Einem Grashalm

gerecht zu werden
ist keine Sache,
so scheint’s. Doch

wer vermag Wasser- und Fluten-
den Schwaden, Draht- und
Rasenschmiele, Weiche
und Wehrlose Trespe, Weißes

Straußgras von Gemeinem
oder Kamm- und Borstgras
zu unterscheiden? Reit- und
Riedgras, Fuchswedel und
Bärenfellgras, Wiesenschwingel

und Wiesenschweidel? Vom
Honiggras Wolliges
und Weiches von Simsen oder
Binsen? Sieht den Bau
des Halms, Rillen
und Riefen, die ganze Textur

von Blattgrund, -häutchen,
-öhrchen, -scheiden
und -spreiten? Die Eigenart
seiner Neigung im Wind,
sein Verhältnis zu Schatten und
Licht, das Verhalten
bei Tisch wenn der Regen

mal nicht für alle reicht
oder die Suppe versalzen?
Seinen Einfluss auf
den Boden, die Krabbel- und
Kriechwege von Käfern
und Würmern oder
das Geräusch einer Sense

beim Schneiden (vom Sintflug
der Pollen, Duft seiner
Blüten und Ruscheln der Spirren
und Rispen, dem
Geschmack der Ährchen,
den Klonen, Variationen und
Farbtönen des Blattes
beim Pfeifen zu schweigen)?
Und wer es könnte: was
ließe sich so begreifen?

Dieser Beitrag wurde von Jens Rudolph am 14. März 2017 um 18:26 Uhr geschrieben.

Genre: Erinnerungsbrösel, Realitätsschatten, Wortmysterien

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