Biologie

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Seine Beine sahen aus wie die einer Giraffe, so unbeholfen lang und dünn, wenn er tanzte. Die Anzüge, die sie ihm geschneidert hatten, waren für ihn zu weit, an Armen und Beinen zu kurz. Weiße Socken trug er dazu und schwarze Schuhe. Und ständig musste er aufpassen, dass er sein Haar nicht derangierte. Seine Gesten gaben ihn der Lächerlichkeit preis. Doch sein Gesicht war ihr Typ, ihr Herz eine Thermokanne. Bevor er Geld verdiente, trug er ausgeleierte V- und Rollkragenpullover, billige Secondhand-Klamotten, weiße Hemden mit unmöglichen Figuren bestickt. Damals, als er ein schüchterner, pickliger Junge war.

Sie hörte ihn reden mit leiser Stimme, als müsste er sie für später schonen, sie meinte, er hätte da etwas an den Nebenhöhlen und vielleicht schiefe Zähne. Ihr fiel auf, dass seine Stirn ein wenig glänzte und seine Unterarme im Vergleich zum restlichen Körperbau zu kräftig waren. Offenbar wirkte sich der Sport, den er trieb, nicht auf alle Muskelpartien gleichmäßig aus. Woher nahm der picklige Junge seine Vision und schaffte es, über seine Schwächen hinweg zu spielen, so als sei diese naive Schuljungenhaftigkeit der beste Weg, sich anzupreisen? Ihre Liebe zu ihm war noch durchlässig. Körperlos. Geruchlos. Ohne Schweiß und das Schnarchen neben ihr. Ohne Pyjamas.

Dieser Beitrag wurde von crysantheme am 27. Januar 2010 um 23:35 Uhr geschrieben.

Genre: Trauersymmetrie

1 Kommentar »

  1. Masse aus Personen des einfachen Volkes bzw. eine sich zusammenrottende Menschenmenge mit überwiegend niedrigem Bildungs- und Sozialniveau (abwertend auch gemeines Volk, Pöbel, Plebs. Ohne uns wäre das hier ein Schlafwagen.

    Comment by frau kleist — 14. Dezember 2016 @ 22:28

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