Chorin (4)

Chor

Abschluss sieben Zwölftel, selten
gebaute Version. Ob
das wohl die Idee
einer Stimme war, einer
Stimme inmitten?

Interferenz eines Glocken
tons, dem die Glocke
abhanden kam,
mit einer Kammer -
Zelle genannt?

Oder Superstrat
wilder Gänse in
mitten dieser Landschaft,
Richtstätten hinterm
Tanzplatz in den Lüften?

Kondakion
einzig, Teil
einer übergreifenden
Erzählung, Erzählung aus den Lüften.

Nach dem siebten beginnt
etwas Neues: Wandel
gang, zur Treppe
aufgetürmt!

So steigt diesen Weg empor,
denn
das Wesen
will diese Welt erlösen,
steigt auf bis zur Dreizehn

und verabschiedet es, auf dass
im Gedächtnis es
blühe,
wirke &
gut uns beschließe.

Sieben Zwölftel, ein Problem:
das Zwölfte als
die Mitte zwischen gestern
und morgen, Mittag
fortschreitender Addition? Oder
waren es immer schon
die Elftel, auser
sehen der Dreizehn
annähernd
Paroli zu bieten?

Dieser Beitrag wurde von J. W. Rosch am 16. September 2016 um 20:23 Uhr geschrieben.

Genre: Realitätsschatten, Rezensionen

9 Kommentare »

  1. Manche Leute haben Kopfweh bei Wetterwechsel, ich bei diesen Zeilen, bei denen man scheinbar einen MatheAbiLeistungskurs benötigt. Da ich allergisch gegen Aspirin bin, hilft nur eine Auseinandersetzung. Und siehe: Es tut gut! Auch wenn dabei die halbe Nacht draufgeht. Das ist es mir wert, Prosa light gibt es ja hier im Blogg zuhauf…

    Comment by Das literarische Forum — 17. September 2016 @ 12:00

  2. Da gebe ich Ihnen mal recht – Lyrik ist das jedenfalls nicht. Eher etwas für Leute, die sich der Zahlenreihe von 1 bis 100 versichern wollen. Herrliche Schnickschnack-Zeilenbrüche zudem. Was will uns der Dichter sagen?

    Gruß, Antigone

    Comment by Antigone — 17. September 2016 @ 17:09

  3. Na, liebe Antigone, da raucht das kleine Köpfchen… Nicht alles ist so einfach wie das reale Leben. Schade nur, dass Sie sich noch nicht einmal die Mühe machen, diesen Hochkaräter zu verstehen. Perlen vor die Säue.

    Comment by Das literarische Forum — 17. September 2016 @ 17:46

  4. Wenn Sie das als Hochkaräter bezeichnen, dann habe schon mal eine ungefähre Vorstellung davon, was für Sie kein Hochkaräter ist. Ich habe schon genug “Experimentelles” gelesen, um zu wissen, dass es dabei vor allem um Beliebigkeit geht, um Dinge, die mit der Wirklichkeit, in der wir leben müssen, absolut nichts zu tun haben, die also allerhöchstens “hochgeistige” Lyriker interessieren, um bürgerliche Dekadenz. Und da wundern wir uns, weshalb sowenig Lyrik gekauft wird und die Lyrikbände aus den Buchhandlungen entweder ganz verschwunden sind oder von ihnen ganz oben, unerreichbar für den Käufer, gelagert werden, besser: abgelagert werden. Weil sie nichts mehr mit dem Leser zu schaffen haben, auf den sie ja eigentlich zielen müsste, die gute liebe Lyrik.

    Ich habe nichts dagegen, etwas auszuprobieren, die Sprache auf Biegsamkeit zu testen usw. Habe ich alles schon hinter mir. Aber vielleicht unseren Experimentierern ins Poesiealbum: Literatur ist immer Ausdruck des Zeitgeistes. Und gute Literatur ist dem Zeitgeist immer einen Schritt voraus. Wenn die sogenannte experimentelle Lyrik dies von sich behaupten kann, bin ich gern bereit, auch sie zur Lyrik zu zählen.

    Gruß, Antigone

    Comment by Antigone — 18. September 2016 @ 03:00

  5. Ha, mal wieder jemand, der sich die alte Jacke aus Gemeinsinn angezogen hat – und wirklich freiwillig?!

    Was ist ein Vers?

    Ein Gleichgewicht vielleicht
    zwischen Poesie und Prosa
    unter der
    Voraussetzung, dass
    beides nichts
    aber auch gar nichts mit
    einander zu
    tun hat

    Der Vers: eine energetische Einheit
    fast
    wie ein Name Gottes

    hat mit Reim und Strophik zunächst
    gar nichts zu tun, pure
    Gliederung der
    Anschauung a priori

    Tynjanow lesen: Das Problem
    der Verssprache, Kapitel 1.
    1923

    Längst übersetzt
    ins Gemeingut, all

    Comment by J. W. Rosch — 18. September 2016 @ 21:02

  6. W. Rosch, wenn ich ein ordinärer Mensch wäre, würde ich sagen: Hier spricht der Spinner. Ich bin es aber nicht und denke mir das folglich nur.

    Gruß, Antigone

    Comment by Antigone — 19. September 2016 @ 06:45

  7. Ergo: Sie sind es, grammatische Tricks hin oder her.

    Aber: was meinen Sie mit Spinner, abgesehen vom Versuch einer Nichtbeleidigung?

    Seide, Raub-… spinne – eine Art Tier also?

    Oder gar Elementarteilchen, charm & spin ?

    Comment by niemand — 19. September 2016 @ 09:29

  8. Liebe Antigone, gerade Ihnen, die sich doch einen so hochtrabenden Namen zugelegt hat, dürfte der Ausspruch Descartes’ bekannt sein: Ego cogito, ergo sum. Bitte überprüfen Sie daraufhin Ihren unrunden Kommentar mit der Aussage “Ich bin es aber nicht und denke mir das folglich nur”.

    Comment by Rapunzel — 21. September 2016 @ 12:59

  9. Nachtrag: Vers, Verssprache, Sprache des Kinos – alles Metaphern? Kann sein, aber dann bitte als Annäherung an das Thema! Lyrik im Quadrat – das ewige Einerlei. Gerade in Deutschland – - sind in einigen Landstrichen vielleicht Germanisten die einzigen, die sich nicht langweilen beim Anblick von: Lyrik. Ohne Anführungszeichen. Lyrik wie DDR oder Lurijas Erben. Und nebenbei; vielleicht : ein BOLZEN aus BOZEN – - – “Im Jahre 2023 gelang es Forschern im dem Genfer CERN angegliederten FFIfMuaB (Freies Forschungsinstitut…andere BioLogie) nach jahrelangem vergeblichem Bemühen, das Gen B612CteeAhaA ans andere Ende der komplementären D3X-Sequenz, des sog. Mitochondrienabbaublockers, zu verpflanzen. Der Wissenschaftsjournalist T.U.Mors kommentierte das als Sensation: O-ton : ‘Endlich hat die Menschheit ihr Glücksgen gefunden!’ Vor 2023 hatten die meisten Forscher noch angenommen, Subjekt und Objekt des intrazellulären Reduplikationsprozesses seien von so verschiedener Natur wie Körperlichkeit und Denken. Noch einmal U.Mors : ‘Wenn ich nicht Thomas heißen würde, bliebe kein Zweifel an der Bedeutung dieser Entdeckung. Selbst unsere Namen lassen sich nun in chemische Bausteine unserer Lebensplanung verwandeln; ISS HEUTE WAS DU MORGEN SEIN WILLST! Denk, aber iss!! Was den Menschen bisher nur als Altersweisheit unzähliger ausgestorbener Generationen vermittelt werden konnte, wird künftig der individuellen (!) Erfahrung jeder/s Einzelnen zugänglich gemacht werden können.’ Voraussetzung dessen, setzte der verantwortliche Redakteur der wissenschaftskritischen Literaturzeitschrift Dschummhürri-Klett hinzu, sei aber, dass die UN-Vollversammlung auf einer der nächsten Sitzungen ihre Geschäftsordnung in der Richtung ändere, dass die Toilettenbenutzungen eines Vertreters aktuell streitender Parteien als Meinungsäußerung auch ins Protokoll aufgenommen werden. Politkommentatoren versprechen sich davon eine qualitative Verbesserung der die Jahrhundertplanungsprozesse tragenden Informationsverarbeitung.” (adn-dna) Letzter Zusatz: Mors war durch eine selbstverfasste Familienchronik bekannt geworden, in deren Mittelpunkt das Vermächtnis eines zu Beginn des Cinquecento hingerichteten Intellektuellen steht, der “seinen Nachkommen ins Stammbuch geschrieben”: ‘Ich lebte, lebe noch und werde leben. Wenn ich nicht schon gestorben wär’, könntet Ihr Euch ewig mit mir unterhalten.” Das Besondere an der Familiengeschichte war, dass der witzige Spruch zunächst nicht als das erkannt worden war, was er wirklich ist: eine Drohung

    Comment by J. W. Rosch — 23. September 2016 @ 09:48

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