Hinter jedem Steind hockt ein Nazi

Nazis “hocken” also. Ich kann mir das Bild gut vorstellen: Quaderartige, in Blöcken geteilte Landschaft. Das Wetter ist gut. Die Sonne beleuchtet wie auf einer Bühne für Giganten. Tableaus aus Sandstein. Riesig, aus einem anderen Erdzeitalter. Die Sonne scheint rein und an bizarre Steinkultur. Ach nein, das ist ja Natur. Das geht nicht so richtig. Steinnatur. Klingt nicht gut, sieht auch nicht gut aus. Ob ich es diesmal auch kann? Ich bin mir nicht sicher. Gar nicht mehr so sicher. Ich muss mal ranzoomen, ein paar größere Feldsteine vor das geistige Auge zitieren, doch ich sehe nur kleinere Findlinge, von Abendrot beleuchtet. Karl Kraus wusste da Bescheid: Wenn die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten. Das kriegt jetzt wieder so einen grimmigen, fast märchenhaften Anstrich. So einen Glow. Ein Glimmen. Ich mag das. Das geht schon so in Richtung crysantheme, doch das soll es ja nicht, da muss ich den Geist rasch wieder weglenken. Hinter jedem Steind hockt ein Nazi. Stein d? Sind die Steine hier nummeriert? Stein a, Stein b, Stein c, Stein d? Sind das Hausnummern, Grundbesitzer? Hinter jedem Steind hockt ein Nazi. Steindl. Könnte ein österreichischer Autor sein. Jetzt mach ich die textliche Rutschbahn auf: Könnte ja auch sein, nach der letzten Wahl.

Dieser Beitrag wurde von frau kleist am 17. Oktober 2017 um 22:15 Uhr geschrieben.

Genre: Gemütstiefe, Rezensionen

8 Kommentare »

  1. So kann auch ein kleiner Tippfehler, ein zusätzlicher Buchstabe das Hirn anregen, um Mist zu produzieren….

    Comment by Stein D — 18. Oktober 2017 @ 09:00

  2. Die gibt es ja da wirklich. Da steht ein D drauf. Alle hundert Meter oder so.

    Comment by Eleadora Stein — 18. Oktober 2017 @ 09:08

  3. Und nummeriert sind die auch: 8/20 zum Beispiel. Muss ja seine Ordnung haben. An der Grenze. Da kann ja jeder kommen.

    Comment by Zugabe — 18. Oktober 2017 @ 09:23

  4. “Literarisch ist es ja so, dass durch Ablehnung die Dinge … eigentlich plastischer werden … materieller, sie stören … oder … stehen … im Weg …” (Marion Poschmann)

    Comment by Mal noch was Kluges zitieren. — 18. Oktober 2017 @ 17:31

  5. Der Schriftsteller versuchte immerzu, “unendlichen Gebrauch von endlichen Mitteln (zu) machen”; je elter er wurde, desto weniger alt wurde das Mehr vor seinem Strandkorb. Desto Meer wurden ihm Ältern, desto westo seyn klugg

    Comment by Verarbeitung eines Zitats, Erbeutung einer Dummheit — 19. Oktober 2017 @ 08:07

  6. Aufgrund des Inkrafttretens des Gesetzes 469 von 1912 über den Belagerungszustand verfügen wir:

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    10. Jede Privatperson, die eine strafbare Handlung begeht, sei sie auch nicht gegen die Sicherheit der Streitkräfte des Landes gerichtet, unterliegt der Gerichtsbarkeit der Sondergerichte (Militärgerichte).

    Comment by Armeebefehl vom 21. April über den Belagerungszustand — 20. Oktober 2017 @ 13:30

  7. Botschaft des Ministerpräsidenten Kollias an das Volk

    “Der hemmungslose und erbärmliche Parteienhandel, die Dekadenz eines großen Teils der Presse, der systematische Angriff gegen alle Institutionen, die Zersetzung, der Verfall des Parlaments, die Verleumdung aller, die Paralyse des Staatsapparates, das völlige Fehlen jeden Verständnisses für die brennenden Probleme unserer Jugend, der Mißbrauch unserer Schüler und Studenten, der sittliche Niedergang, die Unordnung und Verwirrung, die heimliche und offene Kollaboration mit den Umstürzlern, und schließlich die fortgesetzten Aufrufe gewissenloser Demagogen, – sie zerstörten den Frieden des Landes, schufen ein Klima der Anarchie und des Chaos, förderten Zustände des Hasses und der Zwietracht und führten uns an den Rand der nationalen Katastrophe. Es blieb schließlich kein anderer Weg der Rettung als die Intervention unserer Armee.”

    Comment by Hinteres Räumicht 17 — 20. Oktober 2017 @ 13:49

  8. Der 21. April 753 v. u. Z ist eine Linie. Eine Linie zwischen der Barbarei, die wir nicht mehr sind, und unserer Zivilisation, die wir sind. Eine imaginäre Linie. Sonst nichts. Der eine Zwilling springt darüber. Der andere ermordert ihn dafür. Nur wegen der blöden Linie.

    Comment by Vorbildfunktion für das politische und gesellschaftliche Leben — 23. Oktober 2017 @ 09:02

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