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Und auch Frauenlider wohnen in den Jahrhunderten, wie manche Nixen in den Fahrrinnen der Flüsse. Und auch hat ein jedes Jahrhundert sein Frauenlid. Und auch ähneln sie den Schwänen mit tiefgebogenen Hälsen und weitverteilten Schwingen in der Farbe der Zeiten, die selbst zwischen hell- und dunkelblauer Farbe verschwimmt – taubenartige Mitternacht. Und auch Lippen haben sie menschliche.

Und auch wohnen in den Farben, auf den Lippen der Blumen Minigeister: klein an Wuchs und der Gestalt nach Jungfrauen. Aber Gewandungen haben sie riesige. Und dem Menschen, der ihnen nahe, offenbaren sie sich nackt und erscheinen als wogende Kleidung, kreiselnd, und die Stoffe ringeln sich und kreisen und berühren uns, und dann sagen wir: Welch Dufthauch!

Und auch andere gibt es, unberührt und schüchtern, denen du sehr nahe treten musst, um sie wahrzunehmen. Und sie erscheinen nicht nackt.

Und wenn alles im Traum verschwindet, kommt ein gewisser Träumer geflogen und nimmt alles, wie das Körnchen, in seinen Schnabel…

1907

Dieser Beitrag wurde von chlebnikov am 9. Dezember 2010 um 01:37 Uhr geschrieben.

Genre: Realitätsschatten

1 Kommentar »

  1. Ach ja, die Lider und die Glider, die haben alle was zu deckeln, und auch der Schwanerich hat einen wunderbaren Hals, auch andre Teile sind der Rede wert, mancher z.B. hat einen wirklich schönen Mund, da klingt ein Ton, Jahrhundertrarität, fast glaub ich daß ich Ruhe fände, dort, gelehnt ans tiefe G, doch das ist Trug, nach 7 Takten hör ich es : Schwanengesang.

    Comment by fryxell — 9. Dezember 2010 @ 21:39

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