Lied

Im Betrieb der Welt
eilen die Jahre vorbei
lasten auf uns.
Der Vollmond
kehrt wieder
nach einem Monat.
Eine Frühlingsblume verdorrt
zwischen Morgen und Abend.

Egal wie schön du bist,
du kannst die Falten nicht vermeiden
und auch deine Haare werden weiß
wenn das Alter dich klapprig macht:
schnell rufen sie deine letzte Nacht
und du schließt die Augen.

Der Tod ist überall:
Im Privatjet über Nizza
in den Favelas von Rio.
Unter zwei Meter Staub
werden wir liegen
ihr und ich.

Warum suchen wir im Sommer den Schatten?
Warum verstecken wir uns im Herbst vor dem Wind?
Bald wirst du dich trennen müssen.
Von den Freunden. Von der Familie.

Vielleichst hast du ein tolles Haus
mit Dingen darin, die du liebst.
Irgendjemand wird darin wohnen.
Keiner der Bäume in deinem Garten
wird dich überleben.
Alles, was du mühsam angehäuft
Tag für Tag
wird mit einem Mal
verschleudert werden.

Dieser Beitrag wurde von Eleadora Stein am 10. August 2017 um 14:38 Uhr geschrieben.

Genre: Trauersymmetrie

22 Kommentare »

  1. das Alter dich klapprig macht: der beste Satz im ganzen Gedicht. Klar wie Gin-Tonic. Beginnen wir: In Adersheim. Eine rundum runde Sache zum Anecken,

    Comment by frau kleist — 10. August 2017 @ 18:23

  2. Schule, Büro, Rente, aus.
    Die schalten die Geräte ab.
    Oder die Lieferung überollt dich.
    Achtzig Gigabyte Elektroschrott.
    Das ist alles.

    Comment by ein klappriges Gedicht — 11. August 2017 @ 13:20

  3. Muss ich noch was einnehmen, heute Abend?

    Comment by frau kleist — 11. August 2017 @ 16:08

  4. Danke frau kleist. Ja, dieses Gedicht, eine transformierte Übersetzung aus dem 16. Jahrhundert ist lasch. Sie haben recht. Lasch. Lasch wie die Sodexo-Erdbeeren in Adersheim.

    Comment by Eleadora Stein — 11. August 2017 @ 19:35

  5. https://www.google.de/search?q=Sodexo-Erdbeeren&ie=utf-8&oe=utf-8&client=firefox-b&gfe_rd=cr&ei=HPuNWaPAAuiE8QfPu4fQAQ

    Comment by frau kleist — 11. August 2017 @ 19:45

  6. Frau Stein, könnten Sie, nur zur Information und um der Vollständigkeit des germanistischen Fußnotenapparates willen, das Original hier einstellen? Danke.

    Comment by Geschwollene Füße — 12. August 2017 @ 09:35

  7. Das ist nichts aus dem 16. Jahrhundert, Frau Stein will uns zum Narren halten. Das ist maximal aus den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts, eher jünger, und bestenfalls noch aus der Sowjetunion.

    Comment by frau kleist — 12. August 2017 @ 10:10

  8. Das Original ist von Matteo Ricci. Chinesisch. Das hier ist aus der englischen Übersetzung. Die Quelle ist: http://www.silkqin.com/01mywk/themes/programs/mrxiqinquyi.htm . Da finden sie auch das Lied von der Oberschicht.

    Death reaches everywhere

    Alas! In the bustle of the world,
    years go by and quickly reach an end, pressuring on the living.
    The silver face of the moon changes every month.
    But the rosy softness of spring flowers withers from morning to evening!

    No matter what your beauty, you cannot avoid wrinkles,
    nor stop hair from becoming white.
    When old age and decrepitude arrive,
    they rapidly summon the lethal night upon you,
    and you close your eyes in death.

    Death reaches everywhere, does not fear royal palaces,
    does not shirk the houses of the poor.
    Poor and rich, ignorant and cultured,
    all are conducted along the tenebrous way.
    Burial under three feet of dirt,
    that awaits me as well as the royal prince!

    What is the use in making so many efforts to avoid the heat of summer?
    Why take so many pains to avoid the inconveniences of the autumn wind?
    Soon you will have to separate yourself forever from your wife, your relatives, your friends.

    If you have a beautiful house, decorated with precious things,
    maybe someone else will come and live in it.
    Is there anything you do not love about it?
    However, none of the numerous trees in your garden,
    except for the pine and the catalpa,
    will survive after the funeral of the master.
    All the riches you have accumulated with so much effort day after day
    will be enjoyed by your descendants,
    and squandered at once.

    Comment by Eleadora Stein — 12. August 2017 @ 10:42

  9. decrepitude = Klapprigkeit, Lotterigkeit, Baufälligkeit.

    Comment by Eleadora Stein — 12. August 2017 @ 10:44

  10. Oha, nur knapp daneben, frau kleist! Dafür gibt man Ihnen sicherlich einen Fleißpunkt.

    Comment by Warmer Fuß — 12. August 2017 @ 10:45

  11. Naja, das ist das Asiatische Prinzip, dass sich alles im Kreis dreht und man nur meditieren kann… Wir jedoch haben die Aufklärung erfunden. Und die Fettleibigkeit.

    Comment by Settembrini — 12. August 2017 @ 10:48

  12. Ich finde es einfach toll, dass in der Natur alles wiederkommt, da geht nichts verloren, selbiges gilt auch für den unbelebten Raum: Kein Anfang, kein Ende, wir fahren Karussel.

    Comment by Eintreten erlaubt! — 12. August 2017 @ 15:30

  13. irgendwie werd ich das gefühl nicht los, dass frau stein eine anspielung auf frau kleist beherbergt. nur komm ich einfach nicht drauf, was für eine. mir fehlt da ein inhaltlicher zusammenhang, mir kommt eine mögliche verbindung vor wie eine stromleitung, die irgendwo abgerissen ist.

    Comment by schwaene werden nicht gegessen — 16. August 2017 @ 15:10

  14. Gar keine Frage: Schwaene, Sie sind in Adersheim. Aber war nützt Ihnen das? Das Radio dudelt, statt “Wagner”, verstehen Sie “Wagina”, statt “vollgepacktes Programm”, “vollgekacktes Programm” (Das haben wir Tag & Nacht, in Adersheim). Eng wie ein Container ist Ihr Gehör geworden.

    Comment by Lass mich rein, ich hör Musik — 16. August 2017 @ 15:18

  15. Ich glaube eher, dass Eleadora Stein eine Anspielung auf Theodor Holz ist. Ein sonniges Geschenk. Stimmt’s?

    Comment by Rotkäppchen — 16. August 2017 @ 18:24

  16. Klasse. Vagina-Opern.

    “Wohl musste den tapfern Streichen
    die strenge Türe auch weichen.”

    Das hab’ ich letztens meinem Date ins Ohr singend geflüstert. Da brauchte ich sie gar nicht mehr fragen, ob sie meine blaue Mauritius sehen will. Oder meinen Grottenolm.

    Comment by Wonnemond — 16. August 2017 @ 18:32

  17. Warum ist ein Container eng?

    Comment by Häh? — 16. August 2017 @ 21:58

  18. “Eng wie im Container”, muss es heißen.

    Comment by Enges Gemüt — 16. August 2017 @ 22:14

  19. “Eng wie im Container.” Der Ursprung dieser Wendung ist wohl darin zu suchen, dass einerseits die Grenze in einem Container versteckt überwunden werden musste, und zum anderen darin, dass die anschließende Unterbringung auch wieder in einem Containerlager erfolgte. Es könnte aber auch seinen Ursprung im inneren Monolog eines mit künstlicher Intelligenz ausgestattetem Ding haben, das gemeinsam mit anderen mit künstlicher Intelligenz ausgestattetem Dingen, irgendwelchen Dingen eben, von irgendwo hierher transportiert wurde. “Eng wie im Container.” ist also ein Ausdruck der Verdinglichung der menschlichen Existenz, der, wie man sieht, auch seinen Weg ins Adersheim schon gefunden hat. Da gibt es dann auch keine Erdbeeren mehr, sondern Sodexo.

    Comment by Duden — 17. August 2017 @ 12:23

  20. Also Rotkäppchen, wieder mal das rote Tuch hier. Schnell mit einer klaren Antwort zur Hand. Schön eindeutig. Vielleicht ist ja Stein eine Anspielung sowohl auf frau kleist als auch auf Herrn Holz?

    Comment by Petersilie — 17. August 2017 @ 15:46

  21. Mit einer Vagina-Oper begrüßen wir Sie zu unserem vollgekackten Programm.

    Comment by Nach Adersheim! — 20. November 2017 @ 23:33

  22. Der Einfaltsknoten gestern zum Schadort wurde zehnmal verzählt.

    Comment by bin schon da — 23. November 2017 @ 10:38

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