ulrike | katharina

ulrike hütet die stimmen von tieren
die wie menschen sprechen
in der nacht träumen die tiere
von raubmenschen die den schlaf bewachen
ulrike hütet auch die blicke von pflanzen
die menschen beobachten
in einem netz aus spinnenfäden
verfangen sich die seltsamsten wesen
steine eine hand voll erde
ganze meteoritenschwärme

katharina trägt ihr neues kleid und high heels
bei einem meeting will sie
einen text über die erträge des lyrischen ausdrucks besprechen
auch onkel wanja wird kommen
und fragen ob sie den sommer mit ihm
auf seiner veranda verbringen will
bei limonade guten gesprächen
und den immer erneuten blicken
hinaus auf die weizenfelder
und den wald am anderen ende der landschaft

katharina liest aus ihrem geld
poesie erfährt plötzlich einen mehrwert
ulrike zieht mit einer roten basecap
und einer flasche absinth in den wald
mitten durch ein wiederansiedelungsgebiet für wölfe
für großmütter gibt es so etwas nicht
in den netzen zwitschern die vögel
und kleintierjäger schmücken sich mit trophäen
ratten und wanzen
aufgespürt von einer meute unbemannter drohnen

katharina berichtet davon bei einem meeting
sie sagt sie hätte noch nie
so viele unglückliche zuhörer gehabt
und am ende liest sie
einen brief von ulrike vor
die weilt schon wieder in indien
oder kasch mir

Dieser Beitrag wurde von Werner Weimar-Mazur am 30. Oktober 2016 um 12:24 Uhr geschrieben.

Genre: Erinnerungsbrösel

6 Kommentare »

  1. …es gibt kaum noch gedichte ohne alkohol…

    aber ist das hier ein gedicht? ein ver-dichtetes märchen? ein auszug aus einem mädchen-almanach? ich tippe darauf, dass der autor einen fetisch hat: frauen (also wenigstens zwei, gern im jugendlichen nichten-stil, in roten highheels vor der tapete mit dem röhrenden hirsch, you can leave your hat on.
    so in etwa…

    Comment by rapunzel — 1. November 2016 @ 20:40

  2. klar absinth! 1:0 für Dich. ich würde es schon ein gedicht nennen?! es ist zwei deutschsprachigen gegenwartslyrikerinnen gewidmet, die mich mit ihren neueren Gedichtbänden, ihrer Art zu schreiben und ihren Auftritten bei Lesungen im November 2015 beeindruckt bzw. inspiriert haben. Eine von ihnen hat mir am vergangenen Sonntag erst einen Kurzkommentar zu diesem Gedicht zukommen lassen, den ich an dieser Stelle gerne teilen und als externen Kommentar zitieren will:

    “Das ist schön, lieber Werner. Und ich erkenne Katharinas und meine Art von Dichtung in Deinen Bildern wieder. Und gleichzeitig klingt es ganz nach Dir. Ein Dreiertreffen! Danke für dieses schöne Gedicht!” Ulrike Almut Sandig, 29.10.2016

    und auch klar: das entschuldigt und rechtfertigt nichts.

    Comment by werner — 1. November 2016 @ 22:42

  3. Uups. Da sieht man mal wieder, wie wichtig die Hintergründe zur Textentstehung sein können. Nun lese ich das nochmal (…und gehe davon aus, dass sich Ulrike und Katharina ob meiner Deutung ins Fäutchen lachen). Tut mir leid.

    Comment by rapunzel — 2. November 2016 @ 08:32

  4. niemand lacht, ist in ordnung. ein text muss auch ohne kommentar bestehen können. tut er es nicht, taugt er nichts. sei weiter ganz frei und dein kopf auch und unvoreingenommen gegnüber dem text.

    Comment by werner — 2. November 2016 @ 20:23

  5. es ist eine verk(n)appte erzählung. von zwei personen die offenkundig einander unsympathisch sind.

    Comment by crysantheme — 3. November 2016 @ 21:04

  6. hintergründe zum text sind lediglich für germanisten interessant.

    Comment by crysantheme — 4. November 2016 @ 08:52

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