Shrimps

Ein Zeichen.
Kurz vorm Verblassen
des Zimmers.

Er ging zu den
Fenstern um
sie zu schließen.

In Messingständern
Kerzen, gezündet
gelangweilt, dumm

sein Plagiat,
Fischsauce
mit Shrimps,

der Nachdruck
von Original und Kopie.
Die Zunge trennt
Hühnerhaut
von Fleisch.

Beherrscht, der
Junge an Eduards
Seite so
hervor
ragend ver-
knöpft mit
dem Bild

einer
eingelegten Olive,
dahinter nun
angenehm der Geruch
von Vetiver.

Dieser Beitrag wurde von crysantheme am 19. Februar 2017 um 00:51 Uhr geschrieben.

Genre: Gemütstiefe, Rezensionen

11 Kommentare »

  1. sein Plagiat,
    Fischsauce

    oder die kleinen
    gelblichen

    ähren

    ohne
    zeilenbruch

    Comment by niemand — 20. Februar 2017 @ 08:58

  2. “sein Plagiat”,

    das scheint in die Tiefe des Texts zu führen. In einer Gerichtsverhandlung, und sei es auch nur auf der Bühne in Plagwitz, wäre es erläuterungsbedürftig. In einem Text der Kategorie Gemütstiefe kann es dagegen als subjektiver Ausdruck von Betroffenheit, vielleicht nach Art eines deja-vu-Erlebnisses gelten;

    “der Nachdruck”

    passt demnach zur ganzen, hier eindeutigen Zweideutigkeit von “Fischsauce/ mit Shrimps” einerseits und “Original und Kopie” andererseits.

    (Selbst)-Kontrollfrage: Ist dieser Kudder schwimmfähig?

    Comment by Kritiker — 25. Februar 2017 @ 10:50

  3. Bös man Schlag, würd ich sagen. Komm man runter vom Pott, Deern, dat ward nix mehr.

    Comment by Hein von der Waterkant — 26. Februar 2017 @ 11:32

  4. “Die Zunge trennt
    Hühnerhaut
    von Fleisch.”

    Auch hier dieselbe Zweideutigkeit, und die iss groß, Mann

    Comment by nej man — 26. Februar 2017 @ 22:25

  5. So? Bei mir sinds man die Hände. Zupacken statt rumzüngeln.

    Comment by Hein von der Waterkant — 28. Februar 2017 @ 09:14

  6. L’art pour l’art

    Hyazinthe, die Hyäne
    unter den Blumen
    namen

    Kraft
    weder durch Freude
    noch Wahrheit -

    ein Würfelwurf
    Toute Pensée émet
    nur

    Comment by chlebnikov — 28. Februar 2017 @ 09:55

  7. Das Rauschen des Stand-by. Dresden ist die barocke Stadt. Die Neustadt ist anders, industrieller, mit mehr Jugendstil und Mietskasernen. Die Straßen sind gerade, stromlinienförmig, es gibt auch runde Plätze. In der Nähe sind Berge, die Elbhänge. Man kann mit der Seilbahn zum weißen Hirsch hinauf fahren. Doch das werden sie wohl eher selten tun. Sie gehören in die Stadt, sie sind nur situativ dorthin platziert, Dresden ist für sie ein Zufall, eine momentane Konstellation … Obwohl ihre Mimikry zuweilen fast perfekt ist. Eduard fühlt sich wie ein Hampelmann in der Rolle des Testers. Nüchtern analysiert er, schaut auf Esther und wie gut sie sich als Modell eignet. Den Augenblick bezaubern! so zu Pferde sitzen wie der der schon gesiegt hat.

    Comment by Trambahn, unveröffentlichte Notizen — 28. Februar 2017 @ 20:58

  8. Also Esther und Eduard mögen das alte Dresden vielleicht, weil es nur noch in der Erinnerung lebt und auf Bildern. Sie siedeln sich an wie Schimmelpilze, dazwischen, im Halbdunkel eines sehr konventionellen und bekannten Museums, eines schönen, fast heiligen Museums, in das Menschen aus aller Welt zu Besuch kommen. Aber noch sind sie einander fremd. Betrachten einander mit Abstand. Sind sehr verschieden und spüren das. Doch zugleich haben sie von Beginn an das Gefühl eines Komplotts. Oder besser, Esther hat dieses Gefühl. Eduard wird es anders beschreiben, er wird vielleicht denken, uns drängt eine gemeinsame Idee, eine Idee von der er vielleicht nichts weiß. Es offenbart sich in Andeutungen, in Gesten, beim Gang durch die Galerie, der anfänglich ein wenig staubig und schüchtern anmutet, so als trauten sie einander nicht. Warum sollten sie auch. Sie hatten gesagt, es sei ein Versuch. Und ob er gelingt, entscheiden nicht sie, das wissen sie beide von Anfang an. Wir wissen, dass Räume verletzlich sind. Unser Versuch ist es, dennoch und gerade deshalb zu lernen, jederzeit und immerwährend darin zu lustwandeln, immerwährend, nimmermehr. Viel Übung ist dafür notwendig, viel Übung und Selbstüberwindung oder ihr völliges Gegenteil. Etwas erfinden, worin die Zeit langsamer vergeht.

    Comment by crysantheme — 28. Februar 2017 @ 21:56

  9. Auf der Rückfahrt nach B. schnell mal aussteigen und durch die heiligen Hallen hindurchwandeln. Im Rücken die Indianerfelsen beidseits des nach Nordwesten abfließenden Stroms, noch weiter hinten den Altstädter Friedhof unter der Königsburg – zwei Wochen aus Büchsen mit Brot, dessen tauschwertige Materie immer mindestens zweimal umgedreht worden war, bevor das Korn den Hammer im Kopf dann endlich anwerfen durfte. Das anfängliche Frieren hatte sich schließlich doch noch in Sommer verwandelt. Die vom Rucksack abgeschnürten Schultern hatten sich dafür angefühlt wie Hände, die versucht hatten einen eigenen Schneeball zu formen aber binnen Sekunden selbst vereist waren, und nun waren endlich diese ganzen Büchsen daraus verschwunden. Waren es fünf oder zehn Kilo in zwei Wochen? In den Hallen hier war es gleicherweise kühl und angenehm warm. Er hing endlich einmal wieder frei in den chronisch zu engen Jeans, sein hautenger, hochgeschlossener Pullover erregte zusammen mit der schwer flatternden Hose einen permanenten Luftstrom von Blicken.
    Während sein Begleiter direkt nach Hause weiitergefahren war, beobachtete er scheu, wie die Leutchen im Pulk der Madonna die endlich sichtbar gemachten Füße küssten und studierte im Nebenraum die Ecke der gemalten Fliesen, das ewige Schachbrett des Auges in seiner ganzen Melancholie, die dem ansonsten leeren Raum notwendigerweise zueigen ist.

    Comment by mit 16 — 1. März 2017 @ 11:05

  10. Mit “B.” könnte auch Braunschweig gemeint sein, denke ich, sobald ich das lese. Ich lese automatisch immer: “In Braunschweig schnell mal aussteigen”. Da, ich tat dies, öfter.

    Comment by crysantheme — 14. Dezember 2017 @ 14:27

  11. Den Augenblick bezaubern! So zu Pferde sitzen wie der, der schon gesiegt hat. Eine die Zeitachsen überschreitende Wirklichkeit.

    Comment by Das war für Dich, aber Du kapiertest es nicht. — 14. Dezember 2017 @ 14:31

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