Fuga atque reversio (Flucht und Wiederkehr XV)

Dessen bedacht, was nur zu ahnen, nicht jedoch zu wissen uns die Jugend gewährt,
jagte ich, unerschrocken, ja geblendet wie viele, dem Ruhme nach.

Nicht Lukrez, nicht Catull webten, leise Verse flüsternd, ein Sprache hegendes Netz;
die Zeit, daselbst sie regend Anteil nimmt an irdischen Belangen,
sie träumte mir vor – ich verfing mich darin.

Einst gedachte ich Deiner als Spiegel meiner selbst,
in Sehnsucht nach einem besseren Sich.
Im Anrufen der lieben Göttin lag Angst vor der Leere,
aus einem finsteren Loch krochen – der Verzweiflung zum Trotz -
Ideen, formten mit Hoffnung getünchte Sätze;
obgleich Schatten nur, nützliche Schatten – Leere brennt.

Nun, da die Mysterien der großen Mutter nahen,
nun, da die von der Wildheit des Fleisches umschlichene Feinheit des Geistes
ein in lockende Furcht getränktes Lachen gebiert,
schwebt
an späten, hellen Tagen – frischer, noch warmer Asche gleich -
Ehre um Worte wie kleine Wolken Blüten küssen zur Nacht.

Epilog

Die Edlen, deren Glück, gemessen an dem der Gemeinen, nie schal zu werden droht, fahren ewig hin in Seeligkeit.  Je wären Götter nur, keine Menschen, edel alle Gegensätze, alles woran Glück zu messen und wie es zu fassen sei zur Gänze her erleuchtet zu schauen.
Der Menschen Pfand, das Staunen, wiegt leicht und tanzt doch, wie Füchse um Hasen tollen, zur Freude der Himmlischen im windigen Sog der Tragödie als Feder der fragenden Waage.

Dieser Beitrag wurde von Faron Bebt am 19. August 2017 um 02:53 Uhr geschrieben.

Genre: Gemütstiefe, Wortmysterien

9 Kommentare »

  1. Mein treuer und ehrlicher Spiegel sagt es immer öfters zu mir: “Dich nicht selbst betrüg. Alt du bist. Vor der Zeit beug dich wie Feuer vor dem Wasser.” Ehrliche und ungetünchte Sätze, zu denen ich mich immer wieder selbst umschleiche. Ach. Mit der Bürste streiche ich meinem Sich durchs Haar. Dann ärgere ich mich über diesen windigen Sog der Eitelkeit.

    Comment by ein Diskus aus Adersheim — 19. August 2017 @ 12:35

  2. In Polemik sucht der Neid derer Zuflucht, die zwar Sensen zu nutzen wissen, nicht jedoch zu sähen, sich traumlos wandelnd an Zynik berauschen.

    Oder wie Catull an Clodia schrieb:

    “Irgendeine hohe Absicht zur Erleuchtung der Welt regte sich in dir und wurde an der Quelle vergiftet. Ich liebte (…) und ich werde nie wieder der selbe sein; aber was ist mein Zustand, verglichen mit dem Deinen?” (nach Thornton Wilder, Die Iden des März)

    Comment by Faron Bebt — 19. August 2017 @ 14:37

  3. Oh Faron, sagt, die Form, die Ihr da wähltet, nennt sie mir, sie scheint so wenig strenge doch, so frei.

    Comment by Publius Ovidius Naso — 19. August 2017 @ 15:08

  4. Usus tyrannus – Der Sprachgebrauch entscheidet (wie ein Tyrann) was richtig und falsch ist.

    (…) Und doch muss Cicero, und in ähnlicher Weise Vergil für den “Tod” der lateinischen Sprache entscheidend wichtig gewesen sein. Wir haben Zeugnisse dafür, dass vor allem die Werke dieser beiden schon in der frühen Kaiserzeit als unübertroffene Höhepunkte lateinischer Sprachkunst angesehen wurden.

    Schon der ältere Seneca, der Redner augusteischer Zeit noch gehört hat, stellt fest, dass sofort nach Cicero ein völliger Niedergang der Redekunst eingesetzt habe, dessen Ende nicht abzusehen sei.

    (…) wenn es in Zukunft weiterhin möglich sein sollte Cicero nachzuahmen, Vergil nachzueifern, dann war es notwendig auch deren Sprache, auch deren grammatikalisches Substrat zu erhalten. Und ebendieses Gefühl muss, meine ich, der Grund dafür gewesen sein, dass die lateinische Sprache insgeheim den Beschluss fasste, wie Oskar in der Blechtrommel von Günther Grasss ihr Wachstum einzustellen, auf dem einmal erreichten Stand zu verharren.”

    (Winfried Stroh, Latein ist tot, es lebe Latein)

    Comment by Faron Bebt — 19. August 2017 @ 16:38

  5. Der Mensch, er ist doch nicht der Täter seiner Taten. Er ist ein Gefäß der Götter, ihn treibt das göttliche Wirken ihn ihm.

    Comment by Remoh — 19. August 2017 @ 19:07

  6. Da benutzt hier schon jemand ein Zitat von mir, und keiner bemerkt es:

    Mein treuer und ehrlicher Spiegel sagt es immer öfters zu mir: “Dich nicht selbst betrüg. Alt du bist. Vor der Zeit beug dich wie Feuer vor dem Wasser.”

    Gleich die Polemikkeule. Ach. Beatrix.

    Comment by Petrarca — 21. August 2017 @ 14:58

  7. War klar. Nur hier wird so ein Schwachsinn reich kommentiert. Ey Loite, das ist Schulstoff Klasse 11. Ward ihr damals auch begeisterte Lateiner, Griechen und sonstige Spasten? Blickt euch um: Wo steht ihr jetzt? So hoch, dass ihr euch nicht traut, Scheiß als Scheiß zu bezeichnen?
    @faron: Miseret me tui.

    Comment by Van Schlegel — 29. August 2017 @ 10:35

  8. Das ist so, weil wir dem windigen Sog der Eitelkeit verfallen sind, der unserem Sich das ungetünchte Haar zerzaust.

    Comment by Calallus — 29. August 2017 @ 13:11

  9. He Admin., führ mal Daumen ein. Ist praktischer. Für Calallus einmal hoch.

    Comment by Van schießmichtot — 29. August 2017 @ 15:01

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