Verzicht

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Jede Sprache ein neues Gewächs. Esther hatte schöne Brüste. Nur verfielen sie jetzt allmählich, ihr mittleres Auge dem Boden zugeneigt. Wo, um des golden Gottes Willen, war ihre suprapositive Position hin. Eine Literaturdozentin stand Modell. Ihr Lebenskleid war verschlissen. Gab den Pass ab für seine nekrophile Linienkunst. Die er pflegte, striegelte, indem er das Kaninchenfell, das Fuchsfell Esther um den Hals legte, die spitzen Fellfinger pinselten die Haut und an den Schultern brannte die Luft aus seinem Mund, hingen die Ausdünstungen aus seinen Bronchien. Oh. Oh, Verzeihung. In der Tür steckte, ach, Esther piekte immer Nadeln mit bunten Köpfen in das morsche Holz, in der Tür, da steckte der Zettel. Wahrscheinlich glaubte sie es. Weil, es betraf ja nicht Esther, sondern, sondern – ach, sie hatte Besuch, ja, solch einen Besuch, ein tintenblaues Narkotikum, Sonntagnachmittags, ein Zeitraum wie auf einem Bild von Magritte. Weiße Pforten zu einem blauen Salon. Auf der Treppe war er schon halb eingeschlafen, nicht angekündigt. Wasserglucksen aus den Rohren im Hausflur, dunkles, abgenutztes und bestaubtes Geländer, die Stützpfosten gewundene Schneckenhäuser, aufgeribbelt, nach oben gezogen, dass sie aussahen wie eine Spirale. Kleidete Esther sich Handschuhe auf die Finger, jeden Finger hat sie einzeln bezogen wie ein Kissen. Rücksichtslos. Sie verzichtete heute aufs Geld.

Dieser Beitrag wurde von crysantheme am 13. Juli 2009 um 16:22 Uhr geschrieben.

Genre: Trauersymmetrie

7 Kommentare »

  1. sehr schön!
    aber bitte keine “wie”-Vergleiche!
    sonst perfetto!

    Comment by Herbie — 14. Juli 2009 @ 16:03

  2. Es ist realistisch, und ich wre sehr daran interessiert zu hren, ber Ihre Energie-und Fitness-Stufen …

    Comment by Iam-New-mailorderbride — 15. Juli 2009 @ 11:05

  3. Siriin stand auf 3 Beinen. Das 4. hatte sie eingebüßt. Ein Unfall. Sie spürte das Fell am Hals, wie es juckte. Rührte sich nicht von der Stelle. Als das Klopfen an ihrer Tür stärker wurde, bewegte sie den Kopf und sah zum Fenster. Die Kette war zu Boden geglitten, der Lippenstift vom Tisch gerollt.

    Comment by fryxell — 15. Juli 2009 @ 12:39

  4. o bald müssen wir eine rubrik für die verlorenen chrysantheme-texte einrichten, mitsamt aller drei kommentare…

    Comment by waste — 15. Juli 2009 @ 15:57

  5. Was sind verlorene Texte ? Ich kenne nur verlorene Schlüssel, verlorene Schlachten, und völlig verlorene Liebsmüh, mitsamt den verlorenen Worten,( und der Dativ ist dem Genitiv sein Tod ).

    Comment by Schlüsseldienst — 16. Juli 2009 @ 22:30

  6. Was sind verlorene Texte ? Ich kenne nur verlorene Schlüssel, verlorene Schlachten, und völlig verlorene Liebesmüh, mitsamt den verlorenen Worten,( und der Dativ ist dem Genitiv sein Tod ).

    Comment by Schlüsseldienst — 16. Juli 2009 @ 22:31

  7. wie-protokoll

    jede. brüste. nur wo: seine. ausdünstungen, oh-oh. nadeln in m_rgritte. bilder, aufgeribbelt. finale begegnung-_minor major :plong!

    Comment by schach schüsse schachten — 27. Juli 2009 @ 21:55

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