ist hoch:
Leben ist Verzicht, Verzicht ist Leben,
vorsorglich versichern wir uns
goldener Tage. Uns bräche das Herz,
nähmen wir kommende Entsetzlichkeiten
zur Kenntnis.

Erinnern einzig,
mit dem Blick auf die Erde, auf die wir
einst kamen. Unsere Lebensreise
ist nüchtern, auf Vorteil bedacht, leer
wie unsere Hände.

Wir sind auf der Flucht,
gefesselt an die Last verworfener
Einsichten, wir gehen unsere Wege, aber
wer weiß schon,
wohin.

Dieser Beitrag wurde von Antigone am 16. April 2016 um 04:20 Uhr geschrieben.

Genre: Realitätsschatten

2 Kommentare »

  1. Wer ist “WIR”? Das ist mir dann doch zu pauschal. Weder bin ich auf der Flucht (nicht mehr), noch war meine bisherige Lebensreise nüchtern. Ich bin nicht WIR. Meine Empfehlung: weg mit den Kategorien und Zuordnungen. Dann kommt es dann doch so rüber, wie es bestimmt angedacht war: nachdenklich, nachhallend und nicht moralisierend.

    Comment by Rapunzel — 16. April 2016 @ 09:04

  2. Hallo Rapunzel,

    dankeschön fürs Reinsehen. Was das Wir in der Lyrik angeht, so wird das häufig benutzt, sogar schon im Volkslied und auch im Kirchenlied, und selbst da würden nicht alle jedes Wir auf sich selbst beziehen.

    Die Personalpronomen Ich, du, wir, ihr übernehmen in der Lyrik eine bestimmte Funktion. Genauso wie das Ich nur in ganz bestimmten Gedichten das Autoren-Ich ist, so meint das Wir auch nur in ganz bestimmten Gedichten einen umfassenden Plural. Wenn du dich nicht dazugehörig fühlst, dann ist das ja in Ordnung. Es zeigt mir aber auch, dass du mit der Aussage des Gedichts nicht einverstanden bist. Das ist ebenfalls dein gutes Recht.

    Antigone

    Comment by Antigone — 16. April 2016 @ 13:36

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