Vor der Party ist nach der Party

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Vor der Party ist nach der Party.

Dieser Beitrag wurde von frau kleist am 6. August 2017 um 18:49 Uhr geschrieben.

Genre: Erinnerungsbrösel

18 Kommentare »

  1. Versuchen wir das Bild zu verstehen. Es ist Tag. Wir sehen eine Wiese, anscheinend gehört sie zu einem Haus; sie ist von einem Zaun umzäunt. Die Wiese ist schlecht gepflegt, Löwenzahn (ohne Blüten) wächst da, Blätter liegen im Gras. Am Zaun wächst Gebüsch. Keine Mühe wird unternommen für Blumen oder Gemüse oder Obst. Aber Schafe gibt es auch nicht. Einige Gartenmöbel, anscheinend für den Anlass zusammen geschoben. Zwei alte Bänke, von denen die blaue Farbe abblättert. Drei billige Plastestühle und eine billige Plasteliege. Ein Metallgestänge im Hintergrund, vielleicht eine Teppichklopfstange. Zwei Tische, der eine mit einer weißen, der andere mit einer karierten Tischdecke bedeckt. Die karierte Tischdecke ist braun-gelb kariert. In den Karos sind Früchte: Paprika, Äpfel, Birnen, teilweise halbiert. Ein grüner Kugelgrill auf dem Boden, geschlossen, nicht qualmend, der aber eigentlich erhöht stehen müsste. Davor eine Flasche, vielleicht Brennflüssigkeit, vielleicht Cola, noch voll. Auf dem Tisch zwei Bierflaschen (Aldi?), zwei Kronkorken, ein Plastebecher für Bier (auf dem Kopf) und einer für Asche. Auf dem anderen Tisch: ein Plastebecher (richtig herum), eine Flasche Gewürzketchup, eine anscheinend leere Plasteflasche. Dazu ein Kuchen, rund, und eine silberne Schüssel, in der sich die karierte Tischdecke spiegelt. Kuchen und Schüssel sind mit einer Klarsichtfolie bedeckt. An einer Bank hängt eine Bauchtasche. Überraschenderweise liegt auf dem Tisch keine Gabel, kein Messer, keine Kuchenschaufel, sondern: eine Schere. Dazu zwei Männer. Die Sitztischgruppe links unten setzt ein eigenes kleines Gebiet. Dort sollen die Gäste sitzen. Der Kugelgrill ist ein eigener, entfernter Bereich. Die Dinge sind sicher mit Erinnerungen verbunden, mit Geschichten, die vielleicht die beiden Männer kennen. Obwohl die Party noch gar nicht begonnen hat, das Geschirr und das Besteck noch fehlt, das Feuer noch nicht entzündet ist, ja noch nicht einmal ein Sack mit Holzkohle zu sehen ist, haben die beiden Männer bereits zwei Bierflaschen geöffnet. Es ist ein Bild der Abwesenheit. Die Gäste sind noch nicht da, die Dinge sind noch nicht da und vor allem ist das noch nicht da, was mit der Schere aufgeschnitten werden soll. Sicher werden bald die Gäste kommen, der Grill wird rauchen, die Würste werden prutzeln, der Bierkasten wird sich lehren, die Stimmen werden lauter, es wird Nacht. Ein Fuchs, verborgen im Gesträuch, wartet geduldig auf seine Gelegenheit.

    Comment by Wassili Busskläff — 7. August 2017 @ 18:32

  2. Warum ist dieser Sommer so traurig? Es regnet, die Männer haben schon einen im Kahn, bevor die Feier so richtig begonnen hat… die Blumen und die Sonnen bleiben im Verborgenen.

    Comment by Ich möchte eine Blumenwiese — 7. August 2017 @ 20:22

  3. Wear some flowers in your hair.

    Comment by schwarzer Afgahne — 8. August 2017 @ 12:19

  4. Die Ähnlichkeit mit dem Mann auf der rechten Seite ist unverkennbar.

    Comment by das ist er doch — 8. August 2017 @ 18:41

  5. Und hier das Bild dazu:

    http://www.l-lv.de/inskriptionen/wp-content/uploads/2017/08/Heinrich_von_Kleist.jpg

    Comment by das ist er doch — 8. August 2017 @ 18:45

  6. Das sind Vater und Sohn, die angesichts der beider Leben auffressenden Arbeit endlich einmal etwas Zeit füreinander haben.

    Comment by Deutungsversuch — 9. August 2017 @ 10:41

  7. frau kleist, was ist Ihr Lieblingsbuch?

    Comment by Theo Klotz - Klarname Mephisto — 11. August 2017 @ 20:20

  8. Das vom Vater.

    Comment by Vater, unser — 11. August 2017 @ 20:28

  9. Ich schalte mich mal ein: Das Bild sieht einfach nur deprimierend aus. Es erinnert mich an Brigadefeiern des VEB Plaste und Elaste aus Schkopau. Mit nem weißen Bettlaken über die unegalen Tische und Bänke wäre gleich ein wenig mehr Stil und Flair ins Gartenreich eingezogen. Zudem drängt sich angesichts beider Personen wieder mein Wunsch nach Kleiderordnung in den Vordergrund: Mal ehrlich, wie laufen die denn rum??? Stil hat doch nichts mit dem Geldbeutel zu tun! Sind wir auf der Welt, um ix-beliebige Klamotten über unseren Körper zu legen? Oder sind wir dazu da, um unser Selbst zu zelebrieren, zu feiern? Ja, möchte man sagen: Ich bin. Wir sind. Und zwar nicht uns egal!
    Es gab einst eine Frau, die hart den Krieg miterlebte. Gezeichnet von Verlust, Gewalt und Trauer sagte sie stolz jeden Nachmittag, der damit begann, zwei oder drei Kekse auf ein Glastellerchen neben den Tassen mit Muckefuck zu legen, ein Kerzchen anzuzünden sowie das Kofferradio einzuschalten: Man kann es sich immer schön machen. Man muss es sogar. Selbst im größten Elend sollte man die Schönheit erkennen.

    Comment by Anonyma — 15. August 2017 @ 11:34

  10. Der Garten. Die Falte. Die Ellipse.

    Comment by Hin und Hirn. — 15. August 2017 @ 13:41

  11. der garten die falte die ellipse

    Comment by hin und hirn — 15. August 2017 @ 13:42

  12. lasst uns doch mal das bild dekonstruieren. wer war der/die fotografIn? anscheinend gehörte er/sie zur brigade dazu. was trug er/sie? und warum stellt er/sie dieses foto in die inskriptionen?

    Comment by jacques derrida — 15. August 2017 @ 13:45

  13. Also der Versuch ist doch zu erkennen. Da auf den beiden Tischen. Da ist doch alles ordentlich aufgestellt. Das hat eine Ordung. Und was ist Ästhetik anderes als Ordnung? Und mann will sich die guten Sachen ja nicht an der Holzkohle ansengen oder mit Bier oder mit Kartoffelsalat bespritzen. Das hat man an, im Garten.

    Comment by Rotkäppchen — 15. August 2017 @ 14:10

  14. Genau das ist das Problem: Die guten Sachen und die weniger guten…?
    Arbeitsklamotten gibt’s für die Kartoffelernte oder beim Umgraben. Selbst das hat Stil!

    Comment by Meckerer — 15. August 2017 @ 16:48

  15. Hat ein Besenstiel eigentlich Stil?

    Comment by Nachfrage — 15. August 2017 @ 16:49

  16. Hat ein Pappenstiel eigentlich Stil?

    Comment by Tigerzahn — 15. August 2017 @ 16:57

  17. Ich spendiere ein Küchenschürze. Das hat Stiel. Oder Sil. Die Lösung für alle Flecken. Aber: wollt ihr nicht mal was anderes kommentieren? Ich kann ja verstehen, dass es so schön ist. Ich fürchte nur, andere fühlen sich hier langsam vernachlässigt.

    Comment by frau kleist — 15. August 2017 @ 17:00

  18. Da ist Gewürz auf deiner Küchenschürz.

    Comment by Binnenreim — 15. August 2017 @ 17:06

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