kapitalismus + tagsüber

ich fahre mich von mir weg + im auto
wird die nacht zur hölle + bisweilen
blitzen + wie feuer + scheinwerfer
im spiegel auf + kalte gesichter
blicken fahl + auf den parkplätzen
sammeln sich die kolonnen + hier ruht
der kapitalismus + tagsüber rollt er
überrollt mich + ich fahre mich
weg + verliere mich im auto + finde
im zug zu mir + das ist der unterschied

Dieser Beitrag wurde von Nurio Quevadis am 25. Oktober 2009 um 18:54 Uhr geschrieben.

Genre: Realitätsschatten

5 Kommentare »

  1. Die Schweizer Luftwaffe war ausgeblieben. Am Himmel nur ein kleines graues Wölkchen, sonst bläuliche Farbe. Ein Wachbataillon rumpelte seine Möbel über die Dielen in der Wohnung drüber. Leonores weiche Haut über spitzen Knochen roch verheißungsvoll. Ihr Parfum, femme, erinnerte mich an die welken Gärten von Père Lachaise.

    Comment by frau kleist — 31. Oktober 2009 @ 16:26

  2. Unbeleuchtetes Erleuchten: Der Inskriptionen-Wikipedia.

    Wer zum Beispiel ist…

    … Nicolas Verve? Eine Figur, die sich ab und an durch die “Inskriptionen” bewegt hat. Eine Verehrerin nannte ihn den blonden Bryan Ferry. Was es damit auf sich hat? Die Geschichte wurde nicht geschrieben – höchstens angerissen, nie so recht fortgeführt und nie beendet. Anstößig kann man diese textliche Abzweigung zwar nicht nennen, doch war wohl hier eher Stillschweigen angebracht. Gehört er möglicherweise in den Diskurs der “b. Bataillonen”? Wohl kaum. Das wäre anstößig. Auch wenn Harald Sch. einst ein Duschgel namens “fachiste” bewarb (ich meine das in den Nüancen “Sachsen” und “Sachsen-Anhalt”.) Manche Figuren, die sich mit N. Verve beschäftigen, haben offenbar Hand an sich gelegt, so Louise, Vica, Vici… es liegen uns jedoch keine Repliken und Nekrologe vor. So weihen wir ihn den Refugien des Poststrukturalismus, die sich öffnen und schließen – wie Münder, wie Gräber und Gräben.

    Comment by crysantheme — 31. Oktober 2009 @ 18:28

  3. Vica, Vici … ach Gott, was bist du groß unter den Gipfeln des Schnees. Und der Alte hätte nie gedacht, dass er noch einmal genötigt sein würde, vom Berge herab zu steigen. Dieser Alte vom Berge. Die Sinustafeln waren lang schon zerbrochen, die Logarithmustabellen lagen unversehrt, aber staubbedeckt unter den schwarzen, hängenden Lidern des Schlafs und du – du sehntest dich noch immer nach seiner Liebe. Dieser Liebe, die einer Idee aus dem Leben von Paul Erdös ebenbürtig war. Ich ging der Idee nach. Andrjuscha hatte einmal behauptet, die Menge der Folgerungen aus der dritten Wurzel einer spontanen Idee sei im Bereich des Komplexen garantiert überabzählbar. Ich konnte die Behauptung lange nicht nachvollziehen. Ich wollte mir nicht des Cantors Zorn zuziehen, ich respektierte den natürlichen Charme seiner Diagonalen. Aber irgendwie kam mir das Ganze doch etwas schräg vor.
    Eines Morgens dann, kurz vor dem Aufwachen, traf es mich: du lagst zufällig neben mir, und überzufällig warst du schon wach. Ich wollte noch ein winziges Viertelstündchen von dir träumen. Ich drehte diesem vorlauten Wecker von Hahns charmantem Gewölle seinen Hals um und schien ihn damit spontan glücklich zu machen. Sokrates grinste dazu: “Nanu, glaubst du denn immer noch an Opfer?” Ich wollte nur an die einfache Wurzel aus zwei denken, wenigsten an die ersten fünf Ziffern nach dem Komma, und da sah ich es überdeutlich vor mir. Alle Folgerungen waren hier nur noch eine einzige Folge der Leere. Kitesh Alvaro stöhnte auf. Es klang wie Musik in meinen Träumen. Die Ohren sausten.
    Ach Gott, was ist sie groß geworden. Und ich hätte schwören mögen, die Zeit sei bereits im November 38 stehen geblieben.

    Comment by Tan Go Tan — 31. Oktober 2009 @ 22:11

  4. … toutes les allemandes sont mort. (Vica)

    Ich sehnte mich nach dir. Ich holte auf meinem Weg in die Einsamkeit die spitzesten Bergränder ein. Ich schnitt die Finger auf an ihnen. Ich kratzte mir Eis von der Stirn. Wollte meine Identität löschen, um dir nahe zu sein. Wie nahe wollte ich dir sein. War doch nur eine Frage des Reizes, der mir Übelkeit signalisierte, sobald ich zu häufig an dich dachte und mir dabei die vereisten Bergränder ins Fleisch trieb, an denen ich saß, ich spürte die Möglichkeit des Fallens, die Hirnmasse, die Fingerspitzen, feste Wangenknochen, Gallenblase, Lungen und Haut. Eingeweide. Geschlechtsorgane, wo sie dann wieder austraten. Mein Körper sehnte sich nach weichen Federbetten, nach himmlischer Kleidung mit einem Hauch Brokatimitat, den Filetspitzen aus vanilleweißem Garn. Einer bis ins Knochenmark dringenden Erschütterung, Orpheus Flöte im Drachenberg. Konntest du deiner Vica bis dorthin in die Augen sehen? Da, wo ihre Geschichten sich kreuzen? In tellergroße Schwärze?

    Comment by Vica — 1. November 2009 @ 14:37

  5. …vse zensiny etogo mira ljubjat kosmetiku.

    Zwei Körper, lagen wir in unseren Hüllen auf der Suche nach etwas, fast Organansammlung in den Zeiten des Glücks, eher noch getupftes Gemälde in den Farben der Abenddämmerung. Ich wartete zitternd auf den Morgen. Etwas lag in der Luft, streng geteilt. Dein rotes T-Shirt, das erste was ich an dir wahrgenommen hatte, lag tief vergraben. Tellergroße Augen – so blickte die winzige Narbe an deinem Ohr mich an. Intuitiv wusste ich: Dieses Rot würde einmal den Gipfel der Mode erklimmen, so wie alles emporgehoben wird, dessen spezifisches Gewicht sich unter das Niveau kochender Luft gehungert hat. Allein, mir wurde kotzübel vom bloßen Denken. Daran, es würde nicht die Bohne… “Deine blauen Augen machen mich so entimental…” … Wenn sich der Freund plötzlich als Freund zeigt, also nicht freundlich, sondern eben plötzlich, weder Freund noch Feind, einfach so, dann lad ihn ein zur Wanderung in die Berge: Wenn es Herbst wird, könnte Schnee fallen.

    Comment by Zhenja — 11. November 2009 @ 10:41

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