b

fließen stimmen den abhang der zeit hinab
drängt gedankenschutt zu tal
im netz der landschaft
verfangen sich die letzten flüssigkristalle
einer früheren epoche
geh ich den weg der monde und gestirne
sind sanduhren gefüllt mit falterstaub
erinnerungen einsamkeiten
schwarze löcher
bleibst du bleibe ich
stehen
staunen wir
fülle ich noch einmal die zeit mit moränen
rotkehlchen gesängen stille
stille
so groß wie zwei karseen im winter
so weit die arme reichen
die hände begreifen
deinen leib unter schnee
den amselleib
lass die haut blühen im frühling
mit den himmelsschlüsseln
buschwindrosen auf rabatten zwischen kieswegen
und mauern
zählen wir magnetisch im schwerefeld der liebe
21   22   23   schatten legen sich neben uns
durchschnitten von einem strom aus stimmen
können wir durch glas gehen
mit den zugvögeln kehren die raketen zurück
die flakgeschütze landminen kindersoldaten
in aussichtslosen stellungen an einem abhang
reicht weit der blick über nomadenzelte

Dieser Beitrag wurde von Werner Weimar-Mazur am 30. September 2016 um 21:20 Uhr geschrieben.

Genre: Trauersymmetrie

2 Kommentare »

  1. Ein beeindruckender Text. Die Worte transportieren Gefühl; sogar ihre Form, also die durchgehende Kleinschreibung, die ich auf den ersten Blick als penetrant empfand, trägt letztendlich zu dem stimmigen Gesamteindruck bei. Eine bildhafte Sprache, dann Brüche, es ist als ob eine Ahnung den Leser über den Text leitet. Sehr gut.

    Comment by Faron Bebt — 2. Oktober 2016 @ 17:49

  2. Vielen Dank! Es freut mich, dass es ankommt.

    Comment by werner — 15. Oktober 2016 @ 15:50

RSS-Feed für Kommentare zu diesem Beitrag.

Hinterlasse einen Kommentar