Kaunas 2017

Hinterm Schwan : der seinen Hals reckt
In den Himmel : begegnen sich
Nemunas und Neris : zerstäuben im Licht

Vereint im spitzen Kies : festgekettet
Schaukelt die Boje : eine Ente läßt sich
Treiben : die Jungen im Stromschatten

Landen im Gegenüber : wir tollen
Friedlich über die Wiesen : welch Duft
Welche Weite : die Angel surrt

Ins Heu graben sich Liebende : mit ihren Handys
Wer weiß : wen sie beiwohnen lassen
Wir sammeln Perlmuttsplitter : und frösteln

Nach Sonnenuntergang : die Möwen kreischen
Als begänne hinterm Ufer das Meer : wie vergeßlich
Ist unsere Generation : wie glücklich

Dieser Beitrag wurde von Theodor Holz am 10. Juli 2017 um 23:06 Uhr geschrieben.

Genre: Gemütstiefe, Realitätsschatten, Trauersymmetrie

8 Kommentare »

  1. Schön.

    Comment by Mindaugas — 11. Juli 2017 @ 10:09

  2. Seltsam. Perlmuttsplitter in Litauen? Im Heu? Perlmutt, Perlmuttspliter, Perlmuschel, Pinctada, kleben mit Muschelseidenfäden am Meeresgrund, Neozoen, zog sich vor Ägypten ihre Wanderschuhe an, latschte quer durchs Mittelmeer, passierte Gibraltar, einmal außen rum um Europa, durchs Kattegat ab in die Ostsee, ging bei Kaliningrad an Land, joggte die E67 entlang und löste sich schließlich, im Heu in Kaunas, in Splitter auf, weil sie wusste, da kommt ein Dichter, der gern Perlmuttsplitter auf einer Wiese in Kaunas finden möchte. Fällt sowieso keinem auf. Weiß keiner. Diese Generation ist ahnungslos, dachte sie, Perlmuttsplitter in Kaunas. Die Möwen kreischten nicht. Sie lachten.

    Comment by Eleadora Stein — 14. Juli 2017 @ 13:22

  3. Perlmuscheln leben doch nicht nur am Meeresgrund – Frau Stein, warum verbreiten Sie Fake News? Sogar in vogtländischen Bächen gibt es sie, das war mal ein ganzer Industriezweig (http://www.museum-adorf.de), warum dann nicht auch in litauischen Flüssen?

    Comment by Frau Perlmutter — 14. Juli 2017 @ 14:51

  4. Herrje, Frau Flussperlmutter, Sie haben wieder mal recht. Wie furchtbar vergesslich ich doch bin. Was heißt vergessen. Ich habe es nie gewusst. Margaritifera margaritifera. Das ist so, weil ich meine Bildung im Einkaufsnetz habe. Die Ente schaukelt. Die Boje blinkt. Die Möwen lachen mich aus.

    Comment by Eleadora Stein — 14. Juli 2017 @ 16:56

  5. In the Viliya, 15 mollusc species were identified, represented by a total of 133 individuals (WLOSIK-BIEÑCZAK 2003). In contrast to the Vilnia, numbers of species and individuals increased along the course of the Viliya. In site 1, only five species were found(9 individuals. In the next site(no.2), again five mollusc species were recorded, but the number of specimens was
    slightly higher (13 individuals). In site 3, molluscs were
    represented by nine species (40 individuals. In the last
    site (no. 4), also nine mollusc species were detected (71 individuals) .

    (aus: MOLLUSCS OF SELECTED WATERCOURSES AND RESERVOIRS IN VILNIUS, EWA WLOSIK-BIEÑCZAK)

    Comment by jetzt aber ganz genau — 14. Juli 2017 @ 17:06

  6. Ich entschuldige mich für meine Kommentare. Sie sind unangemessen. Das Gedicht ist gut. Kann man diese Kommentare wieder löschen?

    Comment by Eleadora Stein — 14. Juli 2017 @ 22:04

  7. man kann sie nicht selbst löschen. das muss der admin machen – oder derjenige, welcher den text geschrieben hat. man kann sie aber auch als eigenständige beiträge einstellen und so lernen, besser mit der scham umzugehen.

    Comment by frau kleist — 14. Juli 2017 @ 22:07

  8. Ich vergesse nicht. Ich schmiede meine Geschichte. Drehe mich in meine Spirale. Was ich sage, bleibt an mir. Klirrt bei jedem Schritt. Ich halte inne. Vergessen. Schweigen. Ich denke an die Möwen. Es gelingt nicht. Glänzen möchte ich. Ein stumpfer Schein.

    Comment by Eleadora Stein — 16. Juli 2017 @ 14:46

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